2012: Kanutour Poroeno und Lätäseno - Finnland

2012: Kanutour Finnland - Lätäseno - Poroeno - Valtijoki

Reisebericht: Kanutour in Lappland / Finnland

Gewässer: Wildflüsse Lätäseno, Poroeno und Valtijoki

Wer: Jens und Holger

Wann: Mitte bis Ende Juli 2012

Länge: 131 Kilometer

Touren Details:

Kanu/Canadier: Luftboot Grabner Adventure

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Reisebericht von einer Kanutour in Finnland auf den Flüssen Valtijoki, Poroeno und Lätäseno

Die Spinne aus der Yucca Palme

 

Prolog:

Eine mehrtägige Kanutour beginnt bei uns immer erst so richtig mit dem Abschiednehmen. Das mag im normalen Leben hin und wieder schmerzhaft sein, beim Urlaub mit dem Kanu ist es einfach nur befreiend. Egal ob man jetzt von Freunden, einem Kanutouren Veranstalter oder einem Wasserflugzeug Piloten verlassen wird, unvermittelt steht man nur mit seinen Paddel Gefährten und der Ausrüstung am Startpunkt und freut sich wie ein Kleinkind auf die kommenden Tage. Es ist der Moment ,wo es endlich los geht. So auch dieses Jahr am Anfang unser Kanutour in finnisch Lappland auf den Flüssen Valtijoki, Poroeno und Lätäseno.

 

Sonntag 15 Juli 2012: „Am nördlichsten Sandstrand Finnlands“

 

Video: Ein Wasserflugzeug Pilot in Finnland weiss ganz genau wann der letzte Moment ist um den Steuerknüppel nach oben zu ziehen!


Ursprünglich wollten wir unsere Tour am Porojärvi starten, es ergab sich allerdings, dass wir uns für die Einsetzstelle am Somasjärvi entschieden haben. Das Wasserflugzeug startete in Kilpisjärvi und der Pilot gratulierte uns ebenfalls zu unserem Startpunkt am Somasjärvi, dem „nördlichsten Sandstrand von Finnland“. Das war auch kein Marketing Gag, denn innerhalb von diesem Abschnitt Finnlands, gibt es nicht mehr besonders viel was nördlicher ist. Alles was im Hintergrund auf dem obigen Video zu sehen ist, gehört schon zu Norwegen. Die Grenze verläuft mitten durch den See.


Wir standen also wieder einmal in einer sagenhaften Landschaft und blickten auf auf die finnische Tundra, den See und die Berge mit Schneefeldern. Nach einer ausreichenden Zeit diese Landschaft zu huldigen, machten wir uns daran den Canadier aufzupumpen und die Ausrüstung zu verstauen, stoßen uns vom Ufer ab und Jens und Holger gleiten das erste mal dieses Jahr gemeinsam über die Wasseroberfläche. Herrlich.

Bevor wir von der eigentlichen Paddeltour berichten, müssen wir zeitlich noch einmal etwas in die Vergangenheit. Dies erklärt etwas ein paar Hintergründe und macht eventuell ein paar Entscheidungen etwas verständlicher.

 

Die Zeit vor dem ersten Paddelschlag:

Die Anreise Organisation nach Finnland war dieses Jahr etwas …. nun ja, sagen wir besonders. Es ist auch nicht so wichtig, und wer meint es unbedingt verstehen zu müssen darf nachfolgendes Bild analysieren.

 

anreise

Bild: Anreise Finnland 2012

 

Das ganze Gekritzel macht eines leider deutlich. So richtig umweltfreundlich kann man diesen Urlaub nicht bezeichnen. Auch bei Reisen in exotischen Ländern ist das der Fall. Eine Anreise mit Wohnmobil, Linienflieger, Transportdienst und Wasserflugzeug verdeutlichen sofort: Die Öko Bilanz von diesem Kanuurlaub ist schon vor dem ersten Paddelschlag komplett im Arsch.

Klar war, das wir am Samstag Nachmittag mit dem Wasserflieger vom Kilpisjärvi zu unserem Startpunkt im finnischen Outback geflogen werden sollten. Als wir am Samstag dort eintrafen, haben wir dann erfahren, dass ein Abflug an dem Tag nicht mehr möglich sei. Das Wetter war einfach zu schlecht. Viel zu stürmisch. Den ganzen Samstag konnte der Flieger nicht aufsteigen. Das war für uns natürlich erst mal ärgerlich aber wenn man seine Urlaube in der Natur verbringt kennt man diese Abhängigkeit. Schließlich planen wir wegen solcher Umstände immer ein paar Reserve Tage in den Touren ein. Und allein waren wir auch nicht. Auf dem Parkplatz vor der Wasserflugzeug Anlegestelle standen schon ein paar Autos, und ebenso ein paar Leute, die offensichtlich ebenfalls darauf warteten, ausgeflogen zu werden. Wir erfuhren auch, dass es teilweise Leute gab, die schon seit zwei Tagen auf ihre Abholung warten, irgendwo dort draußen.
Als wir die wartenden Leute sahen, befürchteten wir zuerst, dass dies ebenfalls alles begeisterte Paddler seien. Wir also in unserer Planungsphase auf einen mafiösen „Kanutouren auf eigene Faust“ Discounter hereingefallen waren. Einer von denen, die bisher nur in manchen südschwedischen Gebieten aktiv sind. Aber dem war nicht so. Es waren Fliegenfischer, Raft Gruppen, Sami Familien oder sympathische Finnen, welche eine Woche in der Natur verbringen wollten. Einen oder mehrere Vertreter dieser Lappland- Liebhaber Gruppen sollen wir während unser Tour wieder treffen.
Wir bezahlten bei der dauerrauchenden Abflugs Koordinatorin, eine Art Mutter im Fliegenfischerpuff, unsern Flug und die finnischen Angellizenzen und bekamen dann von ihr ein kleine Hütte zugewiesen, in der wir übernachten könnten bis wir ausgeflogen werden. Wir machten erst einmal ein Feuer, brutzelten ein paar Steaks und hofften auf besseres Wetter am nächsten Tag.



Am nächsten Morgen wurden wir von Wasserflugzeugmotorenlärm geweckt. Ein sehr willkommener Klingelton für diesen Morgen. Das Wetter ist folglich also etwas besser geworden, nicht der Wahnsinns Sonnenschein, aber doch so gut das der Flieger abheben darf. Die Warteschlange wurde abgearbeitet und der Flieger brachte die verschiedenen Leute an ihren Zielort, oder holte sie auch wieder ab. Manche warteten, wie bereits erwähnt, schon seit 2 Tagen darauf, dass sie am vereinbarten Ort wieder abgeholt werden. Unsere Abflugs Koordinatorin informierte uns zwischen ihren Lungenzügen, dass wir irgendwann am späten Nachmittag an der Reihe sind. Und dann passierte etwas, was unseren geplanten Reiseverlauf stark beeinflusste. Wir lernen Arttu und Maarit kennen. Die beiden gehörten zu einer siebenköpfigen finnischen Freundes Clique. Sie hatten zwei Hütten am Porojärvi gemietet, und wollten dort eine Woche mit Entspannen, Wandern und Angeln verbringen. Die Probleme begannen damit, dass sich herausstellte, dass die beiden echt sympathisch waren und Arttu zudem noch so eine Art finnischer Crocodile Dundee ist. Er war schon häufiger hier in der Gegend unterwegs und kannte offensichtlich jede Pfütze im Umkreis von 200 Kilometer, da er sie schon alle beangelt hatte. Ein richtiger Outdoor Freak, wie man sie bei uns allenfalls noch in einigen, von der Außenwelt verborgenen Kleinstsiedlungen im Allgäu antrifft. Er konnte uns auf der Karte ziemlich genau zeigen, wo wir Handy Empfang haben werden und wo nicht. Die Infos wurden uns natürlich auch nicht so an den Kopf geknallt, wir haben uns einfach ein bisschen unterhalten und haben nebenher unseren sowieso viel zu großzügig mitgeführten Bierdosen Vorrat dezimiert.

Und irgendwann machte Arttu uns doch den Vorschlag, unsere Kanutour etwas weiter nördlicher zu beginnen und auch noch den Valtijoki zu paddeln. Er sei zwar selber kein Kanu Fahrer, aber er  kenne den Fluss von seinen Wanderungen und es sei der Zitat „schönste Fluss Finnlands“. Arttu stiefelte also in die Hütte zur Flugkoordinatorin und kam mit zwei  DINA 4 Seiten zurück, die den Flussverlauf vom Valtijoki beschrieb, leider auf finnisch. Das war aber kein Problem, Maarit und Arttu übersetzten uns alles, und wir machen uns Notizen zu den finnischen Beschreibungen. Jens und Holger waren mit einem mal total euphorisch und somit beschlossen wir, unsere Tour zu verlängern. Unsere Zeit war sowieso großzügig bemessen, somit hatten wir keine Bedenken die Tour um 17 Kilometer  zu verlängern.
Wären wir nicht im Rausch von Lappland Sucht, Sweden-Snoose und Bier gewesen, hätten wir zu diesem Zeitpunkt gewisse Schwierigkeiten (bzw. eine Menge von Wildwasserkategorien größer WW III) erkennen können. Haben wir aber nicht, und somit schritten wir zur Flug Stornierung und Umbuchung. Denkbar einfach dort oben: „Is it possible to start at the Somasjärvi?“ „Yes you can. It´s 70 EURO extra. Tell the pilot your new drop off point when he will you pick up“.

Klasse, wieder freuten wir uns wie die Kleinkinder und quatschten und tranken noch eine Weile mit Maarit und Arttu. Die beiden meinten, dass wir sie auf jeden Fall besuchen müssten, wenn wir bei ihnen vorbeipaddeln, die anderen Leute von ihrer Gruppe hätten sicher nichts dagegen. Sie zeigten uns den Standplatz ihrer Hütten am Porojärvi.
Nachdem eine Sami Gruppe, aufgrund zu hoher Zulandung, nicht abheben konnte waren wir an der Reihe. Ausrüstung rein ins Flugzeug und los ging´s. Der Pilot war ebenfalls ein echt netter und cooler Typ. Er zeigte uns während des Fluges die verschiedenen Seen und unser Flüsse welche wir die nächsten Tage paddeln werden. Wobei Jens, nach kurzer Zeit im Flieger, übermannt von den Eindrücken des Flugs, des Snoose und der vier Bier auf nüchternen Magen das erste mal die Tauglichkeit des Schöpfeimers testete. Er erwies sich als ausreichend groß und dicht.


Am „most northern sand beach from Finland“ angekommen, luden wir die Sachen aus und der Pilot war ebenfalls äußerst entspannt. Er stand auf seinen Flugzeugkufen und redete noch ein bisschen mit uns. Nun und dann legte er den Abflug hin, der am Anfang dieses Reiseberichts zu sehen ist.

 

Die ersten Kilometer:

Mit den ersten Paddelschlägen gleiten wir Richtung Süden. Zu aller erst galt unsere Aufmerksamkeit dem Grabner Adventure. Der Luft Canadier wurde erst in diesem Frühjahr angeschafft. Natürlich gab es Probefahrten und andere Testläufe, aber der echte Härtetest begann erst hier. Eine detaillierte Analyse zur Tauglichkeit des Bootes machen wir an späterer Stelle. Wir hatten es nicht besonders eilig, da wir wussten, dass zu Beginn des Valtijoki eine VI Stromschnell auf uns wartete. An dieser wollten wir auch unser Zelt für die erste Nacht aufschlagen. Somit waren nur ein paar Kilometer Seenpaddeln auf dem Somasjärvi und dem anschließenden Somaslompolo hinter uns zu bringen. Aufgrund des bisherigen Tagesverlaufs immer in ca. 4 Meter Abstand vom Ufer.
Das Paddeln selber war erst mal nicht so richtig interessant, es ist diese sensationelle Umgebung in welcher man sich befindet. Eine Ruhe und Abgeschiedenheit, die einen nach Monaten der Arbeit, der Anreise per Autobahn, Zug und Flugzeug, den Stoßgebeten am Gepäckband des Zielflughafens fast immer erschlägt. Wir verbrachten die ersten Stunden also mit angeln, paddeln, schauen und glücklich sein.

Am Beginn des Valtijoki halten wir an und schlagen unser Zelt an der Stromschnelle Somaskköngäs auf einem kleinen Hügel auf. Da irgendwelche Bäume, Sträucher und dem daraus resultierendem Totholz, im Gegensatz zum Mückenaufkommen sehr rar sind, gibt es auch kein Lagerfeuer. Die Stimmung ist hervorragend. Abends können wir noch ein paar Wanderer bzw. Fliegenfischer beobachten die am Fluss entlanglaufen, und ihr Glück probieren. Selber fangen wir nur zwei unter-massige Forellen, welche zurück ins Wasser durften.

