2011: Kanufahren und Angeln auf dem Kaitumälven

2011: Kanutour Kaitumälven und Kaitumjaure - Schweden

Reisebericht: Kanu und Angeltour in Lappland / Schweden.

Gewässer: Auf dem Kaitumjaure und Kaitumälven

Wer: Wotan, Tobi, Jens und Holger

Wann: 29 Juli 2011 bis 14 August 2011

Länge: ca. 130 Kilometer

Touren Details:

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Kanutour auf dem Kaitumjaure und den Kaitumälven in schwedisch Lappland

Funktionsbekleidung ist total überbewertet

Da fliegt es also davon, das Wasserflugzeug was uns am Ufer des Kaitumjaure abgesetzt hat. Das Flugzeug macht eine Kurve und fliegt dann zurück Richtung Kiruna. Als es nicht mehr zu hören ist schauen wir in die Runde. In der wunderschönen schwedischen Tundra stehen Jens, Wotan, Tobi und Holger und alle haben ein fettes Grinsen im Gesicht.

Vier Leute, dies bedeutet, wir sind dieses Jahr mit zwei offenen Canadiern unterwegs. Es gilt den gesamten Kaitum River zu bezwingen. Dieser hat seinen Ursprung am See Kaitumjaure, welcher eine Länge von ca. 35 Kilometer hat. Das Flugzeug hat uns nicht am nördlichsten Zipfel des Sees abgesetzt, sonder ungefähr im unteren Drittel. Daher haben wir zuerst noch etwas Seepaddeln (ca. 15 Kilometer) vor uns, anschließend paddeln wir den Kaitumälv  hinunter (ca. 115 Kilometer), bis zum Zusammenfluss mit dem Kalixälven. Geplant haben wir dafür 12 Paddeltage. Herrlich, richtig viel Zeit in einer wunderschönen Umgebung.

 

Video: Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiinnnnnnn .... Wir werden allein gelassen in der Wildnis

 

Samstag, 30 Juli 2011 – und die Tage davor

Für Jens und Holger stand eigentlich schon am Ende des letztjährigen Kanu Urlaubs 2010 fest, das im nächsten Jahr der gesamte Kaitum fällig sein müsste. Wir jedes Jahr schicken wir daher so um die Weihnachtszeit eine Mail zum Wotan nach Köln, ob er uns denn dieses Jahr gerne begleiten würde. Wie jedes Jahr rechneten wir auch wieder mit einer Absage. Nix da, im Februar kam die Antwort er und (unbekannter weise) Tobi sein Mitbewohner seien dabei.

In der Vorbereitung haben wir uns das Kartenmaterial besorgt, mit Sven von Kanotcentral Norr die Kanus, den Fahrdienst und das Wasserflugzeug organisiert. Jens und Holger flogen von Zürich nach Stockholm. Wotan und Tobi kamen aus Köln und somit haben sich die 4 Doltons in Arlanda das erste mal gemeinsam getroffen. Bis man am nächsten Tag gemeinsam ins Wasserflugzeug gestiegen ist war klar, die Truppe passt super zusammen. Für Holger und Jens war der Tobi schließlich eine bis dahin unbekannte Person. Da man sich aber die nächsten zwei Wochen die Klopapierrolle teilen wollte, war es klasse das sich Tobi als äußerst sympathischer und entspannter Kölner entpuppte (natürlich ist er auch noch intelligent, gerecht, witzig, eloquent und gut aussehend). Das einzige Problem mit Tobi ist auf seinen Job als Lehrer zurück zu führen. Da er dadurch bedingt, viel freie Zeit für Sport hat waren seinen Bauchmuskeln am besten definiert …. deshalb wollte bei den Oberkörper freien Bildern nie jemand neben Tobi stehen.

Eine Nacht also noch in Arlanda und am nächsten Tag weiter nach Kiruna. Sven bringt uns zum Supermarkt um die Lebensmittel einzukaufen und anschließend mit den Kanus zum Landeplatz des Wassserflugzeugs, wo wir auch die Angellizenzen für den Kaitum kaufen konnten. Dort haben wir noch etwas Zeit unsere Sachen zu ordnen und zu verpacken. Dann kommt das Wasserflugzeug, dieses wurde beladen, die beiden Kanadier neben den Kufen befestigt und der Platz neben dem Piloten per Schnick-Schnack-Schnuck vergeben.
Der Flug über die schwedische Tundra und Taiga ist genial. Die Nase platt gedrückt wie 25 Jahre früher am Süßigkeiten Schaufenster. Das Dauer Grinsen wird man während des gesamten Fluges nicht mehr los. Ein Traum auch wenn der Flug teilweise durch Regenwolken ging.

