2010: Kanutour Kalixälven - Schweden

2010: Kanutour Kalixälven und Kaitumälven - Lappland

Reisebericht: Kanu-Angeltour in schwedisch Lappland.

Gewässer: Auf dem Kalix-und Kaitumälven

Wer: Jens und Holger

Wann: Mitte bis Ende Juli 2010

Länge: Ca. 90 Kilometer

Touren Details:

Motto 2010: „Das ist ja ein Lachs“

Kommentare und Fragen zu dieser Kanutour: Bitte hier bei Facebook kommentieren oder Fragen stellen


 

Kanu Tour auf dem Kalix und Kaitum Fluss in Schweden

Wie ich einmal einen Lachs fing

 

Der Kalixälven (Kalix, Kalixälv, Kalix River) ist mit 453 km der längste naturbelassene Fluss Schwedens. Er beginnt am Ende einer 4er Seenkette, die ca. 60 km westlich von Kiruna liegt. Genau dort, am Ende des letzten Sees (Kaalasjärvi), in Kaalasluspa, startete unsere Kanu-Angeltour 2010 in Lappland. Weitere Informationen über den Kalix findet man auf: http://www.kalixriver.se/.  Der Plan war, dass wir ca. 60 km auf dem Kalix flussabwärts bis zum Zusammenfluss mit dem Kaitum paddeln. Von dort wollten wir uns dann ein paar Kilometer den Kaitum aufwärts transportieren lassen, um auf/an diesem Fluss auch noch ein paar Tage verbringen zu können.

 

14.Juli 2010, Mittwoch

Am Flughafen von Kiruna wurden wir von Sven abgeholt. Er arbeitet eigentlich als Lehrer aber im Sommer bietet er über seine Webseite Kanotcentral Nor auch Kanadier- und Personentransporte zu Einsatzstellen an. Wir haben im Vorfeld alles per Mail abgeklärt, somit war er pünktlich und wir konnten sofort nach der Landung aufbrechen. An der Tankstelle wurde die schwedische Angellizenz gekauft (eine Jahreskarte – die hat genauso viel gekostet wie die Karte für zwei Wochen) und dann gings ab in den COOP in Kiruna.

Da wir mit dem Flugzug nach Lappland gereist sind, ist man zuerst einmal auf 20 kg Reisegepäck eingeschränkt (SAS ist aber auch tolerant was Übergepäck in geringer Menge angeht). Daher muss man sich einige Dinge vor Ort noch besorgen, in unserm Fall sind das nur noch Essen und Getränke gewesen. Hinzu kam noch, DIE Idee 2010, einen Outdoor Wok für 15 Euro. Der hat das Kochen über dem offenen Feuer um einiges erleichtert und gehört ab jetzt zur Grundausrüstung für zukünftige Kanutouren.

Die letzten Jahre dachten wir immer, dass Alkohol in Schweden dermaßen überteuert ist, dass es sich lohnt in verschiedensten Behältnissen den Alkohol aus Deutschland nach Schweden zu transportieren. Aufgrund der Gewichtsbeschränkungen für Flugreisende mussten oft genug Wechselunterhosen und schwere Deoroller daheim bleiben. Das war, wie wir dieses Jahr festgestellt haben, absoluter Quatsch! Lieber ein paar Bücher mehr mitnehmen, denn wenn man nicht gerade mit dem Auto fährt und noch genügend Platz hat, kann man Bier, Wein und Gin auch ganz entspannt , staatlich überwacht und maximal 30% teurer als bei uns, im www.systembolaget.se einkaufen. Wegen ein paar Cents Unterschied lohnt sich der Aufwand jedenfalls nicht.

Nachdem wir die Lebensmittelgrundversorgung sichergestellt hatten, brachte uns Sven zur Einsatzstelle in Kaalasluspa, wünschte uns viel Spaß und los ging es. Die Karten für unsere Tour hatte er uns schon Wochen vorher zugeschickt und eine genauere Einweisung gab es nicht.... was auch nicht nötig war, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat. Die Sachen wurden auf die verschiedenen Kanusäcke verteilt und dann wurde, zuerst mal auf einem breiten  See, losgepaddelt. Nach 30 Meter wurde die Angel ausgeworfen und mit Hilfe des Rutenhalters am Kanu der nagelneue Meps Flying C 15 Gramm hinter dem Kanu hergeschleppt.

Es war bewölkt bei ca. 15 Grad und zum Glück hat es nicht geregnet. Im Grunde ist Regen keine schlimme Sache und im nördlichen Skandinavien gehört er auch dazu - aber gerade am Anfang, wenn man alles zum ersten Mal verstauen muss und auch die Schlecht-Wetter Plane noch nicht gespannt ist, ist ein trockener Start  wesentlich angenehmer. Vom Wetter her hatten wir die folgenden 10 Tage alles. Vom schönsten Sonnenschein bis zu einem heftigen Gewittersturm der uns die Schlecht-Wetter-Plane von den Bäumen gerissen hat. In dieser Nacht mussten wir hoffen, dass wir nicht von einem entwurzeltem Baum im Zelt erschlagen werden, der Rest war sorgenfreies Abenteuer mit Adrenalin Schüben an den richtigen Stellen. Die Temperaturen waren immer so um die 15 Grad, mal mehr mal weniger, die tiefste Temperatur die wir mal Nachts nach dem dritten Sauna Gang feststellen konnten war 4 Grad.

Jeder hat so seine Vorlieben beim Paddeln: man kann Kilometer jagen, nur Wildwasser fahren (was mit einem offenen Kanadier nur begrenzt möglich ist), die einen fahren lieber auf dem See, andere auf dem Fluss.
Für uns gilt: Seepaddeln ist doof! Auf dem Fluss passiert einfach mehr, man sieht nicht kilometerweit, starker Wind hat nicht so krasse Auswirkungen usw. Wer sich das hier durchliest und zum ersten Mal eine Kanutour plant, sollte sich über den Anteil an Seepaddelei auf jeden Fall Gedanken machen. Auf http://www.canoeguide.net ist dieser Anteil glücklicherweise immer angegeben.