Montag 16.7.2012: „Aufwärmphase im kühlen Norden“

An diesem Morgen ist das Wetter erst richtig schön. Warm ist es hier oben nicht so richtig, vielleicht so 13 bis 14 Grad, aber wir haben uns temperaturmäßig auch nicht auf mehr eingestellt.... höchstens gehofft. Wir umtragen das Boot um die Stromschnelle, packen alles zusammen und machen unseren obligatorischen Kontrollgang am Übernachtungsplatz, so dass anschließend nur ein geschultes Indianerauge unsere Anwesenheit erahnen könnte.
Wir paddeln die ersten I bis III Stromschnellen. Spaßig und stressig zugleich. Wir benötigen immer etwas Zeit am Anfang, um in das gemeinsame Paddeln reinzukommen. Echtes Kanuwandern mit Wildwasser betreiben wir gemeinsam nur in Skandinavien. Doch dort sind wir, mangels zur Verfügung stehender Urlaubstage, leider viel zu selten.
In Deutschland sind es meistens eher gemütliche Fahrten in stillem Wasser und unter Begleitung der Regierung (aka Management aka Frau/Verlobte/Freundin), welche spaßigere Fahrmanöver kategorisch ablehnen. Und dann kann man auch sagen, dass Kanutouren für uns ein geliebtes Hobby ist, allerdings gibt es da noch ein paar andere, welchen wir ebenfalls leidenschaftlich nachgehen. Alle brauchen irgendwie Zeit. Hätten wir dieselben Stundenanzahl im Kanu verbracht wie auf dem Fahrrad oder im Dojo, könnten wir vermutlich über alle Stromschnellen kleiner VI nur herzhaft lachen. So aber müssen wir uns immer sehr bemühen wenn es wilder wird.
Ein weiterer Umstand ist auch der Wasserstand, welchen wir haben. Der Wasserstand war hoch genug, so dass wir nach Aussage von  Polar Lento die Tour auf dem Valtijoki machen konnten. An ein paar Stellen war es aber einfach zu flach so dass wir, trotz des geringen Tiefgang des Grabner Adventures, aus dem Boot raus mussten und immer mal wieder im Wasser standen um ein paar Flachstellen auf unserer Paddeltour zu passieren.

Vom Ziehen, Ruckeln, Treideln und den falschen Klamotten

Auf dem Valtijoki, wie auch auf dem oberen Teil von Poroeno gab es einige Stellen an denen wir das Boot durchs Wasser schieben mussten, da die Stellen zu flach waren. Hin und wieder war es ausreichend, wenn entweder Jens oder Holger das Boot verlassen hat. Oft mussten aber beide raus. Dann wateten wir gemeinsam durch das Wasser und suchten die Stellen, an denen es wieder tiefer wurde. Auf dem Valtijoki sind diese leicht zu erkennen, der Fluss schlängelt sich relativ schmal durch die wunderschöne finnische Landschaft. Auf dem Poroeno muss man öfters während der Fahrt eine Entscheidung treffen welche Linie man zwischen den Steinen paddelt. Oder es werden einem die Entscheidungen auch abgenommen, da verdeckte Steine knapp unter der Wasseroberfläche nur noch eine Richtung zulassen. Wie gut diese Entscheidungen zur Laufzeit getroffen werden, hängt mit einer gewissen Erfahrung und auch den Fähigkeiten der eigenen Paddeltechnik zusammen. Dies führt dann eventuell dazu, dass man später im Wasser neben dem Canadier steht, den Flussverlauf von unterhalb betrachten kann und sich denkt: „Schade, so wie es aussieht hätten wir dort uns weiter rechts/links halten sollen, dann wären wir wohl durchgekommen“. Uns passiert diese Situation immer mal wieder. Wie schon weiter oben beschrieben verbessert sich das ganze Wildwasser Paddeln während der Tour deutlich, nach ein paar Tagen ist man eingespielt. Was allerdings nicht immer klappt, ist zu erkennen wo der Hauptstromzug verläuft. Es gibt diese Grundregeln mit den Kurven Außenseiten usw. Aber die schön gezeichneten Bilder in den Kanuführern passen nicht immer so toll mit der Wirklichkeit zusammen.
Wer schon öfters gepaddelt ist, wird dies vermutlich kennen: niedrige Sitzposition, Wasserspiegelungen und das Wasser teilt sich in verschiedene Stromzüge auf. Jetzt muss man halt eine Entscheidung treffen, die bei uns nicht immer die richtige ist, aber umgesetzt wird. Jetzt kann auch der Einwand kommen, dass man ja anhalten kann um die Stromschnelle vom Ufer aus zu erkunden. Nun, dies machen wir auch soweit das möglich ist. Aber wenn überhaupt erst ab der Wildwasserkategorie III. Hätten wir auf dieser Tour 2012 jede Stromschnelle mit WW I bis WW II+ auch noch vorher erkundet, hätte uns der Weihnachtsmann einsammeln können, da hätten wir uns auch gleich auf eine Trekking Tour begeben können. Eine WW II+ ohne Besichtigung zu befahren hat uns bisher noch nie in Schwierigkeiten gebracht, wir hoffen das diese Einschätzung bis zur Rente auch anhält.

 

Im Zusammenhang mit Treideln und Co. müssen wir jetzt noch über unsere Kleidung sprechen. Auf unsern bisherigen Touren haben wir es immer folgendermaßen gehalten:

Wir hatten normale Outdoor Hosen, T-Shirt und Jacken an. Je nach Wetter dann eventuell noch Hard Shells. An den Füssen tragen wir dann entweder Stiefel oder eine sexy Neopren–Socken-Crocs Kombination. Auf den vergangenen Touren hat dies auch absolut ausgereicht und wir waren damit immer höchst zufrieden. Hatten wir mit diesem Outfit während der Tour ein Vollbad genommen, wurde bei schönem und warmen Wetter einfach weiter gepaddelt. Waren die Temperaturen zu niedrig, wurde der nächst gelegene Rastplatz angesteuert, die Wechselkleidung angelegt und die nassen Sachen am Feuer getrocknet.

Um dem höheren Wildnis Charakter der diesjährigen Tour gerecht zu werden, machten wir aber einen Upgrade.

 

Modelabels 2012 Finnland:

Holger: Alles wie bisher, allerdings an den Füssen eine Neopren-Socken mit Kajak Schühchen Kombination.

Jens: Präsentierte sich in der Saison 2012 mit einer günstigen Angler Wathose am Unterleib und seinem Standard Outfit am Oberkörper.

 

Beide Modelabels erwies sich auf dieser Tour als suboptimal bis idiotisch. Für diese Kanu – Kajaktouren auf dem Valtijoki, Poroen und Lätäseno sollten man sich unbedingt einen Neopren Long John zulegen, oder einen Trockenanzug. Wird einem auch jeder empfehlen. Die Herren aus Süddeutschland wussten es mal wieder besser. Solche Trockenanzüge oder Neopren Kleidungen sollen ja nur etwas lästig werden wenn die Sonne zu stark scheint. Eventuell haben wir einfach mit zu gutem Wetter gerechnet, aber auf jeden Fall haben wir unseren Erfahrungshorizont auf dieser Tour auch bezüglich geeigneter Paddelkleidung erweitern können. Beide Kleiungskobinationen von Jens und Holger haben einfach den Nachteil das sie nicht dauerhaft warm halten wenn man ins Wasser steigen muss. Eine Wathose Model „günstig“ hält zwar trocken aber nicht warm. Und trocken auch nur bis zum Kontakt mit dem „Prallfelsen“ ,da hat sich die Hose eher als Trichter erwiesen denn als hilfreich. Dazu später mehr.
Eine nicht zu erwartende Kriegsverletzung waren die blauen Zehen von Holger. Die Kajakschühchen waren zwar mit den Neopren Socken zusammen warm genug, aber die Kappen vorne müssen für die Kanutour hier oben stabiler sein. Zu oft stößt man beim durchwaten der Flüsse an Steine auf dem Grund. Die letzten Blut-verfärbten Zehnnägel wurden erst 6 Monate später entfernt.


Am frühen Nachmittag passiert es dann in einer blöden II. Holger landet im Wasser. Die Lufttemperatur liegt bei geschätzten 10 Grad. Wir suchen uns sofort einen Lagerplatz. Wir finden auch schnell ein wirklich schönes Plätzchen. Holger zieht erst einmal trockene Sachen an und dann haben wir das Glück, dass wir an diesem Flussabschnitt eine relativ große Menge Treibholz und Gestrüpp finden. Wir reaktivieren eine alte Feuerstelle und freuen uns.

Das Wasser an unserem Lagerplatz ist außergewöhnlich klar. Bäume gibt es hier immer noch nicht, nur ein paar Sträucher und noch ein paar Schneefelder in schattigeren Hügelbereichen.
 

       
 

Dienstag 17.7.2012: „Der schönste Fluss Finnlands“

Nach dem Zusammenpacken und Aufräumen fahren wir den Valtijoki weiter Richtung Porojärvi. Wir sind nun auf dem Abschnitt welchen Arttu wohl als den „most beautiful river from Finland“ bezeichnet hat. Er ist wunderschön hier. Wenn man mit dem Paddeln aufhört, ist es eine unglaubliche Stille. Es ist echt fantastisch hier. Dies sind die Augenblicke wo alle Strapazen vergessen machen.
Eventuell freut sich jetzt der eine oder andere Leser darauf, die Bilder von diesem Abschnitt zu sehen. Da wird leider nichts draus. Wir haben nämlich keine gemacht und das ist schade und richtig zugleich.
Auf der einen Seite muss man wirklich gestehen, dass wir uns über schöne Urlaubsbilder daheim immer freuen. Ich schaue sie mir häufig an, mache Fotobücher (natürlich nur auf Büchern mit echtem Fotopapier :-)  ) oder veröffentliche ein paar davon in einem Reisebericht im Internet.
Allerdings, habe ich bei verschieden Situationen schon Menschen beobachtet, die das, was sie fotografiert haben, überhaupt nicht mehr angeschaut haben. Das „Live“ Bild bzw. die Situation war ihnen unwichtig. An Priorität eins stand, dass das ganze fotografiert werden muss. Wie gesagt ich bin gerade etwas zwiespältig. Es ist schade das wir diesen Abschnitt fotografisch nicht festgehalten haben, auf der anderen Seite ist es herrlich dass man sich noch so über eine Umgebung freuen kann das man die Kameras, ja wir hatten zwei dabei, vergisst.

 

Exkurs: Reizthema "GoPro Kamera"

Aufnahmetechnisch ist der Urlaub sowieso äußerst schlecht gestartet, zumindest was geplante Filmaufnahmen angeht.

Machen wir uns nichts vor: Wir hätte vor 3 Jahren in GoPro Aktien investieren sollen, dann müsste ich heute nicht mehr arbeiten. Diese GoPro Aufsteller Schränkchen mit Bildschirm und der abschließbaren Glasvitrine darunter, sieht man ja mittlerweile in so gut wie jedem Outdoor Zubehör Shop. Die geilsten, sportlichsten Videos laufen auf den Bildschirmen. Man fährt keine Skipiste, Rodelbahn oder Mountainbike Trail mehr herunter ohne das man nicht mindestens 10 Spacken überholt, welche so eine GoPro auf dem Kopf haben. Kann man die Dinger eigentlich mittlerweile auch im Beate Uhse laden kaufen? Wundern würde mich das nicht (Welche Promotion Filme sie dort wohl zeigen?). Jedenfalls hatten wir vor, uns ebenfalls mit diesem Trend auseinandersetzten und hatten großartig Vorstellungen von actionreichen Filmaufnahmen im skandinavischen Wildwasser. Von unserem Kumpel Rainer haben wir eine GoPro mit zwei Akkus ausgeliehen und dem überdimensionierten Urlaubsequipment hinzugefügt.
Nach Abflug des Wasserflugzeugs wollten wir die ersten Filmaufnahmen machen. GoPro an. Es passiert nichts. Akku leer. Pah, wir Füchse haben ja zum Glück den Ersatzakku. Als rein mit dem Ersatzteil. Klasse, nur noch ein blinkender Balken auf der Akkustands Anzeige. Somit waren alle Pläne für Filmaufnahmen in HD Qualität gestorben.

Oh man, haben wir geflucht. Auf der Tour hätten wirklich spannende Filmchen gedreht werden können. War es jetzt die Kälte im Gepäckraum von SAS? Oder die Tatsache, dass der Anschaltknopf bei dem Ding etwas ungeeignet ist? Wenn die Filmkamera mit anderen Ausrüstungsgegenständen in einer Kanutonne liegt, schaltet sie sich offensichtlich gerne von allein ein. Wie kann ein Produkt mit solchen Mängeln denn so erfolgreich sein? Wir wissen es nicht. Was wir allerdings wissen ist folgendes: Sollte sich uns gegenüber mal jemand als GoPro Vertreter zu erkennen geben, werden wir das Ding dahingehend überprüfen, ob es auch für Darmspiegelungen geeignet ist.


Wie gesagt die Landschaft ist absolut sensationell. Manche Flussabschnitte sind spiegelglatt, meist kurz vor einer der VI Stromschnelle von denen es insgesamt sechs am Valtijoki gibt. Das Wasser staut sich auf, bevor es dann knackig nach unten geht.

Eine Stromschnelle von Wildwasserkatgorie V und VI bedeutet natürlich immer Umtragen. Die hohe Anzahl dieser Wildwasserkategorien auf dem Valtijoki hätte uns bei der Besprechung mit unseren finnischen Freunden auch auffallen können. Jedenfalls hat das Wort „Umtragen“ in diesem Urlaub einen neue Dimension bekommen. Es wurde ja schon erwähnt, dass wir die Entscheidung den Valtijoki zu befahren sehr spontan und vor allem unter dem Konsum von legalen Drogen getroffen haben. Es kann auf den 17 Kilometern am Valtijoki bis zu 11 Portagen geben. Wir waren nie eine Touren Gruppe die sich von solchen Umtragungen hat abhalten lassen, allerdings gelten hierfür ab jetzt gewisse Einschränkungen.