 

Video:  Anflug und Landung auf dem Kaitumjaure

 

Unseren Piloten kann man mit Sicherheit nicht als extrovertiert beschreiben. Er hat kein einziges Wort gesprochen, was wir ihm auch nicht vorgeworfen haben, da er für uns schlicht und ergreifend ein Held war, einer der es geschafft hat: Pilot in Lappland. Die nächsten 14 Tage haben wir uns am Lagerfeuer oft ausgemalt wie wir das auch hin bekommen (Piloten Ausbildung, Umschulung beim Arbeitsamt beantragen, usw.). Nach unserer Rückkehr hat die Regierung daheim allerdings diesbezüglich keinerlei Diskussions- Bedarf gesehen, das Thema war irgendwie recht schnell vom Tisch.

Jedenfalls stehen wir nun am Ufer des Kaitumjaure. In diesem Abschnitt kann man die Umgebung noch als gebirgig bezeichnen. Es ist bewölkt mit der Tendenz bald zu regnen. Also verstauen wir erst einmal alles und paddeln ca. 1 Kilometer zu einer Stelle welche nach einem guten Lagerplatz aussieht. Dort wollen/müssen wir bis zum nächsten Morgen bleiben.

Hintergrund Informationen: Massentreffen in der schwedischen Wildnis

Während der Planungsphase zur Kanu Tour 2009 auf dem Lainoälven sind wir auf die Webseite von Andre aus Hamburg gestoßen und haben ihm eine Mail geschrieben. Über zwei Jahre später mit Mails, Telefon und Skype Gespräche kann man behaupten das wir mittlerweile befreundet sind ohne sich (bis August 2011) je persönlich getroffen zu haben. Allerdings war man jeweils immer recht gut über die verschiedenen Kanu Projekte des anderen informiert.
Um es kurz zu machen: Wir haben es geschafft für 2011 das selbe Kanu Tour Projekt zu organisieren. Zwar hatten die Hamburger weniger Zeit zur Verfügung und sie wollten eine kürzere Strecke paddeln, aber der Starttermin lag nur einen Tag auseinander. Dies bedeutet: Am nächsten Tag wussten wir das an der selben Stellen ein Wasserflugzeug landen würde, an Bord Andre und noch drei weiter Hanseaten von insgesamt sechs angekündigten Hamburgern.

 

Wir mussten also in der Nähe bleiben, da wir uns darauf freuten endlich Andre und sein Gefolge kennen zu lernen.

Der Kaitumjaure ist wohl ein klassischer skandinavischer Bergsee. Glasklar, saukalt, voll mit Fischen. Die Wahrscheinlichkeit, sich Krankheiten beim direktem Trinken aus dem See zu holen, liegt bei geschätzten 0,0 %. („Außer bei den bösen, bösen Zuflüssen wo weiter oben ein totes Schaf im Bach liegen kann“ Zitat Ende Wotan). Wir haben die nächsten 14 Tagen immer direkt aus dem See oder dem Fluss getrunken und zwar ungefiltert oder sonstigen Maßnahmen. Ein paar kleiner Orte durchquert man auf der Kanutour den Kaitum hinunter, aber man muss die Wasserflasche ja nicht gerade auf Höhe von einem Haus auffüllen.

Bei Erkundigungs- Touren rund um den ersten Lagerplatz wurden auch gleich mehrere Rentier Geweihe gefunden. Genug also um sich die nächsten 14 Tage  Abends am Lagerfeuer mit Schnitzereien für Messer Griffen zu beschäftigen.  Oder auch Anhänger für eine Freundin zu schnitzen welche aber eigentlich gar keine Freundin ist. :-)

Der folgende Steinsprung Wettbewerb wird dermaßen von Wotan dominiert, so das für den restlichen Urlaub keiner mehr Lust hat auf das Spiel. Das Spiel ist eh voll doof!