Nach genau 50 Minuten, der See wird gerade immer enger, ist der erste Hecht an der Angel. Nun eigentlich stellen wir das erst später fest, denn der Hecht muss sich den Köder geschnappt und sofort ins Kraut abgetaucht sein. Die Angel hat sich nämlich genauso verhalten wie bei einem Hänger. Erst als wir ein Stück zurück gepaddelt sind löst sich dieser, zieht nochmal Schnur ab und zum Vorschein kommt ein 90 cm Hecht. Dieser wurde am ersten Lagerplatz, ein paar Kilometer weiter, im bereits erwähnten Wok zu einer vorzüglichen Miso Soup verarbeitet.

Dieser unser erster Lagerplatz ist chefmässig. Wind, und daher keine Mücken. Ein Holzstapel neben der Feuerstelle, da sich verschiedene Waldarbeiter oder Tourismusbeauftragte verantwortlich dafür fühlen, dass Touristen nicht mit Holzsuchen ihre Zeit verschwenden. Stromschnellen waren auch noch vorhanden um noch ein paar Äschen und Forellen zu fangen... und wieder zurückzusetzen. Von unserm Lagerplatz aus konnten wir auch noch etwas auf das schneebedeckte Gebirge und den Kebnekaise schauen (mit 2093 Meter, der höchste Berg Schwedens).

Wir beschließen dann noch zu testen wie kalt das Wasser wirklich ist und gehen baden.. nein kurz schwimmen … um genau zu sein, wir machen ca. 5 Schwimmzüge in der Strömung und begeben uns anschließend wieder an Land. Das Wasser hat so ca. 10 Grad. Vermutlich wird es weiter flussabwärts wärmer und man gewöhnt sich auch etwas an die Temperatur (mit Ausnahme von Jens linkem, kleinen Zeh) jedenfalls planschen wir an unserem letzten Urlaubstag 9 Tage später fröhlich wie zwei junge Robben im Kalixälven - aber heute noch nicht.

Auf die Dunkelheit ,welche eine eventuelle Nachtruhe einläuten soll, wartet man um diese Jahreszeit vergeblich. Wie den gesamten restlichen Urlaub wird es nie dunkel, wir sind schließlich ca. 100 km nördlich des Polarkreises, und die Mitternachtssonne gibt es bis zur dritten Juli Woche zu bewundern.

15.Juli 2010, Donnerstag

Die ersten 15 Kilometer auf dem Kalix sind wirklich spaßig. Eine nette Folge von Stromschnellen der Kategorien I bis IV.
Wir hatten mittleren Wasserstand und in diesem Teil der Kanutour hatten wir nie ernsthafte Schwierigkeiten beim Befahren von Stromschnellen. Selbst Schnellen der Kategorie IV waren eher spaßig als stressig. Es ist schwer hier eine pauschale Beurteilung von Stromschnellen abzugeben. So hatten wir ein paar Tage später eine etwas feuchtere Erfahrung in einer III er Stromschnelle auf dem Kaitum - die war bei weitem schwieriger zu befahren als sämtliche IVer Stromschnellen auf dem Kalix.

Auch das so oft empfohlene Besichtigen der kritischen Stellen ist ein netter, gut gemeinter Rat aber nicht immer wirklich umsetzbar... zumindest für uns. Die Stromschnellen sind ja doch oft einige hundert Meter lang. Man kann also anhalten, aussteigen, sich durch mehr oder weniger unwegsames Gelände am Ufer bis zum Ende der Stromschnellen durchschlagen und sich dabei einen Weg durch selbige überlegen. Eine Stunde später sitzt man dann wieder im Kanadier, hat die Hälfte schon wieder vergessen und probiert dann aber trotzdem den Weg umzusetzen. Schwierig und zeitraubend. Ein Freund und erfahrener Kajakfahrer meinte vor der Tour zu uns, dass das Wichtigste sei, in solchen Sittuationen immer einen Plan A zu haben. Auf unsere Frage was zu tun sei, wenn dieser sich nicht einhalten ließe, kam die weise Antwort, dass dann Plan B in Kraft träte und dieser dann aber auch ohne Kompromisse durchgezogen werden muss. Äh, ja, so also wird’s gemacht....

 

Exkurs: Nicht unbedingt zu empfehlen aber bei uns hat folgende Strategie gut geklappt:

Rein fahren ohne Besichtigung und mit mehr oder weniger harmonischer Kommunikation gemeinsam eine Ideallinie finden.Man muss sich halt doch etwas auf die Informationen verlassen die man vorher bekommen hat. Wenn zwei unabhängige Kanu-Verleiher sagen, dass in dieser Zeit die Strecke mit einem offenen Kanadier befahrbar ist, dann geht man wohl nicht ein all zu großes Risiko ein, wenn man die Dinger blind fährt, zumindest wenn man etwas Erfahrung hat und es im Duo möglich ist in die Richtung zu fahren auf die man sich geeinigt hat.

 

Zumindest kann man dies für die Sommermonate mit Wassertemperaturen von 10 bis 12 Grad sagen. Andre hatte am Kalix eine Kentererfahrung bei tieferen Temperaturen, da sieht das dann etwas anders aus. Schließlich kann man da nicht am Kanu hängend durch die Stromschnellen treiben und auf ruhigeres Wasser warten, da ist wohl nach 5 bis 8 Minuten Schluss... abhängig von Fitness und dem Currywurst-Robbenpolster das man sich vor dem Urlaub zugelegt hat.