Bei unserer ersten Lappland Kanutour hatte ich noch eine Excelliste mit allen Reiseutensilien gemacht. Und es gab die Spalte Gewicht, welche alles addiert hat. Nichtsnutzige Besucher, welche ich immer noch zu meinem Freundeskreis zählen muss, haben mich damit aufgezogen und es als übertrieben hingestellt, um genau zu sein sie belustigen sich heute noch darüber. Nun ja ich hätte diese Spalte beibehalten sollen, denn eines hat uns in diesem Fall eine Menge Schweiß und Blut gekostet:
 

Eine viel zu schwere Ausrüstung und Proviantausstattung!


Im Grunde freuen wir uns jetzt schon darauf, dass wir für die nächste Tour alles besser machen können, aber im Jahr 2012 sind bei uns komplett die Pferde durchgegangen. Im Jahr 2013 werden wir wieder nur mit Lendenschurz und Rambo Messer aufbrechen, mehr nicht.

Ok, ein kleines Quiz. Wie zählen nun ein paar Ausrüstungsgegenstände bzw. Umstände auf welche wir dabei hatten:

  • Ein Grabner Komfort Sitz für das Luftboot.
  • Ein Boccia Kugeln Spielset
  • Einen 4 Kilo schweren Tischräucherofen inklusive Räuchermehl und Spezial Lauge zum einlegen.
  • Jagdzwille inklusive Stahlkugeln
  • Bier > 20 kg inklusive Rum und Gin Tonic
  • 2 Kilo Outdoor Wok
  • Am Ende der Kanutour noch 15 Kilogramm Essen übrig

Auflösung: Nur ein Punkt davon ist gelogen. Hintergrund ist unsere bisherige Einstellung gewesen: Auf  Canadier Touren können wir uns einen gewissen Komfort bzw. Bespassung gönnen (Siehe: Ausrüstungsliste für Kanutouren). Man hat ja schon eine Art Lastkahn dabei, im Vergleich zum Kajakfahren oder gar einer Trekking Tour. Essen wurde nach Gefühl eingekauft. Jedes mal wenn wir über ein Teil der Ausrüstung gesprochen haben, endete das so gut wie immer damit das es hieß „Ach, wir haben doch einen Canadier, da haben wir genug Platz und Zuladung“. Wir sind schliesslich keine Anfänger, waren doch schon so oft auf Kanutouren unterwegs. Das war alles wirklich nicht so intelligent. Unser Hochmut, den wir in dieser Planungsphase gezeigt haben kam uns bei den vielen Portagen während der Kanutour sehr teuer zu stehen. Und dann noch das ganze Bier!

 

Exkurs Bier:

Das mit dem Bier bzw. Alkohol ist nun mal so eine Sache. Was ist richtig was ist falsch? Alkohol ist  ungesund und führt zu Problemen, das ließt man so häufig. Wieso sehe ich dann aber so häufig offensichtlich glückliche Menschen im bayrischen Biergarten mit diesem Getränk in der Hand? Meistens geht es doch nur darum, einen vernünftigen Umgang mit diesen verschiedenen Verführungen des Lebens zu finden. Immer nur zu sagen "Das ist total schlecht und das darfst du nicht machen" fruchtet da oft wenig.
Anyway. Das mit dem Alkohol ist so ähnlich wie mit den Themen "Fahrradfahren ohne Helm", "Darf ich ein Lagerfeuer im Fjell anzünden, ohne dass ich in Todesgefahr schwebe" oder die Ausführung des vorehelichen Geschlechtsverkehrs. Je nachdem welche moralische Institution bzw. Person man mit solchen Lebensfragen konfrontiert, wird man beleidigt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt, mit dem Kapitän der Excon Valdez verglichen oder eben mit einem fragenden Achselzucken angeschaut: "Whoe cares?".
Eine Menge an Bierdosen auf eine Kanutour mitzuschleppen wie wir das getan haben war idiotisch aber wir haben dafür bezahlt, und damit meinen wir nicht die horrenden Preise für Alkohol in Finnland. Sagen wir es mal so: das Bier bringt weniger Spaß als es wiegt.

 

Die erwähnten Portagen waren teilweise 1 Kilometer lang. Oder es waren steile Pfade zu erklimmen welche man auch wieder nach unten musste. Die Menge und Kilozahl unser Ausrüstung machten es erforderlich, das jeder von uns drei mal tragen durfte, und dann noch einmal gemeinsam den Grabner Canadier. Bei 1 Kilometer Umtrage- Strecke macht dies also 7 Kilometer Fußmarsch pro Person mit Gepäck an teilweise recht spaßig, steilen Flussufern. Am Valtijoki gab es pro Tag 3 – 4 Portagen am Tag. Ja, doch, sehr sportlich war diese Tour auf dem Valtijoki, das darf man ruhig erwähnen.

Wir sind gerade in einem WW II – III Abschnitt als sich das Boot an ein Stein quer stellt und wir es nicht mehr rechtzeitig ausrichten könne. Es kippt und wir stehen in der Strömung und betrachten die Bootsunterseite. Der Schöpfeimer schwimmt davon.
Wir richten das Boot aus und besprechen kurz die Situation. Alles ist sicher verstaut in Kanusäcken und Tonnen. Diese sind mit dem Seil am Canadier gesichert, so wie wir es immer machen. Das einzige Problem könnte die Angel sein, die mit einem Karabiner auf der Oberseite befestigt ist. Die Strömung ist stark, wir können aber sicher stehen. Ufer ist ca. 5 Meter entfernt und bis dahin ein paar Felsbrocken. Wir gehen zusammen auf eine Seite und drehen das Boot wieder um. Die Angel sieht noch gut aus. Wir fahren noch ein Stück und waten dann am Rand durch das Wasser. Es kommt wieder eine V Stromschnelle in einem kleinen Canyon die wir umtragen tragen müssen. Dabei müssen wir auf einen kleinen Hügel hoch und wir beschließen dort unseren Lagerplatz einzurichten.


Der Platz ist der absolute Oberhammer. Wir richten das Lager ein und stellen dabei mal wieder einmal fest, dass die Kanusäcke mit den Rollverschlüssen nicht absolut zuverlässig sind. Also die Dinger sind schon dicht, wenn sie nur im Regen stehen oder unter Wasser gedrückt werden. Aber wenn sie unter Wasser in der Strömung hängen, und diese so richtig zerrt und rüttelt sind teilweise die Grenzen erreicht. Wir haben das schon 2011 feststellen müssen. In diesem Jahr haben wir auch beschlossen, zumindest den Schlafsack doppelt zu sichern. Diese Jahr also wieder. Es ist nicht weiter schlimm, da es nichts wirklich wichtiges erwischt hat. Ärgerlich ist es trotzdem. Aber auch nur kurz. Dazu sind wir in dieser Umgebung einfach zu glücklich. Wir machen ein Bier auf, haben ja eh genug, und beobachten ein paar Wanderer in ca 300 Meter Entfernung. Super, 4 Kilometer an einem Tag. Hoffentlich erfährt niemand was von dieser Glanzleistung.
 

Video: Glanzleistung


 

Mittwoch 18.7.2013: „Einchecken im Porojärvi Luxus Resort“

Am nächsten Tag tragen wir alles runter in den Canyon. Und paddeln weiter. Nach ein paar hundert Meter fischen wir unseren Schöpfeimer am Rand auf, den wir glücklicherweise wieder finden. Es kommen ein paar nette Stromschnellen und auch zwei sportliche Portagen, teilweise durch Dickicht, welches jetzt häufiger auftritt. Die Temperaturen sinken weiter und der Himmel sieht nach Regen aus.

An einer Stromschnelle kommt eine Diskussion auf. Holger ist an dem Tag etwas durch und klassifiziert eine Stromschnelle in die Kategorie „umtragen“. Jens sieht das anders. Er möchte kalkuliertes Risiko gegen sportliche Ertüchtigung am Uferrand tauschen. Wir hatten mal eine Regel zu Anfang unserer Touren aufgestellt, daher umtragen wir auch diese Stromschnelle. Aber wir verfluchen mittlerweile unseren Biervorrat und haben auch schon einem Plan uns von diesem zu entledigen.

Am Ende dieser Portage filmen wir dann noch eine 360 Grad Aufnahme von der Landschaft:


 
 

Video: Rundumblick

 

Der Fluss wird breiter und verzweigt sich etwas. Wir sind am Ende des Valtijoki

 

Fazit Valtijoki:


Der Valtijoki ist ein wunderschöner Fluss. Er ist wild und rau. Er ist abgelegen, einsam und nur zu Fuß bzw. dem Wasserflieger / Helikopter erreichbar. Der Fluss ist für Paddel Anfänger, wie auch für Leute die etwas gegen körperliche Ertüchtigung haben, nicht geeignet. Kajakfahrer und Paddler mit minimalistischem Gepäck sind im Vorteil. Eine III sollte im beladenen Kajak / Canadier sicher befahren werden können. Handyempfang hat man keinen am Valtijoki, dies kann zu einer Belastung werden, da man bei einem Unfall nicht einfach Hilfe mit dem Handy rufen kann. Belohnt wird man dafür mit einer sensationellen finnischen Tundra Landschaft. Den Valtijoki muss man sich erarbeiten.

 

Wir erreichen das Ende des Valtijoki und rechts zeigt sich der Porojärvi. Das Wetter wird schlechter und nochmal kälter. Geschätzt sind es jetzt 8 Grad. Wir sehen ein paar Hütten in Ufernähe und überlegen ob das die Unterkünfte von Arttu, Maarit und ihren Freunden sind. Es fängt gerade an mit regnen was nicht stört, da wir am letzten Stop schon unsere Hardshells angelegt haben. Da kommt eine unbekannte Person von der Hütte an Ufer und ruft „Hallo, habt ihr Lust auf ein trockenes Plätzchen in einer warmen Hütte?“ Es ist Juho. Er gehört  zu der finnischen Gruppe aus Oulu. Er hat einen Teil seine Architekturstudiums in Deutschland gemacht und freut sich ganz offensichtlich , dass er mal wieder Deutsch sprechen kann. Und wahrscheinlich hat er auch instinktiv unsere Biervorräte gewittert.

Wir legen an und Juho führt uns Haupthaus und wir lernen den Rest kennen.
Maarit kennen wir ja schon vom Kilpisjärvi. Arttu ist nicht da, er ist mit Eero zu einer zweitägigen Wanderung aufgebrochen, da sie einen bestimmten See irgendwo im finnischen Outback befischen wollen. Dann sind da noch Vesku, Anna und Maiju. Maiju spricht ebenfalls sensationell gut deutsch. Aber meistens sprechen wir Englisch, das versteht jeder. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt , dass eigentlich überall in Skandinavien Englisch gesprochen und verstanden wird. Manchmal kann es so einfach sein. Wir fragen uns wieso das deutsche Bildungsministerium nicht einfach die Synchronisation von ausländischen Filmen verbietet. Die englischen Sprachkenntnisse in einem Land können damit enorm verbessert werden.

 

Gastfreundschaft Finnland: Full Points

Diese finnische Truppe ist einfach herzlich. Wir dürfen uns erst mal im Haupthaus aufwärmen und bekommen Kaffee. Sie fragen uns natürlich, weshalb wir jetzt erst nach drei Tagen hier sind, und wir erzählen unser Geschichten vom Schleppen, Zerren, Baden und unseren suboptimalen Kanusack Inhalten. Ein paar Geschichten von uns finden sie durchaus interessant und somit fühlen wir uns in der richtigen Situation sie um einen Gefallen zu bitten. Wir hatten nämlich nicht vor, auch nur eine einzige volle Bierdose weiterhin mit uns rumzuschleppen. Wir würden gerne den gesamten Vorrat vernichten und erbaten hierfür finnische Unterstützung. Die Antwort auf diesen Antrag war eindeutig. Juho, Maarit, Vesku, Anna und Maiju wollten in jedem Falle ihre finnische Gastfreundschaft unterstreichen und stellten sich zur Verfügung, diesen Projektplan umzusetzten.

Zu aller erst kam aber die Frage auf, ob wir denn Lust auf frisch geräucherten Fisch hätten? Was für eine Frage, klar hatten wir. Und es wurde erst mal eine Forelle geräuchert.
Die Sauna war irgendwann auch heiß genug und die Jungs fragen uns doch tatsächlich „Is it ok if we also go into the sauna“. Unglaublich die verköstigen uns, unterhalten uns, heizen die Sauna an und fragen uns dann auch noch ob sie mit rein dürfen. Klasse.
Wir machten dann zusammen die klassischen drei Gänge mit anschließendem Bad im Poroeno. Während in deutschen Saunen beim Aufguss jedes mal eine Zeremonie wie bei einem Staatsbegräbnis gemacht wird, läuft das im Ursprungsland der Sauna etwas pragmatischer. Man schwitzt und quatscht und wenn es zu schwach wird, wirft irgendeiner einfach eine Kelle voll Wasser Richtung Saunaofen und macht ein neues Bier auf.