Die schönste Zeit an einem See ist der späte Abend und der frühe Morgen. Wer im Erdkunde Unterricht aufgepasst hat kennt auch die Hintergründe, entscheidend ist dabei einfach nur das Phänomen das es während dieser Tageszeit oft total windstill ist. Der Kaitumjaure liegt dann spiegelglatt vor einem und man sieht nur die kleinen Kringel auf der Wasseroberfläche wo sich die Salmoniden die Mücken von der Wasseroberfläche zupfen. Nochmal: Die Landschaft dort oben ist ein absoluter Traum.

 

Sonntag, 31 Juli 2011 – Die Blondine des Nordens

Wir sind gerade am Frühstücken da sehen wir das Wasserflugzeug mit der hamburgerischen Fracht. Wir winken und hoffen das sie unseren Lagerplatz sehen und nach der Landung in unsere Richtung paddeln. Hat aber nicht funktioniert, also macht sich Holger alleine im Kanu etwas später auf den Weg um sie zu begrüßen.
Die ersten Tage im Urlaub ist das Angelfieber ja doch sehr extrem. Da nutzt man wirklich jede Gelegenheit um eventuell Fische zu fangen. So auch jetzt. Auf dem Weg zu Wasserflugzeug Anlege Stelle wir mit einem schlanken Wobbler geschleppt. Nach 5 Minuten kommt der Biss. Allein ohne Kescher im Kanu aber trotz allem von Erfolg gekrönt. Eine Forelle mit 54 cm und 1,5 Kilo. Rein ins Boot und weiter zur Begrüßung.
Und dann trifft man sich zum ersten Mal. Toll. Klasse. Also dies hier ist schließlich ein öffentlicher Reisebericht da muss man ja keinen Seelen Striptease wie die Dachlatten in den Talkshows hinlegen. Aber es war toll sich zu treffen. Wie schon zu vermuten war, ist die Hamburger Gruppe  vollkommen „Pferde stehlen“ kompatibel.

An unserem Lagerplatz gibt es dann erst mal frischen Kaffee und Gequatsche für die Neuankömmlinge. Und dann solle noch die gefangene Forelle küchen- fertig gemacht werden und das führt dann doch zu allgemeinem Staunen. Im Magen der Forelle finden wir 3 (in Worten drei) Lemminge in unterschiedlichem Verdauungszustand.

Der gemeine Berg Lemming hat so eine Art Blondinen-Image. Putzig, süß, man möchte ihn mal anfassen und streicheln aber irgendwie ist der strohdoof. Dies bedeutet, wenn er beschlossen hat in eine Richtung zu marschieren dann macht der das, und dabei ist es ihm egal ob er gerade an einem Seeufer angekommen ist oder nicht. Er denkt sich: „Was solls“ und schwimmt los. Und da ein Lemming nicht gerade ein Einzeltier ist, schwimmt recht häufig eines von diesen Viechern durch das Wasser so auch hier am Kaitumjaure. Später haben wir auch viele den Kaitum River überqueren sehen. So, und das haben dann auch auch irgendwann mal die Forellen mitbekommen. . Also, so ein Berg Lemming ist nicht gerade klein, daher hier nochmal ein Link zu Wikipedia wie ein Lemming aussieht bevor er in der skandinavischen Version von „Der weiße Hai“ mitspielen durfte.

 

Aus dem Reich der Tiere: Lemming vs. Forelle

 

Die Forelle hat sich also voll auf diese Berglemminge spezialisiert. Über eine Woche später trafen wir in Killinge zwei finnische Fliegenfischer. Diese berichteten ebenfalls von Brown Trouts welche mehrere Mäuse im Magen hatten.
Jeder Psychopath welcher sich gerade denkt er werde dort oben einen Lemming mit einem Drillingshacken auf dem Rücken zum baden schicken, möge in der Hölle schmoren. Aber wer sich darauf versteht Angelköder herzustellen: So ein Fell-Oberflächen Köder müsste dort oben wirklich sehr fängig sein.


Irgendwann war es dann soweit. Andre musste mit seinen Jungs auf das zweite Flugzeug am Nachmittag warten welches die restlichen Hamburger bringen würde. Das eingesetzte Wasserflugzeug kann nur 4 Passagiere transportieren, daher mussten sie noch warten bis der Rest der Truppe auftauchen würde. Wir verabschiedeten uns, wussten allerdings das wir uns später flussabwärts wieder treffen würden.