Auf der gesamten Tour haben wir, bei diesem Wasserstand, ca. eine Hand voll Stellen gesehen, wo wirklich kräftige Walzen mit Rückströmung aufgetreten sind. Was passiert wenn man in eine solche gerät, können wir nicht beurteilen, ist uns bisher immer erspart geblieben. An verschiedenen Stellen hat das Wasser doch einen gewissen Druck aber wenn man nicht gerade mit dem Kopf gegen einen Stein knallt und bewusstlos wird, kommt man bei einer Kenterung wohl mit blauen Flecken und Verstauchungen davon. Was von der Ausrüstung danach noch in Schuss bzw. vorhanden ist, hängt wohl davon ab, wie gut man es gesichert hat. Und eben, wie meistens im Leben, die Hälfte von allem ist Glück.
Wer sich nicht sicher ist kann ja immer noch alles größer III umtragen. Dann ist man nach dem Urlaub auf jeden Fall topfit. Mehr Informationen dazu: Sicherheits- Aspekte bei einer Kanu Tour
Es gibt im Web schon genügend Seiten die einem im Umgang mit Stromschnellen und wirklich abgelegenen Gebieten Tipps und Warnungen geben. Menschenverstand mit einer vernünftigen Vorbereitung und etwas Erfahrung reichen hier eigentlich aus.

Zu empfehlen ist  die Webseite www.hitta.se. Auch ohne Schwedisch-Kenntnisse kommt man dort zurecht und die Satellitenbilder haben eine höhere Auflösung wie auf anderen Webseiten. Man kann sich dort einen recht guten Eindruck holen, wie die Landschaft dort aussieht. Selbst die Gischt der Stromschnellen sieht man hier!

Im übrigen kann Paddler Gräulich mittlerweile eine 2 er Stromschnelle in der vorderen Sitzposition auch alleine durchfahren …. sehr hilfreich da somit Meister Knoth die Äschen und Forellen aus den Stromschnellen ziehen kann.

Video: Stromschnelle auf dem Kalix (Die Qualität der Filmen während dem Kaufahren ist ausbaufähig)


Der zweite Lagerplatz hatte weniger Holz und Wind, dafür aber um so mehr Mücken. Dies führte dazu, dass wir ohne Abendessen um 20.00 Uhr im Zelt lagen und ganz souverän einen 12 Stunden Schlaf hingelegten.

 

16.Juli 2010, Freitag

Nach den Stromschnellen am Anfang vom Kalix werden diese immer weniger. Auch hat es auf den ersten Kilometern noch etwas mehr Häuschen am Flussufer und man sieht auch hin und wieder andere Angler am Flussufer.
Dann wird es allerdings richtig schön einsam. Die nächsten drei Tage sehen wir wirklich niemanden. Wir haben auf der gesamten Tour auch keine anderen Kanuten getroffen. Dies war letztes Jahr am Lainio auch noch anders.

Da der Lagerplatz der vorigen Nacht doch sehr mückig war, hielten wir immer wieder Ausschau nach einer besseren Lagerstelle.

Die Landschaft an den beiden Flüssen Kalix und Kaitum ist in dem von uns befahrenen Gebiet ziemlich ähnlich. Wirklich offene Stellen gibt es überhaupt nicht. Links und rechts ist meistens Wald und je nach dem ob es an der entsprechenden Stelle etwas sumpfiger ist, hat es halt ein paar kleine Büsche. Der Wald besteht entweder nur aus Birken oder er mischt sich mit Nadelhölzern. Kiefern und Fichten sind zum Feuer machen natürlich wesentlich geeigneter und brennen schneller, was besonders bei Regen hilfreich ist.
Bei der Auswahl des Lagerplatzes sollte das Vorhandensein von vielem guten Holz für das Lagerfeuer an oberster Stelle stehen. Denn was dieses Jahr explizit bewiesen wurde: Mit einem richtig großen, heißen Feuer kann man die Mücken um einen herum auf nahezu null reduzieren.

Das Thema Mücke soll hier noch einmal gesondert betrachtet werden:

Die gemeine Mücke verhält sich nämlich genauso wie ein Piranha oder unsere lieben Freunde von der Springerstiefel Fraktion: Sind sie zahlenmässig weit überlegen tun sie so als ob sie wirklich was drauf haben. Wenn es allerdings wirklich hart wird, ziehen sie den kleinen Schwanz ganz schnell ein.
Im Falle der Mücke bedeutet dies folgendes.

Man hat so gut wie keinen Ärger mit den Biestern bei:

  • Windstärke größer 15 km/h
  • Temperaturen kleiner 6 – 7 Grad Celsius (Nachts)
  • Wenn die Sonne richtig heiß runterknallt
  • Feuchtgebiete weiter weg als 500 Meter
  • Großes Lagerfeuer und dann setzt man sich halt so nah dran, dass es an einen RTL2 Film zur späten Stunde erinnert („Die heißen Schenkel von ...“)


Ja, es gibt natürlich auch noch Insektenschutzmittel. Die letzten zwei Jahre hatten wir „Anti Brum“. Das Zeug wirkt auch, zwar nicht wie angegeben bis zu 8 Stunden aber doch ca. 30 bis 90 Minuten. Wenn einem das Zeug aber mal mit dem Schweiß in die Augen oder über die Lippen läuft, weiss man auch wieso das Zeug wirkt. Gut, es steht ja auch auf der Verpackung drauf dass die Flaschen, wenn sie leer sind, in den Sondermüll müssen, man das Zeug nicht häufiger als zweimal an Tag anwenden soll, und es beim Einatmen zu Schwindelanfällen führen kann.... vermutlich kann man sich auch Batteriesäure ins Genick spritzen, das dürfte die selben Auswirkungen auf Mückenschutz und Gesundheit haben. Nun ja, wir hatten hatten jedenfalls vier Flaschen von dieser chemischen Waffe dabei und waren recht froh darüber. Direkt angesprühte Mücken lösen sich augenblicklich in kleine Rauchwölkchen auf...

Doch manchmal geht es nicht anderes: da kommt das Moskito-Netz über den Hut, die Hose in die Socken, die Hände in die Taschen und dann kann man sich einfach auf den Boden legen während diese Biester um einen herumschwirren und probieren eine Lücke zu finden.

Wir entschieden uns an diesem Nachmittag für einen Lagerplatz auf einer kleinen Anhöhe auf der rechten Seite. Anhöhen haben immer den Vorteil dass es dort windig und nicht so feucht ist wie in einer Mulde die auf Flusshöhe liegt.
Nachdem wir alle Sachen das Bergchen nach oben geschleppt hatten, genossen wie die schöne Aussicht und das besser werdende Wetter.