In der Sauna erfahren wir interessante Dinge über diese Hütten in denen wir uns aufhalten. Zum Beispiel, dass der ehemalige finnische Präsident Urho Kekkonen hier öfters anzutreffen war. Er verbrachte hier seine Ferien bzw. lud auch politische Gäste aus dem Osten hierher ein. Zur Jagd, zum Trinken und um Themen der Weltpolitik zu diskutieren. Somit haben sowohl der ehemalige finnische Präsident, wie auch der russische, und nun auch Jens und Holger ihre blanken Hintern in dieser Sauna auf die Holzbalken gedrückt. Fantastisch! Also noch eine Bierdose, wir haben ein Projekt zu erfüllen.

Nach den Saunagängen wurde dann das vorzügliche Schweine-Stew serviert, welches seit ungefähr 8 Stunden auf dem Herd köchelte. Dazu gereicht wurden Salat, Dosenbier und Schnaps welcher auch noch irgendwo aufgetaucht ist.
Irgendwie kommen wir uns vor wie in einer Werbepause. Wildnis Trip? Das war doch dieses Ding in welchem sich diese beiden Informatiker jedes Jahr beweisen mussten, dass sie echt harte Kerle sind. Und jetzt feiern und genießen wir das feinste Essen in gefühlter 5 Sterne Umgebung am Porojärvi. Nun ja, man muss das Leben so nehmen wie es kommt.

Es gab noch Lagerfeuer, Zwillenschießen und interessante Unterhaltungen. Irgendwann um 3.00 Uhr Morgens, natürlich taghelle so weit nördlich vom Polarkreis, haben wir die deutsche Fahne eingeholt und uns schlafen gelegt.

 

Donnerstag 19.7.2013: „Grawp lebt jetzt in Finnland bei den finnischen Sherpas“

 

Das Walkie Talkie klingelt irgendwo in der Hütte und wir werden wach. Juho, nicht mehr ganz so frisch aussehend wie am Abend zuvor als wir uns hingelegt haben, steht auf. Er meint Arttu und  Eero sind auf dem Rückweg und benötigen ein Ruderboot Transport. Den See welchen sie erwandert haben lag nämlich links vom Poroeno. Die Hütten stehen allerdings auf der rechten Seite. Daher wird mit dem Hauseigenen Ruderboot auf die andere Seite übergesetzt um sie abzuholen.

Das Wetter ist jetzt echt ekelig. Das finden auch Arttu und Eero welche nun zwei Tage unterwegs waren. Regen und immer noch ca. 7 bis 8 Grad. Die beiden haben schon per Walkie Talkie darum gebeten das man doch schon mal die Sauna anheizt. Auch wenn es Finnen sind, vollkommen kälteresistent sind sie auch nicht. Die beiden begrüßen uns kurz schlüpfen dann aus ihren Klamotten und den dampfenden Schuhen und verdrücken sich erst mal in die Sauna.

Ach ja, und dann wurde zum Brunch gerufen. Langsam kommen wir uns echt wie in einem Traum vor. Wir können zwischen verschiedenen Getränken und Speisen wählen, und das alles in einer trockenen, warmen Hütte während von draußen die Regentropfen an die Scheibe hämmern. Die Auswahl kommt durchaus an die vom Zeitlos in Konstanz hin, aber natürlich schmeckt hier alles noch besser. Urlaub, Skandinavien und körperliche Ertüchtigungen lassen einen viele Dinge einfach  intensiver erleben. Aber das, was vor allem Maiju, Maarit und Anna hier auftischen nachdem sie uns schon den gestrigen Nachmittag und Abend verköstigt haben, ist einfach unbezahlbar. Während der weiteren Tage und bis heute erinnern wir uns immer wieder an diesen 24 Stunden Luxusaufenhalt am Porojärvi. Wir hoffen sehr darauf, dass wir uns einmal in Deutschland oder der Schweiz erkenntlich zeigen können und ihnen in unserer Heimat eine vergleichbare Gastfreundlichkeit entgegenbringen können. Juho gaben wir dann noch die Handynummern von unseren Regierungen. Wir baten darum, dass sie ihnen doch eine kurze SMS schicken wenn sie in zwei Tagen wieder zurückfliegen nach Kilpisjärvi. Wir hatten die letzten Tage wie erwartet kein Handyempfang und würden auch die nächsten Tage keinen haben. Und da wir ja hinter unserem Zeitplan für die Tour lagen, wollten wir die Gemütslage daheim etwas beruhigen. Hat dann auch geklappt wie sich im Nachhinein gezeigt hat.

Mit Arttu konnte man sich prima über das Jagen und Fischen unterhalten. Er betreibt beides leidenschaftlich und wäre Holger nicht unsterblich in die tollste Frau der Welt verliebt, hätte er ihm eventuell einen Heiratsantrag gemacht. Auf seinem Smartphone zeigte er uns Bilder vom erfolgreichen Fischen und Jagen in Finnland, das war beeindruckend. Arttu hatte im übrigen zwei Tag vorher einen persönlichen Rekord mit der Fliegenrute aufgestellt. Eine 1,7 Kilo Äsche.
Das Verhältnis der Menschen zur Jagd, und des damit verbunden Töten und Verarbeiten der Beute ist hier oben im Norden definitiv ein anderes, wesentlich gesünderes, als in Deutschland.

 

arttu aesche

Bild: Arttu the Finish Crocodile Dundee with a Grayling. This man can kill a bear with two fingers!

arttu forelle

Bild: Arttu der finnische Crocodile Dundee mit einer Forelle

 
Die Oulu Truppe hat uns angeboten, noch einen Tag zu bleiben. Wir haben abgelehnt, nicht weil wir nicht wollten, aber wir konnten die nächsten Tage nicht einschätzen. Das Wetter zwar schlecht aus aber so lange es zumindest nicht stürmt oder gewittert, wollten wir los. Wir waren gegenüber unserer ursprünglichen Planung etwas in Verzug. Im Nachhinein betrachtet, hätten wir noch genug „Luft“ gehabt, das konnten wir aber nicht wissen. Noch einen Tag mit diesen sympathischen, fröhlichen, witzigen und intelligenten Leuten zu verbringen wäre toll gewesen, es hätte uns allerdings um eine weiter legendäre Begegnung ärmer gemacht.

Also paddelten wir am los, unsere ersten Kilometer auf dem Poroeno. Das war hart. Ungefähr 8 Grad Celsius und Regen. Eingepackt in unsere wärmsten Klamotten und Hard Shells. Und das nach einem Tag mit klasse Leuten, Sauna, der kompletten Vernichtung unseres Bier Vorrats und interessanten Gesprächen. Jetzt waren wir wieder unterwegs, mit demselben Depp im Kanu wie schon die Tage zuvor, und nicht mehr im Deluxe Resort am Projärvi. Nach unserer Rückkehr in den Süden hat man es in vielen Foren gelesen. Richtig gutes Wetter hatte niemand diesen Sommer in Nord Europa.
Wir mussten oft aus dem Boot, da das Wasser zu flach war und wir aufsetzten. Ziehen, zerren, treideln war angesagt. Unangenehm aber doch ein Abenteuer Faktor, den was wir suchen. Die Umgebung und die Natur hier ist echt rau. Etwas in dieser Art hatten wir noch nicht. Es war echte Wildnis und so fühlte es sich auch an. Wir sind in der Tourenvorbereitung auf einen Reisebericht von einem Schweizer Pärchen gestoßen. Diese waren ebenfalls auf dem Poroeno unterwegs, und hatten mit denselben steinigen Flussbett zu kämpfen. Sie haben die Tour nach ein paar Tagen abgebrochen und konnten mit dem Handy (von einem Berg) glücklicherweise eine vorzeitige Abholung organisieren und wurden ausgeflogen. Die Paddelstrecke auf dem Poroeno ist, ebenso wie der Valtijoki, nicht geeignet für Anfänger, das wird gerade auf den ersten Kilometern recht schnell deutlich. Hier ist die Bereitschaft gefragt, eine gewisse Entbehrung auf sich zu nehmen.

Am Ufer sehen wir hin und wieder Angler, welche ihr Glück versuchen. Nach ein paar lustigen Stromschnellen kommen wir zu einer längeren IV. Wir wollen sie begutachten und treffen dabei 4 Finnen welche dort ihr Tippi stehen haben und unterhalten uns ein bisschen. Sie sind hier zum Angeln. Einer hatte vor ein paar Stunden ein Lachs an der Angel. Er hat ihn aber nicht heraus bekommen und die Traurigkeit darüber ist ihm anzusehen. Wir schauen ob wir irgendwo ihr Boot oder Raft sehen, finden es aber nicht. Sie erzählen, dass sie sich hier mit dem Helikopter haben absetzen lassen und auch wieder abgeholt werden. Eine interessante Option wie wir finden, man wird ja nicht jünger. Die Tatsache, dass wir den Poroeno und Lätäseno bis hinunter zum Munioälven hinunter paddeln wollen scheint sie zu beeindrucken. Die WW IV ist uns zu heftig und wir entschließen uns dazu, sie zu umtragen. Die Finnen sehen das und bieten sich an uns zu helfen. Klasse. NUR EINMAL LAUFEN, und alles Zeug ist unten. Wir machen dann noch ein Bild von uns und den finnischen Sherpas:

 

finnisch sherpas

Bild: Finnische Sherpas

 

Für den Abend peilen wir eine „Wilderness Hut“ an, von denen es insgesamt 5 auf der Strecke hinunter bis zum Munioälv geben soll. Nun es sind jetzt nur noch vier, dazu aber später mehr. Hier mal eine Übersicht von diesen Hütten:

  1. Porojärvi Open Wilderness Hut
  2. Jogasjärvi Open Wilderness Hut
  3. Tenomuotka Open Wilderness Hut
  4. Hirvasvuopio Open Wilderness Hut
  5. Meekonjärvi Open Wilderness Hut

Wir haben uns vor dem Aufbruch auch bei outdoors.fi erkundigt und diese haben uns dann bestätigt, dass wir die Hütten zum übernachten nutzen dürfen, mit all den selbstverständlichen Auflagen dafür.

Solche Hütten sind Gold wert bei solch einem Wetter. Dass man kein klitschnasses Zelt auf und abbauen muss ist noch der kleinste Vorteil. Man kriegt in einer Nacht auch alle durchnässten Sachen wieder trocken, da sie mit Ofen ausgestattet sind für die Winterzeit. Das ist immer ein kompletter Reboot für Paddler und Ausrüstung. Bei dem derzeitigen Wetter wäre es also fantastisch wenn wir die vorgesehene Hütte erreichen könnten.

 

Harry Potter, Kurt Felix und Bekanntschaften welche die Gesundheit gefährden 

Und am späten Nachmittag kommt sie auch in Sicht, prima. Wir dachten zwar, da müsste vorher noch eine Stromschnelle kommen aber gut, haben wir uns wohl verguckt. Was ist das? Da liegt ein Raft? Vor der Hütte sitzen zwei Personen. Mist die haben das Ding schon eingenommen.

Wir legen an und laufen in ihre Richtung, stocken aber kurz. Holy Shit, was sind das denn für Kerle? Das sind ja von der Statur her absolute Tiere. Nicht der Typ „Waschbrettbauch“ das hier läuft in der Kategorie „Ich kann dir mit Daumen und Zeigefinger den Oberschenkel brechen“. Wenn der Sensei bestimmt, dass du mit so jemandem ins Boden Randori darfst, brauchst du erst gar nicht anfangen dich zu verteidigen. Am besten nichts machen und einen schnellen Tod akzeptieren. Grawp entstammt doch der Fantasie von Joanne K. Rowling? Mann, den gibt’s ja wirklich und wir laufen gerade auf ihn zu. Die beiden schauen nur leicht grimmig in unsere Richtung, schluck. Wir gehen weiter und nuscheln uns zu „Haltung annehmen, kurz Hallo sagen, und dann wieder rein ins Boot und weg. OK?“ „OK!“

Nun, als erstes stellt sich raus das dies NICHT die „Wilderness Open Hut“ ist. Die kommt erst nach der Stromschnelle welche hier beginnt. Wir stehen, wie sich jetzt herausstellt, vor dem „Park Ranger“ und dem „Sauna Police Man“. Die beiden Namen reichen vollkommen, schließlich läuft das hier ein bisschen anders als der Klarnamenzwang von Facebook. Die zwei sind unterwegs und kontrollieren die Angler hier, ob sie auch alle schön ihre Angellizenz erworben haben. Hätten wir die jetzt irgendwie „vergessen“  zu kaufen, hätten wir wohl Schweißausbrüche bekommen. Mindestens 500 Euro sind für einen solchen Fall fällig wie wir später erfahren... pro Person.

Die beiden erkundigten sich danach woher wir kommen und was wir hier denn so treiben. Wir erzählten knapp, das wir eben den Valtijoki herunter gefahren sind und nun bis nach Karesuando paddeln. Der Gesichtsausdruck der beiden war eine Mischung aus Interesse und ein bisschen Respekt. Sind wir das erste Mal in Lappland? Finnland ja, aber wir waren auch schon auf dem Lainoälven, Kalixälen und dem Kaitum River. War das etwa ein Lächeln? Vermutlich, der Sauna Police Man ist ein echter Rafting und Angel Freak, und natürlich auch Jäger. Er kennt sehr wohl die interessanten Flüsse in Norden. Und es kommt dann doch eine Unterhaltung zustande.

Wir sind immer noch unsicher. Aber plötzlich sagen die beiden wir können gerne unser Zelt hier aufstellen, sie hätten auch noch etwas Fischsuppe übrig. Ach ja und ob wir denn Lust auf ein Cuba Libre hätte?! Wir warten, und wissen, gleich springt hier der finnische Kurt Felix aus dem Gebüsch. Nichts passiert.