Den Kaitumjaure darf man sich in drei Abschnitte vorstellen. Der Obere Teil heißt Padje Kaitumjaure, der mittlere Teil heißt Kaska Kaitumjaure und der unter Teil heißt Vaulep Kaitumjaure. Unser Tour startete am unteren Ende des mittleren Teils. Somit kamen wir nach ca. 2 Stunde paddeln zu dem Verbindungsstück mit dem untersten Teil des Kaitumjaure. Dies bedeutete auch die ersten Stromschnellen und Angler.
Zwischen den beiden Seeabschnitten ist eine ca. 1 Kilometer lange II Stromschnelle. Genau das richtige um sich ein bisschen warm zu paddeln und die Abstimmung mit dem Partner zu überprüfen. Da an der Stromschnelle ein paar Angler standen war auch gleich ein gewisser Druck da nicht wie ein Vollidiot hinter dem Boot die Stromschnellen zu befahren. Nun es ging alles gut und am unteren Ende der Stromschnelle wurde erste einmal angehalten um ein paar Äschen und Forellen zu fangen.

 

Exkurs: Lappland, Polarkreis, Wasserflugzeug und dann Zuschauer?

Also, es es verhält sich folgendermaßen:
Der obere Abschnitt vom Kaitum River und der Kaitumjaure sind nicht mit dem Auto zu erreichen. Das schafft man nur durch eine längere Wanderung, Helikopter oder Wasserflugzeug. Die Frage ist somit berechtigt wie es sein kann das man trotz dieser Aufwendungen nach den ersten 2 Kilometer die ersten fremden Personen trifft. Das müsste doch eher so ein Erstbefahrungs- Ding sein. Die Erklärung liegen im legendären Fischreichtum der oberen Kaitum Stromschnellen und dem Fischercamp Tjuonajokk. Das Camp befindet sich direkt an der Stelle wo der Kaitumjaure aufhört und der Fluss beginnt. Das Camp verteilt seine Gäste von dort so ca. im 10 Kilometer Umkreis an die besten und berühmten Fischgründe. Das Camp ist nicht riesig und es ist ebenfalls nur per Helikopter erreichbar, aber es beherbergt schon ein paar Leute. Somit gehören Angler am Ufer in diesem Abschnitt auch zum Landschafts Bild.

Der gemeine Angler wird in seinem Leben zwei Erkenntnisse haben wenn er sich leidenschaftlich seiner Freizeitbeschäftigung widmet.

  1. Sein Hobby ist absolut inkompatibel mit der Regierung daheim. Sollte er nicht irgendwann einmal die hohe Kunst des Kompromiss-Findens erlernen, wird er bald man mehr Zeit für sein Hobby zur Verfügung haben als ihm lieb ist.
  2. Er möchte einmal im Leben an einem Ort zum Angeln gehen, der die selben Voraussetzungen hat, wie dieser welchen wir gerade mit dem Kanu befahren.

Der zweite Punkt  ist schlicht und ergreifend dafür verantwortlich das das Camp vermutlich trotz nicht günstiger Wochenpreise im Sommer sehr gut besucht ist. Der Fischbestand hier oben ist fast schon eine Frechheit. Weiter unten auf dem Kaitum haben wir uns treiben lassen und konnten unter dem Kanu reihenweise Äschen und Forellen beobachten. Da kam man sich vor wie in einer Forellen Zuchtanlage. An einer Stelle wurde sechs mal der Spinner ausgeworfen und in fünf Fällen hing nach spätestens 5 Sekunden ein Fisch dran. Später wurde es dann glücklicherweise doch wieder eine Herausforderung etwas zu fangen.

 

Nachdem wir unser Rationen für das Abendessen zusammen hatten paddelten wir noch etwas weiter oder ließen uns treiben. Wir hatten es heute und auch die nächsten Tage nie wirklich eilig. Die Jahre davor zeigte sich das Tageskilometer von 10 bis 15 genau das richtige für uns sind. Kilometer fressen war nie unser Ding. Ein Remake von Dr. Richard Kimbels „Auf der Flucht“ wollten wir hier auch nicht drehen. Wir fanden einen schönen Platz mit einer großen Wiese für die Zelte. Wir kochten und genossen den Abend … soweit dies möglich war. Denn Holger schleppte eine klassische Grippe bis nach Lappland welche sich allmählich von ihrer unangenehmsten Seite zeigte. Hier leistete das Medipack die nächsten Tage gute Dienste.