       

 

17.Juli 2010, Samstag

Aufstehen, Frühstückten, Packen und lospaddeln.Das Schleppangeln vom Kanu aus beginnt spätestens 5 Minuten nach dem Ablegen. Die Rutenhalter dafür wurde in den letzten Jahren immer wieder selber gebaut, gekauft, verbessert, aussortiert.
Der jetzige war teuer und ist auch extrem stabil. Da man während dem Paddeln immer wieder mal einen Fisch fängt, bringt das dementsprechend Abwechslung in den Nachmittag. Zudem halten wir unterhalb der Stromschnellen öfter mal an und fischen diese ab. So auch an diesem Tag.

Dies bringt mich mal wieder zu einem unserer Lieblingsthemen: Dem „Stahlvorfach“ oder auch „Hardmono“:

Nicht- Angler können diesen Abschnitt getrost überspringen. Für Hobbypsychologen könnte dies auch noch interessant sein, sind diese Utensilien unter Umständen Auslöser ernsthafter Psychosen. Die Grundidee hinter einem Stahlvorfach ist jedenfalls hier nachzulesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Vorfach

Ich behaupte jetzt einfach mal: Andre spricht hin und wieder im Anglerlatein. Denn obwohl er, zumindest gefühlt, ungefähr fünf mal so häufig angelt wie wir, behauptet der Bub aus dem Norden tatsächlich er habe erst einmal einen Hecht verloren weil er kein Stahlvorfach drauf hatte. Er fischt also grundsätzlich „ohne“. Das kann nur gelogen sein!!! Denn in jedem Urlaub, und immer genau dann, wenn ich mal keins drauf habe, haut so ein &ç*+$! Hecht mit meinem Köder ab, nachdem er mir die Hauptschnur durchgeknipst hat.

Also in Schweden muss jederzeit, an jeder Stelle, selbst in einer Pfütze, mit einem Hecht gerechnet werden. Das ist ein Fakt. Wie ein physikalisches Gesetz. Unumstößlich und für immer gültig. Es gibt keine Ausnahmen mehr, wie wir noch an der ersten Stromschnelle an diesem Tag dachten. Andres guten Rat im Ohr, dass die Vorfächer von den Fischen als solche erkannt und gemieden werden, sind wir Voller Freude ohne Stahlvorfach ans Werk gegangen... und es kam was kommen musste:

Gerade als wir mit meinem absoluten Lieblingsköder, dem Flying C, fischen, haben wir einen ordentlichen Biss. Da es kräftig an der Schnur zieht, steigt die Spannung... wir sehen kurz die kräftige Schwanzflosse vom guten alten Gädda und er zieht ab Richtung Flussmitte und es macht „Ping“. Abgesehen davon, dass das einem jedes mal den Köder kostet, ist das auch nicht angenehm für den Hecht.
Der muss nämlich unter Umständen sein Paarungsverhalten bezüglich der Hechtdamen komplett umstellen. Mit so einem Unterlippen Piercing Modell „Wobbler“ oder „Mepps“ hast du nur noch die Chance, als „Bad Boy“ vom  Flussabschnitt die Mädels ins Schilf zu kriegen. Einen auf sensiblen, verständnisvollen Zuhörer zu machen, kannst du mit dem Ding im Gesicht absolut vergessen, das nimmt dir keine mehr ab. Traumschwiegersohn der vom Schwiegervater in spe überschwänglich in die Flossen geschlossen wird ist da auch nicht mehr drin. Da bleiben nur noch die Hühner aus den Problemfamilien oder die aus den ganz behüteten Spießer-Hecht Familien, die probieren, Daddy mit dem Neuen zu provozieren.

Nun es war jedenfalls das letzte Mal in dem Urlaub dass wir ohne Hardmono gefischt haben.

Unser Lager haben wir Abends auf einem kleinen Hügel aufgeschlagen.
Unglaublich mal wieder. Seit zwei Tagen keine andern Leute gesehen, wunderschöne Umgebung, einsam und dann wieder ein Lagerplatz mit allem was man braucht. Bänkchen, Äxte, Säge und sogar eine Tonne zum Räuchern. Die Freude über die Eisentonne war besonders groß, da wir uns schon öfters überlegt haben wie genial es wäre, wenn wir unser Fische auch mal räuchern könnten.

Da wir alle Fische die  wir an diesem Tag bisher gefangen hatten wieder zurück gesetzt haben, war unsere Mission für diesen Nachmittag klar: Rauspaddeln, Fische fangen. Ja, ja, hat man alles schon gehört und gelesen. Im Blinker gibt es wohl unzählige Artikel darüber. Wann beißen die Fische und wann nicht. Wir haben da so unsere eigenen Theorien wieso es haufenweise dieser  nerdigen Artikel gibt. Ganz eindeutig statistisch bewiesen wurde in diesem Jahr folgendes:
Angler müssen es zwei sein, das Kanu grün, eine Jacke blau, die andere schwarz, die einen Stiefel von Lundhags die anderen von Scarpa, und eine unbekannte Komponente, denn die Kleidung war ja dieselbe wie die schon die drei letzten Tage.

Aber wenn das alles zutrifft, dann hat man bei ungefähr jedem 5 ten Wurf einen Biss. Das hat wirklich Spaß gemacht. Ein bisschen hoch paddeln, runter treiben lassen und alle 5 Minuten beißt eine Äsche oder Forelle an.
Eine Äsche hatte sogar 46,5 cm. Für die meisten Unwissenden wird dies nur für Stirnrunzeln sorgen, all diejenigen wahren Männer die noch die Urtriebe der Jagd in sich spüren, fähig sind auch nach der Apokalypse ihre Weibchen und Nachkommen zu versorgen, wissen: Das schaffen nur die Besten!

Die Idee war, dass wir die Fische alle räuchern und den Rächerfisch für Frühstück und Snacks verwenden können. Ansonsten ist es vollkommen idiotisch 8 Fische für 2 Personen aus dem Fluss zu entnehmen. Leider war das trotzdem umsonst, denn das Räuchern hat überhaupt nicht geklappt. Um genau zu sein, die 6 Fische welche fürs räuchern vorgesehen waren sind alle irgendwann in der Glut gelandet. Räuchern ohne Draht oder feuerfester Schnur ist jedenfalls nicht drin und beim nächsten mal machen wir es besser.