Hallo!!! Was ist hier los? War da nicht etwas? Wir haben schon am Abend davor etwas überproportional unsere Leber belastet. Die braucht etwas Erholung! Wie konnte das denn wieder passieren? Wir sind doch dies Outdoor Typen, welche autark, und durch jahrelanges hartes Navy Seals Traing gestärkt, überhaupt in der Lage sind dieses Lappland Abenteuer zu überstehen! Wir wollen Bären erwürgen, Riesenlachse fangen und eins werden mit dem Wald! Und jetzt stehen wir hier und haben einen Cocktail in der Hand. Am Glasrand steckt eine halbe Zitronenscheibe! Wenn die jetzt noch diese kleinen Cocktail Schirmchen rausziehen, fallen wir auf der Stelle tot um. Wir befürchten weitere, nicht mehr reparable Organschäden.... und sollten recht behalten.

Es gibt Erzählungen die gehören einfach nicht in einen öffentlichen Reisebericht. Man erzählt es dann den guten Freunden wenn man wieder daheim ist. Das Treffen mit diesen beiden Jungs war legendär! Etwas was wir noch unseren Kindern erzählen können. Und die Erkenntnis, wie sehr der erste Eindruck von Menschen doch täuschen kann! Einfach SENSATIONELL!!! Der Reisebericht endet, zumindest schreibtechnisch, heute um 18.00 Uhr.
 

       
 

Freitag 20.7. 2013: „Finnischer Roomservice“

Oh mann, die Blase drückt. Schnell raus aus dem Zelt. Was ist hier los? Hat mir gestern jemand Stecknadeln in die Schläfen und Augenlider gedrückt? Wieso bewegt sich denn etwas hinter den Fenstern von der Park Ranger Hütte? Die beiden können unmöglich schon wach sein, schließlich hat Team Germany gestern mal wieder verloren uns ist als erstes in die Schlafsäcke gekrochen. Die zwei wollten noch ein bisschen sitzen bleiben und „etwas trinken“. Das war so gegen 3 Uhr morgens.

Aber da kommt er mir schon entgegen. The Sauna Policeman hat ein Tablett in der Hand, stellt es vor dem Zelt ab und sagt einfach nur „Enjoy“, und läuft zurück zur Hütte. Ich sehe und erkenne sofort was dort steht, nur glauben kann ich es nicht. Ich weiß auch wann er das Ding geschossen hat, hat es ja gestern erzählt.
Ich rufe „Jens!“, aus dem Zelt kommt ein übelgelauntes „Brumm“. Nochmal:„Jeeeeeennnnsss!“, Aus dem Zelt:„Brumm brumm, WAAAAASSS WILLST DU. BRUMM?“. Holger:„Ich glaube zum Frühstück gibt es rosa angebratenes Elch Filet, mit Brot, Wurst und frischem Kaffee“. Es raschelt im Zelt, der Reißverschluss geht auf und Jens steckt sein ruiniertes Gesicht aus dem Zelt. Alles was er sagt ist: „Ich glaub's nicht!“

 

ruiniertes gesicht fruehstueck finnland


 
Die beiden Prachtkerle sind lange vor uns fertig zur Abfahrt. Wir tauschen noch Adressen aus, machen ein Abschiedsfoto und dann balancieren die beiden sicher wie angeklebt über die Ränder von ihrem Raft. Wir schauen uns das an, und sind eigentlich nur froh drüber, dass wir mit dem Restalkohol im Blut überhaupt aufrecht stehen können. Ah, da fällt uns dann noch ein das die beiden den Fluss und die Stromschnellen ja kennen wie ihre Westentasche. Die kommende Stromschnelle ist auf unseren Karten mit WW III+ angeben und soll eine Länge von 2,0 Kilometer haben. Also fragen wir wie schwierig das kommende Wildwasser denn sein werde. Die Antwort kam sofort „Oh this white water is very easy. A one maybe a two, but I would say more a one than a two“. Wir ziehen die Augenbrauen hoch und schauen skeptisch auf unsere Karten. Wir hatten zwei unabhängigen Quellen, hier steht III+. Wem sollen wir mehr trauen: dem DKV Auslandsführer Skandinavien oder einem Typen dem ein Panzer über den Unterarm fahren könnte und er dies vermutlich nicht einmal bemerkt würde?
Schon im letztem Jahr hat uns Chris mit seiner Unempfindlichkeit gegenüber die Outdoor PR Maschinerie beeindruckt. Der Park Ranger war diesbezüglich auf genau der selben Linie. Auch er zeigte sich immun gegen diese Hochglanzanzeigen für atmungsaktive und superdichte Materialien zu Preisen welche Schappatmung verursachen.

Noch einmal winken. Und dann rudern die beiden mit ihrem Raft in die Stromschnelle und verschwinden nach ein paar Sekunden hinter einer Kurve. Irgendwie sieht das im Raft Boot ziemlich entspannt aus. Wir haben keine Erfahrung mit solchen Raft Booten aber für uns sieht es so aus, als ob es damit wesentlich einfacher ist einen wilden Fluss hinunter zu paddeln als mit einem Canadier, können uns aber natürlich auch täuschen.
 

 


Jedenfalls ist es in Finnland sehr beliebt die Strecke Poroeno – Lätäseno mit solchen Raft Booten zu bezwingen. In Kilpisjärvi haben wir auch fünf Ingenieure getroffen die genau das vorhatten. Man wird dann am Porojärvi rausgeworfen und paddelt im Raft die Stecke innerhalb einer guten Woche bzw 10 Tage. Das ist  machbar, da man auch einen Benzin Motor mitbekommt, den man auf den längeren „Quiet water“ Strecken einsetzen kann. Nicht dass sich die Herren der Schöpfung auch noch anstrengen müssen. So eine Woche im Raft ist ein richtiges „Männerding“. Das wäre genau das richtige für eine Junggesellenabschieds Woche. Sollte in den kommenden Monaten jemand probieren Holger in ein rosa Hasenkostüm zu zwingen, damit er unschuldige Personen in der Münchner Innenstadt belästigt, wird dieser augenblicklich von der Gästeliste gestrichen. Findet das ganz allerdings dort oben in finnisch Lappland statt? Wenn alle dabei sind paddel ich in dem Scheiss Kostüm die ganze Strecke!
Wie so eine Raft Tour auf dem Poroeno und Lätäseno aussieht kann man im folgenden Video sehen. Wirklich interessant wird das ganze ab Minute: 5:25, da kommt der Part mit den Stromschnellen.

 


Video: Rafting Trip auf Poroeno und Lätäseno


Irgendwann haben auch wir alles eingepackt, am Adventure festgezurrt, und fahren in die Stromschnelle. Offizielle Bemerkung in einer der zur Verfügung stehenden Beschreibung:
„Very long rocky rapid (class 3+), with two one meter high stairs“

In den folgenden 30 Minuten legen wir unser bisheriges Meisterstück bezüglich Wildwasserpaddeln hin. Das heißt nicht das wir dabei super ausgesehen hätten, oder wir mit einem theoretisch möglichen Paddelfilm (wo ist ist dieser GoPro Vertreter?) den neuen Youtube Hit gelandet hätten. Aber wir haben es geschafft sowohl uns, wie auch den Canadier mit Ausrüstung ohne Verluste und an einem Stück ans Ende der Stromschnelle zu paddeln.
Wir haben uns an zwei Stellen dazu entschlossen ein „Wasser aus dem Boot“ Stop einzulegen, bzw. wir waren dazu gezwungen. Gerade an den 1 Meter hohen Stufen kam doch ordentlich Wasser in den Canadier, aber es waren auch einige hohe Schwellen welche ebenfalls ihren Beitrag leisteten. Wenn wir bei der Bewertung von Stromschnellen überlegen ob wir diese fahren können oder nicht ist die Länge der Stromschnelle natürlich ein entscheidender Faktor. Denn bei einem offenen Canadier (ohne Spritzdecke) kommt ab einer bestimmten WW Kategorie immer Wasser ins Boot... zumindest bei uns. Und wenn dann schon mal etwas Wasser im Boot ist, dann ist das natürlich ein Teufelskreis. Das Boot sitzt schon etwas tiefer und ist träger in der Manövrierbarkeit. Das macht es nicht einfacher die nächste Welle, welche die potentielle Gefahr von mehr Wasser im Boot mit sich bringt, richtig anzupaddeln.
Das einzige was dann hilft, ist ein Stop und der Einsatz des Schöpfeimers. Die Stromschnellen müssen solche Möglichkeiten allerdings auch bieten. Man kann nicht immer und überall solche Einkehrschwünge ins Kehrwasser machen. In dieser Stromschnellen fanden wir zwei mal die Möglichkeit und haben sie genutzt . Dabei geht es uns immer erst um das Boot. Dieses darf nicht kippen, unterspült, oder sonst einen Schaden erleiden. Dann kann es also auch passieren, das beide aus dem Boot springen, bis zur Hüfte im Wasser stehen und das Boot wieder leer schöpfen. Danach schiebt man den Canadier an eine Stelle wo man wieder einsteigen und weiter paddeln kann.
Wie gesagt, die Priorität gilt hierbei, nach unser eigenen Wohlbefinden, dem Boot und der Ausrüstung, und somit stehen wir am Auslauf des Wildwasser zwischen den Steinen, durchnässt, mit Adrenalin im Blut und auch etwas stolz das Ding geschafft zu haben.
Von unten schauen wir flussaufwärts und sehen dann auch die etwas bessere Linien welche wir hätten paddeln können. Nun gut. Dann schauen wir nach links und sehen am rechten Flussufer etwas um so erfreulicheres. Die Wilderness Hut „Tenonmuotka“
Ja richtig, wir sind gerade mal 2 Kilometer unterwegs, aber dem aufmerksamen Leser wird auch nicht entgangen sein, dass von keinerlei Wetterverbesserung gesprochen wurde. Wir sind nass, die Wassertemperaturen sind auch nicht vergleichbar mit den Erdinger Thermen, also ziehen wir den Grabner Adventure Richtung Hütte und waten Richtung Hütte. 

 

Wildnis Opiate

Nach einer längeren Operation hatte man mal das fragliche Vergnügen Opiate gegen die Schmerzen verabreicht zu bekommen. Nachdem einem die Schwerster mit diesem kleinen Spritzer in die Venen von unerträglichem Ganzkörperschmerz befreit hat, war nur noch eines übrig: tiefste Dankbarkeit. Ähnlich fühlt man, wenn man durchnässt bei widrigen Wetterbedingungen eine skandinavische Wilderness Hut vorfindet.
Viele Europäer glauben ja Schweden bzw. Finnland ist das Land wo Milch und Honig fließt. Das alles dort oben toll ist, es keine Vollidioten oder Leid gibt. So ist es nicht. Wir haben auch schon teilweise Hütten angetroffen, da hat man sich fragen müssen was für Penner hier denn als letzte gehaust haben. Zurückgelassener Müll, überall Kippen und die Funktion von dem Besen in der Hütte hatten sie offensichtlich auch nicht verstanden. Aber, nach unsere Erfahrung kann man folgendes sagen: Je abgelegener eine Hütte ist, je mehr man auf sich nehmen muss um sie zu erreichen desto toller, sauberer und gemütlicher ist sie. So auch die Tenomuotka Hütte.

Zuerst dachten wir, wir bleiben nur für ein zwei Stunden und trocknen die Sachen. Ganz schnell beschlossen wir, erst morgen weiter zu paddeln. Psyche und Leber brauchten dringend Erholung und wir gönnten sie ihnen.

Also gab es einen Tag mit Lesen, Wanderungen am Flussufer, Angeln und endlich wurde auch im mitgeführten Tischräucherofen eine Forelle geräuchert. Ja, bei dem Vorgang besteht noch Verbesserungspotential. Etwas zu lange drin aber durchaus schmackhaft. Trotzdem, welche geistige Umnachtung uns dazu gebracht hat dieses kiloschwere Ding mit auf die Tour zu nehmen, kann heute nicht mehr zweifelsfrei erklärt werden.

Am Tag davor sind wir vom Porojärvi aus gesehen bis zur Ranger Hütte 27 Kilometer gepaddelt. Heute 2 Kilometer. Also haben wir einen 14,5 km Tages Durchschnitt. Das passt. Wir gönnen uns, und unserem Körper Ruhe und geistige Stimulierung. Mehr kann von dem Tag nicht mehr berichtet werden.