 

Montag, 1 August 2011 – Erstbesteigung von Pitz Tobi

Am nächsten Tag, im unteren Abschnitt vom  Vaulep Kaitumjaure orientierten wir uns von Anfang an rechts und blieben auch auf dieser Seite Uferseite. Das Wetter war prächtig. Sonnenschein und gemütliche 20 Grad Celsius.

Eine glorreiche Idee für diese Jahr war die Mitnahme von Walkie Talkies. Solche Dinger sind jetzt wirklich kein Muss aber doch praktisch und witzig wenn man mit mehreren Kanus unterwegs ist. Wir hatten unterschiedliche Paddel Geschwindigkeiten. Das eine Boot wollte mal an einer Stelle länger angeln das andere mal das Ufer erkundigen. Über die Walkie Talkies blieben wir trotz allem in Kontakt. Der See ist eingerahmt von Bergen links und rechts. Einen dieser Berge wollte Tobi unbedingt besteigen, somit machte er sich mit etwas Proviant und einem der Walkie Talkies auf den Weg, während die restliche Truppe sich mit sonnen und angeln beschäftigte.

Tobi benötigte für die gesamte Aktion ca. 3 Stunden und konnte während seines Aufstiegs noch die Rentier Herden beobachten und sich im Gipfel Buch verewigen. Zudem hält er uns ständig über seinen Aufstieg mit Hilfe des Walkie Talkie auf dem Laufenden.

 

Video:: Rundumblick vom Pitz Tobi

 

Gegen Abend suchten wir uns ein schönen Lagerplatz mit Blick auf den See. Holger kurierte etwas seine Grippe aus. Jens- „Ich-wäre-Handball-Profi-Spieler-geworden-wenn-ich-BlaBlaBla“- Gläulix war den Abend über damit beschäftigt eine Ausrede zu finden, wir er das sicher geglaubte Schneehuhn hatte entwischen lassen.

 

Dienstag, 2 August 2011 – Sechs Würfe, fünf Fische

Am nächsten Tag paddelten wir zum Ende des Kaitumjaure. Auf der linken Seite erscheint das schon erwähnte Fischercamp und es beginnt der eigentliche Kaitum River. Der Kaitumälven fließt hier noch recht langsam und nach ca. 2 Kilometer kommen die ersten kleinen Stromschnellen der Kategorie I und II. An den Stromschnellen stehen die Fliegenfischer und gegenseitiges Nicken zeigt das beide Seiten das Outdoor Hobby des anderen gut heißt.


Ab dem Nachmittag war es im übrigen dahin mit unsere tollen Walkie Talkie Kommunikation. Wotan versenkte das Walkie Talkie vom Kanu NRW noch im Kaitumjaure.

Der erste Abschnitt der Kaitumälven ist absolut sensationell, vor allem für Angler. Wenn man sich einfach im Hauptstrom treiben lässt kann man unter dem Boot Unmengen von Äschen und Forellen beobachten. Es folgen eine paar lustige I und II Stromschnellen. An den Uferseiten sieht man meist ein paar Fliegenfischer aber auch vereinzelte Zelte in welchen die Angler wohl einen Wochenurlaub verbringen.

Wir finden einen wunderschönen Lagerplatz auf einer Landzunge und richten unser Lager ein. Wotan und Holger gehen nochmal ein bisschen Fischen während Jens und Tobi beschließen einen Pizza Ofen zu bauen. Diese „Abend-Projekte“ gehören unserer Ansicht nach zu einem schönen Kanu Urlaub dazu Man kann sich solchen Projekten zudem auch äußerst entspannt widmen, da es nie wirklich um das Überleben geht. Somit kann man ruhig mal mit großen Sprüchen das Lager verlassen und verkünden „Ich besorge uns mal ein Schneehuhn fürs Abendessen“... und am Abend doch Spaghetti mit Tomatensoße essen. Totale Reinfälle kommen da immer mal wieder vor, wie eben an diesem Abend. Der Ofen sah zumindest noch gut aus, die „Pizza“ war dann aber doch eher was für die Lemminge, welche an diesem Abend wieder reihenweise den Fluss überquerten.