Aber auf dem Bild sieht es wenigstens so aus als ob es geklappt hätte.

       


18.Juli 2010, Sonntag

Der Sonntag war total verregnet mit wenigen kurzen sonnigen Abschnitten und so haben wir einen ganzen Tag Pause gemacht und sind an unserm Platz geblieben.
Wenn man mal nicht alles ab- und wieder aufbauen muss, hat man wirklich einen entspannten Tag. Wie die zwei Opis von der Muppet Show sassen wir dann auf dem Aussichtspunkt und genossen den Ausblick auf eine wunderschöne Landschaft, wo einfach mal gar nichts passiert. Herrlich und soooooooooo gesund.


19.Juli 2010, Montag

Nach dem Packen ging es erst mal wieder in eine 4 er Stromschnelle, war aber nichts besonders wildes. Wir paddelten etwas zügiger und es tauchten wieder die ersten Angler am Flussufer bzw. in einem Angelboot auf.
Kurz vor dem Zusammenfluss von Kalixälven und Kaitum tauchte das Wildniscamp auf der rechten Seite auf, dort wollten wir ja die letzten beiden Tage vom Urlaub verbringen und für uns war es interessant ob wir die Strecke vom Zusammenfluss bis zum Camp auch wieder hoch paddeln konnten. Das sah so aus, wobei wir ein paar Tage später zwei Stücke doch treideln mussten um ans Ziel zu kommen.

Wir zelten anschließend direkt beim Zusammenfluss der beiden Flüsse. Herrlicher Platz auch um die Einheimischen zu beobachten die  Abends mit ihren Booten angetuckert kommen um dort zu fischen. Unsere Beobachtungen der Konkurrenz haben ergeben, dass sie offensichtlich auch keine Lachse fangen, was uns gleichzeitig erfreute wie auch deprimierte... die meisten von den Dingern waren wohl einfach noch nicht da.


20.Juli 2010, Dienstag - Wechsel zum Kaitum River

Am nächsten Morgen paddelten wir schnell zur Brücke nach Lappeasuando und frühstückten in dem kleinen gemütlichen Cafe. Die Leute vor Ort wussten Bescheid über den Transport von uns hoch an den Kaitum, zudem bekamen wir gleich den Schlüssel ausgehändigt für das Wilderness Camp welches wir in unseren letzten zwei Tagen beziehen wollten.
Also Kanadier aufs Autodach und hoch an den Kaitum bis nach Laxelet. Zwischendurch hielten wir noch an einem kleinen Supermarkt um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen, unter anderem ein paar Steaks, da das Rentier 10 km vorher doch gerade noch ausgewichen ist, nachdem es in vermeintlicher Selbstmordabsicht eigentlich direkt in unser Transportauto laufen wollte.

Wir paddeln ein paar Kilometer und kommen anschließend an einen wunderschönen Lagerplatz, ca. 20 Meter erhöht neben dem Kaitum.

Böswilligerweise könnte man ja im Grunde behaupten, dass die Tage immer gleich ablaufen. Hierbei spielt sich auch eine gewisse Routine ein:

  • Aufstehen und erst mal ein schönes deftiges Frühstück mit Kaffee.
  • Alles einpacken und im Kanu verstauen und mit Seilen und Karabinern sichern.
  • Abfahrt ist somit immer zwischen 11.00 und 13.00 Uhr
  • Paddeln, Angeln, Snacken
  • Suche nach geeignetem Lagerplatz
  • Lagerplatz finden.
  • Lager einrichten (Plane spannen, Zelt aufbauen, Zelt einrichten, Holz in ausreichenden Mengen finden, Wassertanks auffüllen), Bier trinken, drinks mixen. Siehe auch: Lagerplatz einrichten
  • Kochen. Siehe auch: Rezepte für die Outdoor Küche
  • Essen. Und dann ist es meistens auch schon ca. 21.00 Uhr.

Das klingt im Grunde nicht nach besonders viel, aber man ist irgendwie von Morgens bis Abends mit etwas beschäftigt. So eine Kanutour ist jedenfalls nichts für Leute die sich davor immer für zwei Wochen pauschal im Strandhotel eingebucht haben.


21.Juli 2010, Mittwoch

Erfreulicherweise darf für diesen Tag wieder das Thema „Lachs“ angesprochen werden. Es ist ja nicht so dass dieses Wort die letzten Tage nicht mindestens 5 mal in der Stunde gefallen ist, für einen Reisebericht ist es aber doch recht langweilig immer wieder zu hören dass man noch immer keinen Lachs gefangen hat.

Grundsätzlich ist es so, dass es wohl ab ca. Mittsommer möglich ist, im Kalix und Kaitum Lachse zu fangen. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit immer mehr, je näher man sich dem Herbst nähert. Mitte Juli sind die Aussichten auf Lachs Sushi also noch nicht so riesig. Andre allerdings war 2008 Anfang September am Kalix unterwegs und die hatten mal eine fette Lachsausbeute was hier zu sehen ist. Allerdings haben die Jungs bestimmt ihre Körperhygiene vernachlässigt da (freiwilliges) Baden um diese Jahreszeit bestimmt eine gewisse Härte erfordert  Tongue out Wie bei vielem gibt es halt Vor- und Nachteile.

Jedenfalls waren wir eigentlich gerade damit beschäftigt ein paar Kilometer nur zu paddeln, auf einem Teil vom Kaitum River der eher etwas seenähnlicher war. D.h. Wir waren beide am paddeln und nebenbei wurde mit einem kleinen Forellen-Wobbler geschleppt. Mitten in einer hochtrabenden Diskussion über untalentierte Sportler, hatten wir plötzlich einen Biss. Zack, die Rute ging ordentlich nach hinten. Da wir im Grunde spezialisierte Hecht Jäger sind und ca. 10 Meter weg vom Ufer geschleppt hatten, gingen wir davon aus das mal wieder ein Hecht angebissen hat.
Ohne die Angel einzuholen haben wir erst einmal darüber gesprochen ob wir das Ding überhaupt mitnehmen oder wieder schwimmen lassen. Wir einigten uns dann auf schwimmen lassen und fingen an mehr oder weniger motiviert die Schnur einzuholen. Und dann sprang das gut Stück zum ersten mal aus dem Wasser.