Nachtrag Juni 2013:

Das es an der letzten Stromschnelle auch anders laufen kann, zeigt das nachfolgende Foto. Ein Hilferuf nach einer Kennterung. Der Zettel hin in der Tenomuotka Hütte. Das Bild von dieser Nachricht wurde erst im Februar 2013 entdeckt / gemacht. Ein Anruf bei den (geschwärzten) Telefonnummern, hat bisher nur eine schwedische Telefonansage ergeben. Hoffen wir mal das die beiden wieder gut in der Zivilisation angekommen sind:

 

sos-poroeno 

 

Samtag 21.7. 2013: „Prallfelsen und andere Premieren“

Packen, Hütte ausfegen, Kleinholz schnitzen und für die nächsten Besucher aufschichten. Das Kanu wird wieder beladen und alles festzurren. Von Erkundigungs Touren am Tag vorher wussten wir, dass nach ca. 2 Kilometer eine knifflige Stelle kommen würde. Ein Autofahrer bezeichnet das als 90 Grad Rechtskurve. Wenn der Poroeno zügig fließt und dann auf einmal scharf rechts abzweigt wird  auf dem Fluss daraus ein Prallfelsen. Da es der erste dieser Art für uns war, sind wir ihn viel zu weit außen angepaddelt. Die Geschwindigkeit hat plötzlich so schnell zugelegt, dass wir voll in die fetten Wellen in der Außenseite reingerauscht sind. Nun zumindest sind wir nicht in Panik geraten und haben es geschafft den Canadier noch gerade zu halten und hatten dann eine kurzen heftigen Rafting Abschnitt. Nur damit man sich diese Situation etwas besser verdeutlichen kann. Jens, in der Bug Paddelposition hat Wasser geschluckt, während der Fahrt. Beim Schreiben des Reiseberichts durchaus spaßig, aber damals war beim anschließendem Kanu Ausschöpfen etwas Adrenalin im Blut. Das hätte man durchaus besser machen können. Es wird langsam Zeit das wir nicht mehr allein auf eingebildete Intelligenz und Selbstdidaktik setzen. Habe jetzt mal Kontakt mit Axel vom Paddelblog aufgenommen. Ohne ihn zu kennen macht er genau den richtigen Eindruck, uns endlich mal den Zugang zu einem guten Wildwasser Canadierkurs im süddeutschen Raum zu ermöglichen. Ich hoffe schwer das dies im Jahr 2013 klappt.

Es folgt wieder ein kleiner Wasserfall. Kanu und Ausrüstung müssen durch einen Rentierzaun, welchen man öffnen und schließen kann, und anschließend ein steiles Stück hinunter getragen werden.

Es folgen leichte und mittelschwere Stromschnellen, welche wir immer routinierter Befahren. Ebenfalls teilt sich der Poroeno immer mal wieder auf und man muss sich entscheiden welchen Stromzug man denn folgt. Hier erweist sich der Grabner Adventure als ideales Gefährt, oft hört und spürt man das man gerade noch so eben seinen Hintern über die Felsen gleiten lassen konnte. Es ist einer der schönsten Flussabschnitte welchen wir je befahren haben. Absolut einsam und wild, wie man es sich vermutlich auch ausmalt, wenn man in Mitteleuropa von der skandinavischen Wildnistour träumt. Auf der Tourenbeschreibung steht nun „You have now passed the worst part of Poroeno“. Alles könnte perfekt sein, aber die nicht ideale Paddelkleidung und die unschönen Wetterbedinungen fordern ihren Tribut. Jens klagt über gefühltes Fieber, Unwohlsein und Kältegefühl. Wir nehmen uns also vor, die nächste Cabin auf der Karte für die kommende Nacht anzupeilen.

Dort wo der Poroeno und der Rommaeno zusammenfließt ändert der Fluss seinen Namen. Wir sind nun auf dem Lätäseno.

4,5 Kilometer auf einem ruhigen Abschnitt, nochmal eine Portage an der Munnikurkkio Stromschnelle, leichtes Wildwasser und ca. 10 Kilometer „Quite Water“ bis wir an der Cabin sind. Das Wetter ist echt mal wieder dreckig am Ende dieses Tages. Jens fühlt sich beschießen. Wir machen erst mal Feuer und erholen uns. Dann laden wir aus, und richten uns ein im Mückenhaus.

Viele Finnland Urlauber denken im übrigen, dass die Hirvasvuopi Cabin von der finnischen Regierung gebaut wurde. Das ist nicht so. Das ist nur ein Trick. Geschickt im Internet verbreitet von den wahren Erbauern. Die Hirvasvuopio Cabin wurde gebaut von Mücken. Und zwar um Outdoor Touristen anzulocken, sie in Sicherheit zu wiegen und dann auszusaugen.
Also was mit der Hirvasvuopio Hütte los war, wissen wir bis heute nicht. Als wir sie betreten haben lagen tausende toter Mücken am Boden und am Fenster. Alle übrig gebliebenen haben wir erschlagen. Aber die Dinger hatten irgendwo Schlupflöcher und sie haben uns bzw. unsere CO2 Spur innerhalb von Sekunden gefunden. Wir fühlten uns herausgefordert herauszubekommen wie sie das machen, wo sie hereinkamen. Wir haben es nicht geschafft. Somit bauten wir trotz Hütte unser Zelt auf um zumindest in der Nacht unsere Ruhe zu haben.

Kochen auf dem Herd. Tee trinken, lesen. Ein gemütlicher Ausklang des durchaus abwechslungsreichen Tages.


Sonntag 21.7. 2013: „Wieso steht hier mein Outdoorseiten.net Nickname?“


Da Jens etwas angeschlagen ist und wir nicht genau wissen wie das ganze weiter verläuft ist ärgerlich, toll hingegen ist ein Ruhetag in einer Premium Hütte, auch wenn diese von Mücken gebaut worden ist.

Wir versuchen mal wieder ob wir Handynetzt haben, und siehe da, haben wir. Das Management in Deutschland und der Schweiz freut sich darüber, endlich etwas von uns zu hören.

Sitzen in der Hütte und blättern im Gästebuch herum. Es ist immer spannend zu lesen wer denn hier so alles halt gemacht hat und seine Kurzgeschichte erzählt. Die finnischen Einträge können wir leider nur interpretieren wenn ein paar Zeichnungen dabei sind, aber es gibt ja noch die Englischen und die Deutschen. Deutsche Einträge? Was, wie, WAS steht da? Hab ich gerade den Computer hochgefahren?
Nein, da steht tatsächlich eine Nachricht an mich, bzw. meinen Nickname bei Outdoorseiten.net. Zz fragt, ob wir Fotos von der abgebrannten Pinniskoski Hütte machen können welche flussabwärts kommt.
Wir lachen und freuen uns. Tatsächlich eine Nachricht direkt an uns (mich) gerichtet. Nun, ja so ist das dann heutzutage. Die Welt ist erforscht und erschlossen und zur Vorbereitung werden die Foren benutzt. Bei ODS ist es aber auch unglaublich, egal zu welchem Gebiete oder Produkt man eine Frage stellt, man bekommt immer eine Antwort oder zumindest einen Hinweis. Und so haben wir uns auch bei Outdoorseiten etwas kundig gemacht bevor wir zur Tour hier aufgebrochen sind. Zz wusste also, dass die Wahrscheinlichkeit besteht, dass wir in die Hütte kommen …. ja ja, die Welt ist ein Dorf.

Um das Herumtragen von diesem verflixt schweren Räucherofen zumindest einigermaßen zu rechtfertigen beschlossen wir, etwas Räucherfisch zu erzeugen. Direkt vor der Hütte ist absolutes Hecht Gebiet. Keine Strömung, etwas schattig, Schilf. Hat 20 Minuten gedauert bis 3 Hechte im Boot lagen welche wir räuchern konnten. Und dann sehen wir an diesem Tag auch noch so ein grelles rundes Ding am Himmel, wissen aber nicht was es ist.

 

Montag 22.7.2012: „Abgebrannt und Kanuunterstand“

Nicht kerngesund, aber doch erholt brechen wir auf und paddeln bei gleichbleibend bewölkten Bedingungen und Lufttemperaturen zwischen 10 und 12 Grad. Nach der Rückkehr nach Deutschland hat man in vielen Reiseberichten gelesen, dass es bei anderen Skandinavien Liebhabern nicht besser verlaufen ist, die Sommer Saison 2012, war von den Sonnentagen her nicht gerade großzügig.

Nach ein paar Rapids kommen wir zur Pinniskoski Hütte, bzw. zu dem was davon übrig ist. Genau vor der Hütte treffen wir zwei Samen. Zumindest vermuten wir das. Nein nicht die Versionen aus den Visit Finnland Promotion Heftchen mit tollen bunten Strickmützen und Renntierfell Umhängen. Ein Mann und eine Frau stehen an einem Lagerfeuer. Kaum Ausrüstung, weiter flussabwärts steht noch einer beim Angeln. Auch mit unseren naiven Vorstellung „Ach hier oben spricht ja jeder Englisch“ ernten wir verwirrte, eventuell auch grimmige Blicke. Nun ja wir machen die recht unspektakulären Fotos für Zz von der abgebrannten Cabin und paddeln weiter.
 


Wir machen Kilometer an dem Tag. Die Rapids können wir gut befahren, Rückenwind haben wir auch. An einer 2 Kilometer langen Klasse III Stromschnelle wissen wir, das wir nun wieder in unserem eingespielten Modus sind. Wir fahren das Ding recht ordentlich. Hilfreich ist aber natürlich auch, dass die Gesamtbeladung doch um einiges geringer geworden ist im Vergleich zum ersten Tag.

Am Spätnachmittag erreichen wir dann einen klassischen Kanuunterstand und beschließen dort zu bleiben. Auch weil hier mal wieder ein gefüllter Holzschuppen samt Säge und Spaltaxt anzutreffen ist.
Hier am Kanuunterstand wird deutlich, dass wir uns der Zivilisation nähern. Es liegt aller möglicher Klump herum. Verschlissene Ausrüstungsgegenstände aber auch Lebensmittel wie Doseneintopf. Und mehrere volle Mülltüten. Bei den Lebensmitteln kann man noch unterstellen, dass es nett gemeint ist, beim Rest natürlich nicht. Schuld an dem Aussehen ist wohl auch der Waldweg in welchem Reifenspuren zu erkennen sind. Ist eine selbst aufgestellte Theorie: Ist solch ein Lagerplatz komfortabel mit Jeep oder Enduro Motorrad zu erreichen, wird er wohl auch häufig von Einheimischen besucht. Wenn diese dann vor Ort „feiern“ hinterlässt das seine Spuren. Wie gesagt ist eine eigene Theorie, aber es ist einfach schwer vorstellbar das Outdoor Touristen hunderte oder tausende Kilometer anreisen um die schöne Natur von Lappland zu genießen und dann so einen Saustall hinterlassen.
Nun ja, wir machen Feuer und stellen unser Zelt auf, und beginnen mit dem Kochritual. Es ist fast windstill, was die Mücken freut, uns natürlich weniger.
Später kommen noch zwei Finnen angewandert. Vater und Sohn wie sich später herausstellt. Wir laden sie ans Feuer ein, aber sie ziehen es vor lieber ihr eigenes kleines Feuer 50 Meter weiter weg zu machen. Später kommen sie nochmal vorbei und man tauscht sich ein bisschen aus. Sie sind wohl 1 Woche unterwegs mit Rad und zu Fuß. Der Sohn ist tätowiert und gepierced, sein Vater sieht wie ein richtig zäher Hund aus, sehnig und ziemlich fit. Während wir uns mal wieder alle 20 Minuten mit Anti Brumm einsprühen, stehen die beiden gelassen da und wedeln lässig alle 5 Sekunden mit einen Birkenzweig.

 

Dienstag 23.7.2012 „Timm Thaler und die Monsterumtragung“

Als wir alles verpackt hatten kam nochmal der Vater der beiden Finnen vorbei. Er hat nur sehr wenig Englisch gesprochen, aber er war doch daran interessiert, wo wir los gepaddelt sind. Er hat dann das Grabner Boot noch etwas begutachtet und gefragt was das Ding kostet. Er hatte offensichtlich noch nicht oft so ein Luftboot gesehen. Er ließ sich dann zweimal versichern, dass wir damit vom Somasjärvi kommen.

Die Stromschnellen an dem Tag sind spaßig. Am Ufer sehen wir immer mal wieder Angler und bevor wir zur Kurkkio Stromschnelle kommen, sehen wir auch ein oder zwei Boote. Alle besetzt mit Angler. Die Lachse sind überall eine begehrte Beute, auch hier oben.

Und dann kommen wir zur Isokurkkio Cabin an der Isokurkkio Stromschnelle. Während der Fahrt dort hin haben wir noch darüber gesprochen, ob wir eventuell wieder in der Hütte schlafen wollen. Nun wir legen an und dann treffen wir etwas, was wir auf der ganzen Tour noch nicht hatten, unsympathische Menschen, sogenannte Vollpfosten (oder Dachlatten oder Eiernasen).
Die zwei Herren sitzen vor der Hütte am Lagerfeuer und ihre Gesichter sehen aus wie das Wetter der vergangenen Woche. Offensichtlich wollen sich beide für die nächste Verfilmung von Timm Thaler bewerben. Vor der Hütte stehen ein paar Angeln und die zugehörige Ausrüstung. Ihre Nationalität können wir nicht bestimmen, schätzen sie aber als Finnen ein. Ganz offensichtlich machen sie an dieser freien Hütten nicht nur kurz Rast. Denn wir gehen mal kurz in die Hütte , die ja im Grunde jedem zur Verfügung stehen sollte, der sich hier oben in der Natur aufhält. Uns trifft der Schlag. Die Hütte sieht aus wie die Sau. Überall liegt irgendein Scheiß rum, und soviel wie da rumliegt hausen diese Schimpansen dort schon seit einigen Tagen.
Diese Wildnis Cabins sind nach unserem Kenntnisstand dafür gedacht, dass vorbeiziehende Naturliebhaber, ob mit Boot oder Wanderschuhen, für ein oder zwei Nächte ein trockene Bleibe haben. Ebenso haben wir mal irgendwo gelesen, dass der zuletzt ankommende das stärkere Bleiberecht hat. Ob diese Regel wirklich gilt, wissen wir nicht. Diese Penner (da müssen noch mehr in der Gegend sein, so wie die Hütte aussieht) haben offensichtlich eine freie Hütte für ihren zweiwöchigen Angelurlaub besetzt. Nun, wir sind Gäste in Finnland, vielleicht läuft das hier anders, also beschließen wir die letzte Portage auf unserem diesjährigen Kanu Urlaub hinter uns zu bringen.
 