 

Mittwoch, 3 August 2011 – Männer des Nordens

Das Wetter ist weiterhin traumhaft. Klarer Himmel mit ein paar Wolken, somit Sonnenschein bei Temperaturen um die 20 Grad Celsius.

Die Angler am Ufer sind nun verschwunden, die Umgebung weiterhin traumhaft. Am Ufer sehen wir nur noch zwei Wochenendhäuschen und debattieren drüber zu was jeder von uns bereit wäre um in den Besitz eines solchen Hauses direkt am Kaitumälven zu kommen. Details werden hier ausgelassen, aber das ist wirklich nicht schön wie schnell Moral, Charakter und sexuelle Präferenzen über Bord geworfen werden, wenn solch ein Traumhaus als Wetteinsatz im Spiel ist.

Wir kommen an die Liettikkuika Stromschnelle, diese wird laut Karte mit einer IV bewertet. Wir steigen aus und begutachten das Ding, sind uns aber unsicher was wir machen sollen. Wir entscheiden uns für folgende Variante:
Das obere Stück paddeln wir mit Gepäck. Dann setzten wir ans Ufer und tragen das Gepäck am schwierigsten Teil vorbei. Anschließend fahren wir das Stück mit dem leeren Canadier, was auch problemlos funktioniert.

 

Video: Stromschnelle auf dem Kaitumälven

 

Das folgende Stück ist richtig spaßig. Eine kurze II und ein ca. 3 Kilometer langes Stück welches dauerhaft als III bewertete wird. Wir sind recht zufrieden mit unseren Ritt auf den Stromschnellen. Die Kommunikation zwischen Jens und Holger funktioniert (bis jetzt) noch nahezu harmonisch. Wir können uns in diesem „blind“ befahrenen Abschnitt schnell auf eine Weg einigen, und die Schöpfkelle im Kehrwasser kommt nur selten zum Einsatz.

Wir nähern uns der V Stromschnelle Stuorkårtje. Das Wildwasser dort bzw. der kleine Wasserfall erfordert einen Landtransport. Als wir uns den Weg für das Kanu schleppen anschauen wollten treffen wir wieder auf unser Hamburger Freunde. Diese haben uns überholt als Tobi seien Berg bestiegen hat. Wir beschließen also genau an dieser Stelle unser Nachtlager aufzuschlagen um den Abend gemeinsam mit ihnen zu verbringen. Hier wurde auch folgendes Gruppenfoto geknipst.

Gruppenbild-Konstanz-Koeln-Hamburg

Andre, Andre, Wotan, Chris, Tono, Thomas, Edu, Tobi, Holger, Jens

 

Chris ist im übrigen der Alptraum eines jeden Outdoor Händlers. Gore Tex, atmungsaktiv, Soft Shell, Tarp, Daunen Jäckchen, neongelb, neongrün...... Was wurde in den letzten Jahren nicht alles auf den Markt geworfen. Ein paar Dinge machen eventuell das Outdoor Leben bequemer, andere haben vermutlich auch Leben gerettet, aber alle haben sie dem Enthusiasten das Geld aus der Tasche gezogen. Da geht nichts dran vorbei, in den Städten laufen Personen mit den teuersten Membran Jacken vom Hauseingang zu ihrer Luxuslimousine, unabhängig davon das die gefährlichsten Gebiete welche sie erkunden aus dem Schotter vor der Garage bestehen. Das Marketing der Outdoor Industrie hat in den letzten Jahren einen Coup gelandet. Outdoor Klamotten sind gesellschafts- fähig geworden und es wird suggeriert das man nur diese Klamotten tragen muss und schon ist man „Wildnis tauglich“.