„Das ist ein Lachs“ sprachen wir beide synchron aus, und dann war mal plötzlich Panik im Park.

So ein Lachs hat dann doch noch ein anders Kampfpotenzial wie ein Hecht von derselben Größe. Ist ja auch verständlich. Während der Hecht eher den gemeinen Jäckle verkörpert, der sich hauptsächlich die Sonne auf den Buckel brennen lässt, kann man beim Lachs eher vom Duracel Fisch sprechen. Immer in Bewegung und als anadromer Wanderfisch auch an mehr interessiert als dem heimischen Sofa. Somit muskulös wie die Trainingselfe zu seinen besten Zeiten und ausdauernd wie Dieter Baumann mit zehn Zahnpasta Tuben im Bauch.

Ok ein Mörderdrill war das jetzt auch nicht, hat aber doch so 5 bis 7 Minuten gedauert bis wir ihn im Kescher hatten. Der Kescher stammte ja auch noch aus Zeiten die Klein-Holger, die Schule schwänzend, am Put and Take Forellensee verbracht hat, sprich der hatte bei weitem nicht die Größe, die er haben sollte. Geklappt hat es dann doch irgendwann und der Fisch war geputzt (im Boot).

Raus auf die nächste Sandbank und erst mal die wichtigen Telefongespräche und MMS Bilder verschickt welche über unseren Wahnsinns Erfolg informiert haben. Immer wieder tragisch, dass wir die Freude nicht mit dem Fisch teilen können. Der Fisch denkt wahrscheinlich noch „ach, was für nette Jungs, die strahlen ja übers ganze Gesicht “ und Zack hat er den Knüppel auf dem Kopf.

   

Der Tag war ja schon nahezu perfekt, und wenn es halt mal läuft dann eben richtig. Nein keinen weiteren Lachs, sondern Adrenalin Schübe und Erfahrungs- Ausbau in Sachen Kanadier Wildwasserpaddeln.

Es folgte eine relativ lange 3 er Stromschnelle.
Das gute am sogenannten Hauptstrom ist, dass dort das meiste Wasser fliesst, und man deshalb weniger Gefahr läuft, an irgendwelchen Steinen hängen zu bleiben. Das Wasser dort ist immer tief genug und zieht einen auch schön durch das Wildwasser. Der Nachteil am Hauptstrom ist das viele Wasser :-)

Da können sich halt doch relativ hohe Wellen bilden, an den Stellen wo es aufgrund von Felsbrocken wieder schmaler wird. Und ein offener Kanadier ohne Spritzdecke verträgt halt nur eine bestimmte Menge solcher Wellen. Hierbei haben wir festgestellt dass die Wellen- Amplitude == Kanadierlänge/2 und die Wellenhöhe >= 2xBordkantenhöhe relativ ungünstig ist.

Dann nimmt der Kanadier beim Eintauchen jedes mal Wasser auf wie mit einer Baggerschaufel. An diesem Tag war die Formel mit m_Int_Wellenanzahl_Max = 4 initialisiert. Wir waren noch in einem ruhigeren Stück der Stromschnelle, als dieser Zähler auf 4 war. Die Folge war  folgendes Comic Bild:

Hinten saß Holger bis zur Hüfte im Wasser (200 Liter <= geschätzte Wassermenge im Kanu <= 300 Liter), vorne versuchte ein hochmotivierter Gräulich, während dem Paddeln mit der Kelle alle 5 Sekunden das Kanu von ca. 230 ml Wasser zu befreien. Natürlich schaltete der Hintermann blitzschnell und konnte sich sofort erklären wieso sein Vordermann diese wahnwitzige Sisyphos Arbeit betrieb. Ist auch wieder leicht mit physikalischen Gesetzen zu erklären. Da durch trainierte elfengleiche Muskelmasse mehr wiegt als Hobby-Sportler Ausdauer Muskulatur war das Kanu rücklastig und somit dort auch das ganze Wasser. Navigator Gräulich wusste also gar nicht wie viel Wasser wirklich im Kanu war. Wohl formuliert wurde mit ruhiger Stimme darauf hingewiesen dass eine gewisse Notwendigkeit eines kurfristigen Anlegemanövers im Uferbereich vorhanden sei. Als wir auf das Ufer zupaddelten war die Oberkante des Kanus keine 4 cm mehr von der Wasseroberfläche weg. Noch eine kleine Welle ins Boot und wir wären einfach so abgesoffen, abgetaucht wie die U-96 im legendärem Musikvideo. Wir wissen jetzt auf jeden Fall sehr genau wie viel Wasser ein Kanu aufnehmen kann.

Das Anlegemanöver war wie aus dem Bilderbuch: Mit dem Bug voll ins Ufer und Jens sprang heraus und zog das Kanu noch etwas raus. Beide total durchnässt, waren wir so erst einmal in der „Save Position“.

Was bei „Giana Sisters“ 100 gesammelte blaue Diamanten sind, entsprach hier einem ungefähr 15-minütigem Einsatz der Schöpfkelle. Nach diesem Reboot ging es weiter, die restliche Stromschnelle war kein Problem.

Der Lagerplatz für diesen Tag war suboptimal, aber, und das war entscheidend an diesem Abend, es hatte dort richtig schön viel Nadelholz zum Feuer machen. Es stand ja die Zubereitung des Lachses auf dem Abendprogramm!


Menüreihenfolge im Restaurant „Tannenhain„ für diesen Abend.


Amuse bouche: Lachs Sashimi
Vorspeise: Gerillte Lachshaut an Soja Souce und Wasabi
1. Hauptspeise: Sushi Dai (ohne Thunfisch und Ingwer)
2. Hauptspeise: angebratene Lachsfilestücken (aussen knusprig innen roh)

 


Video: In der Küche vom Restaurant "Tannenhain"


Wir haben uns in den letzten Jahren immer wieder gefragt, ob man denn einen Lachs, welcher im Süsswasser gefangen wurde, auch roh essen darf?