Auf der Karte sind 1,5 Kilometer angegeben welche man umtragen muss. Gefühlt sind es aber mindestens das doppelte. Mal wieder eine schöne sportliche Angelegenheit über Trampelpfade und durch Schlammlöcher aber wenigstens hat man diesen wunderschön klingenden Mückengesang im Ohr.

Uns geht dann auch auf, weshalb diese zwei Vollpfosten so miese Laune hatten. Hier muss ja auch der Ranger und the Saune Policemen vorbeigekommen sein. Wie bereits erwähnt, hatten diese ja die Aufgaben, die Personen auf der Fahrt zu kontrollieren ob sie gültige Angellizenzen haben. Und diese Typen haben mit Sicherheit gedacht, sie könnten sich das Geld sparen. Ha, jetzt grinsen wir, das muss es sein. Sich beim „Schwarzangeln“ hier oben erwischen zu lassen ist nämlich alles andere als günstig. 500 EURO sind mindestens fällig, wenn man dem Ranger keinen Angelschein vorlegen kann. Am Tag vor unserem Treffen am Porojärvi hatten sie schon fünf Finnen erwischt welche ohne Lizenz am Angeln waren. Da hatten die beiden mal 2500 EURO für den finnischen Staat eingezogen. Wir hoffen jetzt darauf, dass die Jungs an der Hütten nochmal einen extra Nachschlag bekommen haben, da sie eine offensichtlich schöne Hütte in einen Schweinestall verwandelt haben.

Wir tragen unsere Sachen etappenweise zur Einsatzstelle am Lätäseno. Umtragen wird die Iso–Kurkkio Stromschnelle, ein Wildwasser welches nach zwei unabhängigen Quellen schon mehrere Todesopfer bei Kanuten gefordert hat. Jedenfalls ist sie nichts für uns und unseren Canadier.

Nach ungefähr 2 Stunden haben wir es geschafft, das ganze Zeug ist wieder am Ufer des Lätäseno und zwar an der Stelle, an der wir morgen weiter paddeln können. Jetzt gibt es erst einmal ein Festmenü. Kartoffelbrei mit Speck und Zwiebeln.

Die Kanustrecke und die Portagen haben uns echt ausgeknockt und es wird früh ins Bett gegangen.

 

Mittwoch 24.7.2012  „Yucca Palmen und die Lenzpumpe “

Wir brechen früh auf. Da wir Jens's Zustand nicht voraussehen können beschließen wir, heute bis zum Munioälven zu paddeln und den Camping Platz dort, das Endziel unserer Reise, schon früher zu beziehen. Zu Anfang ist der Lätäseno noch sehr steinig und man muss wieder seinen Weg finden in den WW I und WW II Stromschnellen. Jetzt kommen längere Strecken mit ruhigem, stehendem Wasser, zusammen mit Gegenwind.
Wir paddeln Richtung Süden. Wir schauen in der Tourenbeschreibung. „Quite water“ steht hier. Eigentlich mögen wir das nicht, diese Abschnitte die man auch als Seenpaddeln bezeichnet. Kanufahren auf Flüssen ist unsere Lieblings- Fortbewegungsart im Canadier.
Dann kommt auch das noch: Wind. Frecherweise von vorn. Gegenwind steht bei Kanu- und Kajaktouren in der Beliebtheitsskala auf derselben Stufe wie Dolores Umbridge. Oh mann kann das ätzend sein, vor allem wenn es die Tage vorher keinen Wind gab oder man diesen im Rücken hatte. Das waren dann geschenkte Kilometer, und man konnte sich genüsslich dem Angeln widmen. Heute sieht das anders aus.
 

Lügengeschichten und andere Märchen

Also um es erst einmal vorwegzunehmen: Wer die pauschale Aussage trifft, mit Luftbooten kann man nicht bei Gegenwind paddeln ist entweder ein Lügner, unfähig, unsportlich oder es handelt sich um Monty Python's schwarzen Ritter nach verlorenem Schwertkampf. Die Aussage ist nicht wahr!
In Paddel Foren ist es ja immer ein großes Thema. Welches Kanu soll man sich denn kaufen? Dort finden sich viele hilfreiche Threads mit Leuten die sehr viel Ahnung haben und offensichtlich schon eine Menge Boote gepaddelt sind. Aber schnell wird dann klar: Dies gibt es nicht, das Kanu das alle Anforderungen erfüllt.

Steht man am Beginn einer langen WW IV Stromschnelle hätte man gerne das Wildwasserkajak unter dem Hintern. Will man die Schären Küste runter, sollte sich ein Seekajak vor einem materialisieren. Belädt man das Boot gerade für seine drei Wochen in der Wildnistour  wünscht man sich den 5,5 Meter PE Canadier, bei Umtragen aber doch lieber ein Packboat oder die extrem leichte Kevlar Variante. Aber dann doch ja kein Kevlarboot kurz bevor man auf einen verdeckten Stein draufknallt, da soll es sich bitte vorher in diese unverwüstliche Alu Variante verwandeln. Werden die Urlaubsbilder geschossen, will man das Traditionelle Boot aus Birkenrinde. Beim Transport im Auto oder beim verstauen daheim dann bitte schön die Falt- oder Luftboot Variante. Beim Aufbauen nur die Luftboot Variante, dann geht’s schneller. Wenn man auf seiner Tour Lars Monsen trifft, will jeder plötzlich unbedingt ein Ally damit man diesen Kanuwander-Gott beeindrucken kann. Wenn einem alles zu viel wird, wünscht man sich das Kreuzfahrtschiff. Fragt man fünf Leute bekommt man 8 Meinungen zum besten Boot. Nur wenn es ans Bezahlen geht, sind sich alle einig: Kompetente Beratung im Fachgeschäft will man dann doch nicht mitbezahlen, das Leben ist ja schon teuer genug: „Man hätte gerne das Schlauchboot von Aldi made in China im Einkaufswagen“.

 

So, wir sind hier aber nicht bei Harry Potter, also zurück zur Realität.

 

Fazit Luftboot Grabner Adventure auf Wildfluss Touren:


Das Grabner Adventure wurde gekauft, weil es sich um einen Canadier handelt, man es zusammenpacken kann und weil es für Wildwasserkategorie bis WW IV zu gebrauchen / zugelassen ist. Eine länger IV ohne Spritzdecke zu befahren ist zwar relativ unrealistisch, aber gut zu wissen das wir es laut TÜV zumindest dürfen :-)

Wir machen jetzt mal eine Zusammenfassung von unser Erfahrung mit dem Grabner Adventure Luftboot auf unser Kanutour 2012.

Dass man dieses Luftboot  auf ein Packmaß von 65 x 40 x 25 cm verkleinern kann hat erst einmal zwei Vorteile:

  1. Man kann es gut ein einer „normalen“ Wohnung lagern. Hat man keine Garage, ein  Liegeplatz oder einen Kanu Club zur Verfügung um ein Hardcover Canadier / Kajak zu lagern, steht man vor einem Problem. Dieses ist einfach zu lösen mit Luft- oder Faltbooten. Man kann sie z.B. irgendwo auf dem Schrank verstauen.
  2. Der Transport der Boote vereinfacht sich, bzw. man kann Geld sparen. Kofferraum auf, Boot rein und los. Das geht mit solchen Luftbooten. Man kann ebenfalls die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen um zum Startplatz zu gelangen. Ein entsprechender Packsack mit Tragegurten, und man ist da schon relativ unabhängig. Alles kann man nicht auf dem Rücken transportieren. Mit einem Festboot komme ich nicht in die S-Bahn nach Wolfratshausen um einen gemütlichen Tagestrip (mit gefühlten 100 anderen Paddlern) auf der Isar zu machen.

 
Zudem ist es möglich das man Luft und Faltboot im Flugzeug transportieren kann. Klar im Linienflieger heißt das, man muss für das Übergepäck zahlen. Die Kosten dafür können aber geringer sein wie z.B. für die Kanumiete von zwei Wochen vor Ort.
Und dann wird es auch noch billiger wenn man mit dem Wasserflieger zur Einsatzstelle gebracht werden muss / möchte. Der Transport von einem Packsack (mit einem Boot darin) welchen man in den Flieger schmeißt, kostet nichts extra. Man darf nur nicht das Oberlimit des Gesamtgewichts überschreiten. Beim Transport von einem Hardcover Canadier mit dem Wasserflugzeug oder dem Helikopter werden oft nochmal extra Kosten erhoben. Dies war für uns im Jahr 2012 auch der letzte ausschlaggebende Grund, für den Kauf des Adventures. Der Flug mit dem Wasserflugzeug war damit günstiger als wenn wir noch ein (geliehenes) Hardcover Canadier mittransportieren hätten lassen müssen.

Das Luftboot Grabner Adventure hat sich auf unseren Tour sehr gut bewährt. Allerdings, das darf man hier offen schreiben, sind wir auch davon ausgegangen. Die Grabner Boote spielen preislich gesehen nicht gerade in der Bezirksliga. Wir reden bei den Booten von der Champions League, preislich, aber eben auch in der Qualität.
Das wirklich Lustige ist, wenn man in seinem Freundeskreis erzählt, dass man sich jetzt ein Kanu gekauft hat und zwar eines zum aufblasen. Jeder, wirklich jeder, hat dann erst mal gesagt: „Was, ein Schlauchboot? Ihr fliegt doch immer nach Skandinavien, das Ding ist doch innerhalb von einer Stunde im Arsch. Ha ha ihr werdet untergehen, absaufen. Das Ding fliegt euch um die Ohren“

Also, wir haben vor ein paar Jahren auch so gedacht, aber das verarbeitete Material bei diesen Booten von Grabner, ist wirklich extrem robust und widerstandsfähig. In den vergangenen Tagen auf dem Valtijoki, Poroeno und Lätäseno haben wir das Boot über unzählige Steine und Kanten gezerrt, getreten, verflucht, geruckelt oder wie in den meisten Fällen: elfen-gleich vorbeimanövriert. Das Adventure hält echt etwas aus, wir haben das Ding wirklich nicht geschont. Was diesem Material eventuell gefährlich werden könnte, sind abgebrochene Flaschen oder scharfe Metallkanten. Aber für solch einen außergewöhnlichen Fall hat man ja das Reparatur Kit dabei.

Ja richtig, das Adventure hat nicht die selbe Steifigkeit wie ein Hardcover Boot, aber haben wir es auf dieser Tour vermisst? Nein.
Wir sind keine Wildwasser Paddel Spezialisten. Aufkanten, Kringeln, Fahrmanöver um das Kehrwasser lehrbuchmäßig anzufahren ... das interessiert uns nicht ernsthaft, wenn dann versuchen wir sowas zum Spass. Wir wollen den Fluss runter, und zwar gesund und mit unser kompletten Ausrüstung. Das ist es was für uns zählt. Zudem kann man die Grabner Boote mit 0,3 bar Luftdruck befüllen. Da kommt schon eine gewisse Steifigkeit zustande, was ihre Gleitfähigkeiten auf stehenden Gewässern positiv beeinflusst. Die einzigen Luftboote, die ebenfalls mit 0,3 bar befüllt werden können, sind die von Otter. Ob diese aber ähnlich gute Gleiteigenschaften auf dem Zahmwasser aufzeigen  wie das Adventure, wissen wir nicht, da wir in diesem Modell noch nie gesessen sind. Unsere Vergleichsmöglichkeiten sind begrenzt. Aber das Adventure hat sich auf Zahmwasser als ein Canadier erwiesen mit welchem man durchaus Kilometer machen kann.
Weiter Informationen zum Luftboot Grabner Adventure finden man hier: Test Luftboot Grabner Adventure


Zwei Dinge gibt es, welche man sich beim Grabner Adventure bewusst machen muss bzw. verbessern kann:

  1. Dadurch, dass die Ränder und der Boden aus Luftkammern bestehen, wird das Volumen im Inneren etwas kleiner. Der Platz ist ausreichend um sich, bei vernünftigen Planungsverhalten, ausreichend mit allem zu beladen. Aber das Packvolumen im Inneren ist nicht dasselbe wie bei einem Hardcover  Boot oder bei einem Ally von der selben Länge. Und wenn es unten kein Platz mehr hat, muss man nach oben stapeln. Das wirkt sich dann aber negativ auf den Schwerpunkt aus, denn dieser sollte möglichst weit unten sitzen. Die eingeschränkten Platzverhältnisse haben auch verhindert, dass wir kniend paddeln konnten. In einer brenzligen Situation hätten wir die Unterschenkel nicht schnell genug unter den Sitzbrettern rausziehen können. Das hat das Gepäck, das vor einem festgezurrt war, verhindert. Daher sind wir, zumindest auf dieser Tour, nur im Sitzen gepaddelt. Eine Alternative welche mehr Platz bietet ist das Adventure SL. Nochmal einen halben Meter länger aber auch 5 Kilo schwerer und eine geringere Wendigkeit. Aber damit sind wir dann wieder am Anfang von diesem Abschnitt, man kann nicht immer alles haben bei der Suche nach dem richtigen Canadier.
  2. Die Doppelhubpumpe: Die Doppelhubpumpe für das Grabner ist super, allerdings nur für Wochenend- und Badesee Trips. Mit dem Ding machen wir das Boot in 7.25 Minuten abfahrbereit mit den sensationellen 0,3 bar. Fein! Klasse! Aber für eine länger Wildnistour ist diese Pumpe schlicht und ergreifend nervig und unpraktikabel. Nein nicht beim Aufbau, da ist sie wie gesagt super. Aber man muss dieses Monsterteil die nächsten Wochen im Boot mit rumpaddeln und das Ding hat doch ein gewissen Volumen und nimmt somit unnötig Platz weg. Mann will das Boot schließlich nur am Anfang aufpumpen, während der Tour eventuell etwas Luft nachschieben, und das war's. Der Platz im Boot sollte für andere und wichtigere Dinge (Räucherofen!) da sein.