Chris hingegeben zeigt sich immun gegen solche Werbe Lügen. Intensive Bild Recherchen haben es bewiesen. Alles was Chris seit Jahren in der Wildnis benötigt und trägt ist: Eine blaue Adidas Jogging-Hose, ein paar Gummistiefel und ein T-Shirt. Und zwar in ständiger Kombination mit einer Zigarette im Mundwinkel. Dies aber bei jeder Tages und Nachtzeit, unabhängig von Witterungsbedingungen, wie Sonnenschein oder Platzregen. Beweisen können wir es nicht, aber wir vermuten das er zum Schlafen sich nur eine Plastiktüte über den Kopfbereich spannt, damit die Zigarette nicht ausgeht, und sich direkt auf die Erde zum schlafen legt, mit einem Stein als Kopfkissen.
Sollte es also wahr sein? Die Männer im Norden sind doch widerstandsfähiger wie schwäbischen Genies aus dem Süden? Nun, ein kleiner Junge ein paar Tage später lieferte zumindest den Beweis für die Unempfindlichkeit gegenüber Kälte, was die nordischen Genen angeht.

Am Nachmittag ging man noch zusammen zum Angeln und am Abend wurde den Hamburgern noch der Ritterschlag verpasst. Sie bekamen eine exklusive Einweisung in die Zubereitung der berühmten Outdoor Fischknusperlis. Nach dem Abendessen saßen wir noch alle am Hamburger Feuer und unterhielten uns. Die letzten suchten erst um halb drei das Zelt auf.

 

Donnerstag, 4 August 2011 – Ein Sonnenuntergang hat seinen Preis

Wir hatten am Tag vorher schon die Kanus zur Einsatzstelle nach der Stromschnelle getragen. Somit konnten wir nach dem Zusammenpacken zügig aufbrechen.

Wir wussten aufgrund der Karte das wie an diesem Tag noch ein paar größere und kleinere Stromschnellen zu bezwingen hatten.
Das Paddeln auf den Stromschnellen bis zur Kategorie III klappt immer besser. Dieses Jahr sind wir dazu übergegangen uns etwas näher am Ufer zu orientieren wenn dies möglich ist. Der Hauptstromzug am Kaitumälven führt oft so viel Wasser, so das es mit einem offenen Canadier einfach nicht möglich ist ihn in der Mitte zu befahren. Die Wellen sind einfach zu hoch und spätestens nach der dritten Welle ist das Boot voll, was wir ein paar Tage später auf einem Video noch demonstrieren wollten. Jedenfalls wären Wildwasser Kajaks oder Canadier mit Spritzdecke auf dieser Tour von Vorteil, aber man kann sie im Spätsommer auch gut mit einem offenen Canadier machen.

Nach ein paar Kilometer erreichen wir die Unnakårtje Stromschnelle mit der Einstufung V. Wir steigen aus und begutachten diese und ebenso die gleich im Anschluss folgende IV Stromschnelle. Wir können dies zusammen mit den Freunden aus der Hansestadt besprechen welche wir hier wieder treffen. Die V ist absolut unbefahrbar, wir können uns aber ihr noch etwas annähern indem wir noch rechts um die Flusskurve fahren und dann in einer kleinen Bucht rechts anhalten. Diese Ausfahrt sollte aber auf keinen Fall verpasst werden. Wir machen uns anschließend ans Ausladen und tragen Ausrüstung und Canadier zur Einsatzstelle oberhalb der IV Stromschnelle. Wir haben beschlossen den Abschnitt welcher als IV klassifiziert war zu fahren. Die Abschnitte welche man umtragen muss, sind die echten sportlichen Abschnitte beim Kanuwandern, nichts was einen an den Rand der Erschöpfung bringt allerdings muss man sich hier eines gewissen Aufwandes (kalorien- und zeitmässig) bewusst sein.
Der IV Abschnitt sah um diese Jahreszeit nicht so aus als ob man eine all zu großes Risiko eingeht wenn man versucht ihn zu paddeln. Den oberen Teil kann man sich noch recht gut einprägen und eine gute Linie festlegen, weiter unten wollten wir „frei“ fahren. Team NRW hat unten die rechte Linie gewählt, und dies hat gut geklappt. Der Schwaben Canadier in der mittleren Linie hat einen Not Stop einlegen müssen und mangelndes Fahr- Können bzw. Absprachen mit Hilfe der Schöpfkelle ausgleichen müssen.

Es geht weiter und wir kommen an eine Not- Hütte, oder wie auch immer man diese nennen möchte. Es ist eine Hütte mit einem kleinen Kachelofen und einem Satelliten Telefon. Wir bauen dort unser Nachtlager aus und können mit Hilfe des Ofens wunderbar unsere Sachen trocknen und uns zwischen den Badegängen aufwärmen.