Klar beim Kijima und Co darf man dies ohne Einschränkung. Aber wir haben noch nie eine klare Aussage bekommen, wie das ist wenn ein anadromer Wanderfisch wie der Lachs vom Salz in das Süßwasser wechselt. Wie sieht das da mit Parasiten usw. aus? Selbst Biologe und Outdoor Experte Wotan hatte keine vollkommen zufriedenstellende Antwort. Und Leute, die freiwillig Felchenleberli essen, scheiden als Ratgeber bzgl. dieser Thematik von vornherein als völlig unqualifiziert aus.
Wir haben an diesem Abend den Lachs teilweise roh verspeist, und sollte dies in den nächsten Folgejahren zu einem langen, qualvollen Tod von uns führen... egal … es hat einfach nur genial geschmeckt und wir waren total vollgestopft und hatten sogar noch einiges übrig.

Sollte an dieser Stelle aber ein ausgewiesener Biologe/ Lebensmittelforscher /Fachperson die Frage eindeutig beantworten können:

 

Roher Lachs aus Süßwasser gesund? Ja / Nein. So würden wir uns über ein Mail jedenfalls freuen.

 

Mail Zitate welche uns zu diesem Thema erreicht haben:

Es folgt der Auszug einer Mail welche uns zu diesem Thema geschrieben worden ist. (Name ist der Redaktion bekannt, wird hier aber nicht veröfftentlicht):

" ... Nachdem Ihr nicht sicher seid ob Süsswasserlachs Parasitenfrei ist:
Weder Süss- noch Salzwasserlachs (und sonstiges Getier) ist frei von Parasiten. Insbesonders der industriell gefangene Fisch ist bedingt durch Fangmethode und Aufbewahrung alles andere als hygienisch einwandfrei! Selbstgefangener und sogleich zubereiteter Fisch ist da um einiges hygienischer bzw. sicherer. Unterschiede zwischen Süss(Salzwasser scheint es nicht wesentlich zu geben.
Dies war zumindest die Ausage unseres Marinebiologen der Antarktisreisen begleitet wo ich ebenfalls regelmässig arbeite. ..."

Eine weiter Mail zu diesem Thema:

"Wir haben ja auf jeder Reise diese ominösen Marinebiologen dabei.
Und auch die wechseln durch... unser Russe sagte don't believe an Argentinian... in Kürze seine Worte der Aufstieg ist extrem kräftezehrend für einen Lachs wodurch er anfälliger für Krankheiten/Parasiten wird. In Russland gibt es Seen wo der Verzehr von Lachsen aus diesem Grunde verboten ist (ist dann dort aber die Endstation nach dem Ableichen). Das Argument dass industriell gefangener Fisch höher Keimbelastet ist wurde jedoch bestätigt."

 

22.Juli 2010, Donnerstag

In Lappeasuando haben uns die Leute schon darauf hingewiesen, dass für diesen Tag nicht so gutes Wetter vorhergesagt war. Wir beschlossen aber trotzdem eine gewisse Strecke zu paddeln da unser Platz wie erwähnt nicht ideal war und wir daher weiterziehen wollten.

Nach kurzer Zeit fanden wir auch ein nettes Plätzchen und stellten ebenso fest, dass es wettertechnisch dafür um so unnetter wurde. Wir schafften es noch, die Plane zu spannen und das Lager einigermaßen einzurichten bevor der erste Regen da war.

 

Exkurs: Ausrüstungs -  Schlecht-Wetter Plane - Allgemein:


Das Thema Ausrüstung ist schon so eine Sache. Unbestritten es gibt im Bereich Outdoor wirklich tolle Dinge zu kaufen. Qualität und Funktionalität sind echt der Hammer, der Preis meistens auch. Inwieweit man da seine Ausrüstung aufstockt, ist zu 95 % davon abhängig, wieviel Budget man zur Verfügung hat und ob man bereit ist (und die Frau/Freundin es zulässt) es für dieses tolle Hobby zu verprassen. Die restlichen 5 % hängen damit zusammen inwieweit man sein Selbst-Marketing-Konzept durchziehen möchte.


Klar das gibt ein super Bild ab wenn du mit deinem Norwegerpulli am Lagerfeuer sitzt, die Augen in die weite Ferne gerichtet, der Wind streicht durchs Haar … du bist eins mit der Natur, zufrieden, selbstsicher, ungebunden, frei.
Dein Abgang von dieser Welt steht damit auch schon fest. Wie Brat Pitt am Ende von „Legenden der Leidenschaft“ kannst du im Grunde nur beim Kampf mit dem Grizzly diese Erde verlassen. Leider wird dies dadurch verhindert dass du, solltest du mit dem Ding ins Wasser fallen, einfach nur jämmerlich ersaufen wirst weil es ruckzuck zu einer Bleiweste wird. Oder du erfrierst, denn solltest du  trotz aller Widrigkeiten doch irgendwann bis ans Ufer tauchen können, wartest du ca. 4 Monate darauf, dass du dieses Ding an einem Lagerfeuer wieder trocken bekommst.
Hey, aber klar, solltest du mit dem Pulli zufälligerweise auf die Jahreshauptversammlung der europäischen Tree-Hugger-Vereinigung treffen, fährst du mit mindestens 10 Heiratsanträgen in der Tasche nach Hause. Mit einer Soft Shell Jacke wäre dir das nicht passiert. Egal, Werbung wollen wir ja nicht machen, aber zwei Dinge müssen wir festhalten:

  • Man kauft kein sogenanntes Tarp für 80 Euro wenn man das gleiche für 4,90 Euro beim Baumarkt in Form einer Bauabdeck- Plane bekommt.
  • Radtouren durch Russland und Lappland haben es zum wiederholten Male bewiesen: Die Aussage „Gore Tex ist immer wasserdicht und atmungsaktiv“ ist eine Erfindung von Oudoor Equipment Ladenbesitzern und ein riesen Marketinggag der Gore-Tex-Industrie, die sich an der Membran nen goldenen Arsch verdient. Die wollen weiterhin orangeblaue Jäckchen für 450 Euro verkaufen und brauchen dafür eine Rechtfertigung.