Also, an die Enwicklungsabteilung in Österreich der Firma Grabner: Wo ist die kleine, platzsparende Variante für die Wildnistouren? Wir hätten kein Problem damit wenn das Aufpumpen am Beginn der Tour ca. 1 Stunde dauert. Wenn man die Pumpe danach schön klein verstauen könnte, wäre das ok. Dieses riesige Doppelhub Teil 14 Tage mit rumschleppen, obwohl man es eigentlich nur am Start braucht ist echt nervig. Nun ja, Pläne für das nächste Bastel- Projekt sind im Kopf. Hoffen wir mal das es bis zur nächsten Tour es schaffen uns eine kleinere Pumpe zu bauen... oder der Hersteller erhört uns noch rechtzeitig.


Im übrigen muss man den Druck bei Luftbooten hin und wieder kontrollieren. Kalte Wassertemperaturen, aber auch starke Sonneneinstrahlung wenn es am Ufer liegt haben ihren Einfluss auf den Druck. Das sollte man gerade im Hochsommer bedenken und zum Beispiel etwas Luft ablassen wenn man weiß, dass das Bötchen die nächsten zwei Stunden nur am Ufer liegt.

Wenn wir Touren Paddeln die Wildwasser Abschnitte beinhalten, so sichern wir immer alles am Boot. Dies bedeutet, dass alles wasserdicht verpackt und mit einem Seil am Canadier festgebunden wird. Hierbei ist es wichtig, dass das Gepäck auch im Fall des Kenterns nicht verrutscht, sondern festgezurrt bleibt. Dies erreicht man dadurch, dass man das Seil so durch die Gepäckstücke fädelt, dass es immer Zug nach unten hat, also Richtung Bootsboden. Dabei ist es hilfreich, wenn der Canadier hierfür die nötigen Laschen hat. Der Adventure hat hierfür große D-Ringe am Boden, welche für die Sicherung der Ausrüstung genommen werden können.
Allerdings haben wir bei unserem Adventure noch eine Sonderanfertigung bestellt: eine Ösenleiste an den Süllrändern. Damit konnten wir unser Gepäck noch einmal extra sichern. Wir finden diese Ösenleisten Sonderanfertigung recht praktisch. Es macht die Gepäcksicherung einfacher, zudem kann man auch einfacher einen selbstgebauten Dosen- oder Angelrutenhalter befestigen. Die Ösenleiste ist beim Grabner Outside serienmäßig vorhanden, aber nicht beim Adventure. Wer sich ebenfalls für diese Sonderanfertigung bei Grabner interessiert, kann diese bei der Bestellung in Österreich angeben, und beispielsweise auf die Bilder hier verweisen. Das Boot wird dann sonder-gefertigt. Das Adventure liegt in dieser Ausführung nicht im Lager.

Die Adventure Lenzpumpe

Das Luftboot Grabner Adventure besitzt eine Lenzpumpe. Und diese funktioniert auch erstklassig, wenn man sie denn auch aktiviert. Dazu muss man den innen liegenden Schlauchansatz nach außen stülpen. Hat man dann Wasser im Canadier, fließt dieses über die Lenzvorrichtung wieder in den Fluss bzw. See zurück. Damit das richtig funktioniert sollte die Trimmung vom Boot stimmen. Man darf sich jetzt nicht vorstellen, dass ein vollgelaufenen Boot blitzschnell wieder trocken gelegt wird, aber hilfreich ist diese Lenzpumpe auf jeden Fall im Wildwasser.
Allerdings sprechen wir mit der Lenzpumpe ein wundes Thema an. Denn die vermeintlich zuständige Person für diese Lenzpumpe hat den ersten Einsatz dieses wirklich hilfreichen Features sehr lange herausgezögert. Geistige Umnachtung sind hier die einzig anzuführenden Gründe die das rechtfertigen. Der erste Einsatz der Lenzpumpe kam so spät, dass er hier nicht genannt wird. Es ist einfach zu peinlich. Tipp: Wer ein Grabner Adventure hat, vor der ersten Befahrung einer Stromschnelle bitte die Lenzpumpe aktivieren!

 

Zurück zum heutigen Tag: Wir waren in einer Situation die es laut vieler Foreneinträge eigentlich nicht geben dürfte: Wir waren in einem Luftboot, hatten richtig heftigen Gegenwind und paddelten Richtung Ziel.... und näherten uns diesem sogar an.

Das ist wie mit der Geschichte von „Die Spinne aus der Yucca Palme“. Irgendwer hat irgendwo mal diese eindrückliche Geschichte vom Freund eines Freundes gehört und brabbelt sie jetzt hinterher. So ähnlich ist das wohl auch mit dem Luftboot-bei-Gegenwind-paddeln. Nun ja, man darf halt nicht alles glauben, was man irgendwo mal gelesen oder gehört hat. Oft sind es Informationen die mit Vorsicht zu genießen sind.

Wir waren auch schon oft mit einem vermeintlich guten Hardcover Canadier unterwegs und haben über Gegenwind geflucht. Holger musste auf einer Solotour mal zurück in die Seebucht, war auch ein Festboot, aber Wind und daraus resultierende Wellen waren zu heftig. Jens hat das Adventure nach dem Paddelurlaub noch mit nach Norwegen genommen. Im norwegischen Fjord beim Dorschangeln, mit einem unbeladenem Luftboot, allein, ungetrimmt. Ja, doch, er hat seine Mühen gehabt, aber dieselben Probleme hätte er gehabt wenn es ein PE oder Kevlar Canadier gewesen wäre.
Ein Canadier hat eine größere Angriffsfläche für Wind als ein Kajak. Bei einem Luftboot eventuell nochmal ein bisschen mehr als bei einem PE Canadier oder einem anderem Faltboot. Der geringere Tiefgang macht sich natürlich bemerkbar. Die Gleiteigenschaften von einem Luftboot sind ebenfalls etwas geringer als bei einem Festboot, aber so riesig sind die Auswirkungen jetzt auch nicht. Wer den nächsten Kanumarathon gewinnen möchte sollte die Finger von Luftbooten lassen, wem es mehr um das draußen sein geht und es nicht um ein oder zwei Kilometer mehr geht am Tag hat, mit einem Grabner Adventure auf jeden Fall ein robustes, zuverlässiges und qualitativ hochwertiges Boot. Für genau dieses Boot können wir die Aussagen treffen: Getestet und für gut befunden.

Aber sportlich war dieser letzte Paddelabschnitt schon. Wir machten immer 45 Minuten Etappen. Die Uhr wurde auf einen 45 Minütigen Countdown eingestellt und dann wurde gepaddelt. Wenn die Zeit abgelaufen war wurden 5 Minuten Pause im Windschatten oder am Rand eingelegt.

Die ersten Häuser tauchten auf. Manche waren wieder so schön gelegen, dass man seine Oma dafür verkauft hätte um im Grundbuch zu stehen. Und plötzlich waren wir da, am Ende unser diesjährigen Kanutour. Wir legten an in Markkina. Wir holten das Wohnmobil und fuhren zum Camping Platz in Karesuando.

 

Fazit Poroeno und Lätäseno:

Der Poroeno und der Lätäseno sind beides echte Wildnisflüsse. Eine Strecke von 114 Kilometer  mit einem Gefälle von 253 Metern. Die beiden Flüsse bieten Gelegenheit für echtes Abenteuer welches man aber vorher mit seinen eigenen Fähigkeiten bezüglich der physischen wie psychischen Belastung abwägen muss. Wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, erwartet einen eine raue und wunderschöne Umgebung in finnisch Lappland. Für die Befahrung der Flüsse müssen die richtigen Monate ausgewählt werden. Nach oder zu Beginn der Schneeschmelze sind diese Flüsse bei einem hohen Pegel lebensgefährlich. Kein gewissenhafter Kanutouren Veranstalter wird einen dort bei Hochwasser zur Einsetzstelle bringen. Im Spätsommer kann der Wasserstand an zu vielen Stellen nicht mehr ausreichend sein, dann muss sehr oft getreidelt, oder das Boot zwischen den Felsen durchgeschoben werden. Schlanke Kajaks mit wenig Tiefgang sind im Vorteil, aber wie bewiesen, ist auch die Befahrung mit dem Canadier möglich. Als Voraussetzung für diese Tour sollte man eine WW III mit beladenem Boot befahren können. Der Poroeno und Lätäseno ist für Paddel Anfänger, wie auch für Mückenallergiker ungeeignet. Proviant für ca. 10 Tage muss komplett mitgeführt werden. Handyempfang für eventuelle Notfälle hat man erst im unterem Bereich. Wenn man in einer größeren Gruppe, und damit mehreren Booten unterwegs ist, erhöht dies die Sicherheit auf der Tour bei eventuellen Kenterungen aber auch beim Absichern während der Befahrung von Stromschnellen. Während der gesamten Kanutour haben wir keine anderen Paddler getroffen, abgesehen vom Ranger und dem Sauna Police Man in ihrem Raft.

Die Umgebung am Poroeno und Lätäseno können wir auf jeden Fall empfehlen. Die Möglichkeiten zum Trekking entlang der Flüsse können wir nicht einschätzen aber ganz offensichtlich lohnt sich ein mehrtägiger Angelausflug an die beiden Flüsse. Die meisten Angler machten sehr zufriedene Gesichter.

Die schon erwähnte Möglichkeit zu einer mehrtägigen Rafting Tour auf den beiden Flüssen hat uns sehr gut gefallen. Eine tolle Möglichkeit diese Tour einmal mit Freuden zu unternehmen die mehr oder weniger keine Paddel Erfahrung haben. Dann müsste aber unser Eindruck richtig sein, dass die Befahrung von solchen Stromschnellen im Rafting Boot einfacher ist als im Canadier oder Kajak. Eventuell kann uns jemand mal diese Frage beantworten. Denn in solch einen Raft sind wir noch nie gesessen, aber wenn, dann gerne mal am Poroeno oder Lätäseno.


Donnerstag 25.7.2012 und später. „Bis zum Abflug und Resüme“

Die nächsten Tage wurde sich erholt, sauniert und die Krankheitssymptome bekämpft. Wir genossen den Komfort vom Camping Platz und, zumindest Holger hat Samstags den Heimflug angetreten.
Auf dem Flughafen hat Holger dann noch Carina mit ihrer Freundin getroffen. Man kannte sich per Mail, da Carina im Frühjahr auf der Suche nach einer geeigneten Kanutour war. Sie hat sich dann für die Touren S-01-022 Vistasälven / Vistasjäkka  und S-01-001: Kalixälven Oberlauf entschieden, und jetzt saß man im selben Flieger auf dem Weg nach Stockholm. Es war ein kurzes sympathisches Zusammentreffen mit einer zumindest für Holger kleinen Überraschung als Carina sagte „... Was? Wieso schlechtes Wetter? Also bei uns war es Klasse die letzten 7 Tage“...  was ca. 120 Kilometer in westlicher Himmelsrichtung ausmachen können. Nun ja die Hälfte von allem ist Glück.


Wie so oft haben wir auf der Kanutour 2012 viele erlebt. Wir haben gelacht und geflucht, die Natur bewundert und in Extremsituationen wieder vergessen, die Einsamkeit genossen und in anderen Momenten waren wir zufrieden das alles mit jemanden teilen zu können, ein echter Vorteil zu einer Solotour. Das miese Wetter hätten wir gerne geändert. Wenn die Sonne scheint und die Ausrüstung und Paddler warme Sonnenstrahlen zum Erholen genießen können, hat dies Vorteile. Aber, das Leben ist kein Schlotzer und irgendwie ist es wie mit dem Joggen. „Bei schönem Wetter kann´s jeder“.

Was das Tollste an dieser Reise war, waren die Menschen die wir getroffen haben. Mitten in der Wildnis hilfsbereite Personen zu treffen, die sich für einen persönlich und auch die Gesellschaft interessieren in welcher man lebt, kann wesentlich mehr Bedeutung haben als dieses Outdoor Gedöns in welchem die Leute oft unsinniger Weise ihre Inspiration suchen.

Danke an Juho, Maarit, Arttu, Vesku, Anna, Eero,  Maiju, Park Ranger, Sauna Policeman, Finnisch Sherpas und Carina mit Freundin. Es war toll diese Menschen zu treffen. Ob kurz, lang, lachend, skeptisch oder gesundheitsgefährdend. Reisen ist toll, und wir wissen es zu schätzen das wir die Möglichkeiten dazu haben.
 


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