 

 

Ach ja, es hatte zu Regnen begonnen...
Es wurde dann ein echter Gewittersturm. Dunkle Wolken und dichter Regen begrenzten die Sicht auf 20 Meter. Einen 1a Temperatursturz gab es auch und der Wind wurde richtig heftig. Dieser führte dann auch dazu, dass die Plane dann irgendwann mal runtergerissen wurde. Der Wind machte es auch unmöglich sie wieder aufzubauen … hätte sowieso keinen Sinn gehabt. Es war auf jeden Fall herrlich, richtige Untergangstimmung und wir rennen den ganzen Tag mit unserer Outdoor Regenbekleidung durch die Gegend. Da kann man nicht mehr viel andere Dinge machen, also ab ins Zelt und lesen.

   

23.Juli 2010, Freitag

Wir warteten ein bisschen ab ob das gute Wetter diese Morgens auch halten würde und paddelten dann Richtung Etappenziel: Das Wildnis Camp von Lappeasuando. Vom Zusammenfluss Kaitum/Kalix sind das wieder ca. 1 km den Kalix hoch. Das kann man im Grunde fast alles am Rande hoch paddeln bzw. auch ein bisschen treideln an den Stellen wo die Strömung zu stark ist.

Wir hatten wirklich Glück denn wir waren vollkommen alleine im Camp. Das Camp besteht aus mehreren Hütten für 2 oder 5 Personen, Gemeinschaftshütten, sanitären Anlagen und zwei Holzofensaunas. Die Hütten selber haben auch alle einen Ofen für die Winterzeit, wirklich richtig schön.
Das Camp ist weder zu Fuss oder gar mit dem Auto erreichbar, man benötigt auf jeden Fall ein Boot. Doch gerade auch deswegen können wir es auf jeden Fall jedem empfehlen, dort einen Erholungsstop einzulegen. Über die Webseite kann man jedenfalls Kontakt mit den total netten Verantwortlichen aufnehmen und auch andere Dinge wie Hundeschlittenfahrten usw. organisieren.

Abgesehen davon, dass eben der Auf- und Abbau von Zelt usw. entfällt sind Saunagänge zur Entgiftung am Ende eines solchen Urlaube einfach der Wahnsinn. Und soooo gesund.

Nach drei sich steigernden Sauna Gängen, wobei die Haut nach dem letzten mindestens Signalkrebsröte haben sollte, schläft man dann nochmal etwas schneller ein als sonst.


24.Juli 2010, Samstag

An Tag zuvor haben wir auf dem GPS einen See entdeckt. Diesen wollten wir an unserm letzten Tag erwandern. Das GPS zeigte 4 km Luftlinie an.

Das war hart, wirklich, keine absolute Quälerei aber eine ordentliche sportliche Leistung. Eventuell gibt es einen Weg zum See, wir haben ihn jedenfalls nicht gefunden und daher ging es querfeldein Richtung See. Da gab es dann schöne waldige Abschnitte aber eben auch eher so suboptimale Sumpfgebiete die  man zum Teil noch durchlaufen konnte, oft aber auch umgangen werden mussten.
Wenn man so ein Feuchtgebiet durchläuft heißt das: Schuhe anheben auf Kniehöhe, versinken und beim nächsten Schritt den Schuh wieder aus dem Schlick ziehen. Klingt anstrengend, ist es auch.

Als wir dann beim See waren stellten wir zwar fest dass dieser wunderschön, vermutlich auch gesteckt voll mit Fischen, aber vom Ufer aus überhaupt nicht gut zu beangeln ist. Wir machten uns also nach einer Pause von 30 Minuten wieder auf den Rückweg.

Liegt es an Schweden, der sauberen Luft, dem rohen Lachs oder weshalb werden logische Dinge einfach nochmal klarer wenn man im Grunde nur damit beschäftigt ist zu überlegen in welche Pfütze man jetzt als nächstes seinen Stiefel setzt?
Im Ernst: Dieses Gerede vom Abnehmen, Beauty Farms, FDH und voller Geschmack bei Null Kalorien. Das ist doch einfach nur Beihilfe zum Selbstbetrug bzw. hinterlistiges Marketing um den Leuten wieder das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Es ist so klar und einfach:


Wenn du am Tag mehr Kalorien verbrauchst wie du zu dir nimmst: verlierst du Gewicht.

Wenn nicht, nimmst du zu.


Ok, so Dinge wie Durchfallerkrankungen, Bulimia nervosa und schwere Knochen können diese einfache Formel beeinflussen, ansonsten sollte das wohl auch der letzte Vollpfosten begreifen.

Wenn also jemand sich überlegt 5000 Euro für eine Abspeck- Woche auf einer Farm auszugeben, bitte melden, für das Geld fahren wir mit euch in den Urlaub und ihr bekommt denselben Effekt (… und Holger könnte sich mit gutem Gewissen diese tolle schicke GoreTex Jacke von Haglöfs kaufen die ,als einzige auf diesem Planeten, gleichzeitig wasserdicht und atmungsaktiv ist).

5 Stunden später und 3 Kilo leichter waren wir wieder zurück im Camp. Die Ausrüstung wurde sortiert und für die Abreise am nächsten Tag ausgemistet und vorgepackt.

Anschließend wieder ein entspanntes Abendprogramm mit drei Saunagängen.

25.Juli 2010, Sonntag

Nach dem Packen, beladen wir das Kanu ein letztes Mal und fahren runter zur Brücke in Lappeasuando wo wir nochmal im Cafe frühstücken und ein Rentier Fell einkaufen. Dieses ist übrigens  wasserdicht und atmungsaktiv.
Sven holt uns ab, dürfen noch sein Haus und seinen Hund kennenlernen und werden dann am Flughafen in Kiruna verabschiedet.

Jens und Holger, August 2010.


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