Am Abend haben wir einen sensationellen Sonnenuntergang. Die schönsten knalligen rot Töne. Es sind mit Sicherheit ein paar schöne Bilder entstanden an diesem Abend, aber im Grunde sah es noch viel besser aus. Wotan meinte noch, das solche Untergänge oft eine Wetterwechsel einläuten, er sollte leider recht behalten.

Freitag, 5 August 2011 –  Wo ist der Paartherapeut wenn man ihn mal wirklich braucht?

Am nächsten Tag schlägt das Wetter um. Es regnet zwar noch nicht, aber es wird deutlich kühler. Viele Leute in Deutschland denke ja das es in Schweden immer kalt ist und regnet. Das ist, zumindest auf Süd und Mittelschweden bezogen, absoluter Schwachsinn. Gerade am Anfang der „Kanu“ Karriere fährt man meist erst einmal nach Südschweden. Dort hat man eigentlich einen ähnlichen Sommer wie in Deutschland nur das man eventuell keine so extremen Hitzewellen hat wie sie in Deutschland vorkommen können, aber das ist ja eher angenehm. An der Ostküste von Schweden kann man aber wirklich ebenfalls richtig schöne Badeferien verbringen, und die Strände sind bei weitem nicht so überlaufen wie an manch anderen Küsten von Europa.

In Lappland kann es aber, auch im Sommer, schon mal etwas kühler werden. Man darf sich hier jetzt keine Horror Szenarien vorstellen. Wir reden hier von 10-15 Grad tagsüber. Das kann vorkommen im Juli / August. Lappland ist wunderschön, herrlich, einfach ein Traum, aber Menschen welche erst ab 20 Grad Celsius gute Laune bekommen haben hier erst einmal nichts verloren.

Wir paddeln Richtung der Ortschaft Kaitum und werden ein letztes mal von den Hamburgern überholt. Diese haben ihren Endpunkt in Kaitum. Dort sollen sie abgeholt werden. Somit müssen sie etwas Gas geben damit sie rechtzeitig am verabredeten Abholpunkt erscheinen.

Wie es sich gehört beobachten wir das Wetter. Es ziehen dunklere Wolken in unsere Richtung welche nach Regen aussehen. Daher bauen wir recht bald unser Lager auf und richten dieses gemütlich ein indem wir mit Hilfe der Plane einen schönen Wohnbereich trocken halten und genügend Holz für das Lagerfeuer sammeln.

Der einsetzende Regen an diesem Nachmittag hat leider eine große Liebe zerstört. Vier Jahre lang hat Holger und sein Vaude Mark III Zelt eine Traumbeziehung geführt. Glückliche Stunden in der schwedischen Wildnis haben sie verbracht, gingen gemeinsam durch Regen und Sonnenschein. Es wurde gemeinsam gelacht über die langen Zeltaufbauzeiten der andern Paare, doch dann kam der Regen an diesem Tag. Da zeigte sich, die PU Beschichtung des Außenzeltes war dahin. Dabei war Mark III doch noch so jung, 5 Jahre waren wir erst zusammen, doch das Zelt war undicht. Wasser drang ein und führte schnell zu unüberbrückbaren Differenzen. Beiden war klar, das dies das Ende der Beziehung war.

Das Wetter auf dieser Kanutour widerspiegelt im Grunde die Gruppenzusammensetzung. Wotan war die letzten Jahre auf seinen Outdoor Touren immer nur mit schlechtem Wetter gesegnet. Die zwei braven Engel Jens und Holger aus Süddeutschland waren etwas verwöhnt was dieses Thema angeht. Nach etwas Regen an unserm Ankunftstag am Kaitumjaure, hatten wir die folgenden Tage herrliches Wetter und mussten Wotan erst einmal erklären was denn dieses „runde, heiße, grelle Ding da oben am Himmel“ zu bedeuten hat. Heute kam also der Wetterumschwung mit leichtem Regen und einem Temperatursturz.

Was die Truppe aber nicht davon abgehalten hat Abends noch angeln zu gehen. Während Wotan und Holger brav ihre Forellen für das Abendessen gefangen haben, hat´s Tobi versaut! Er hat den Lachs welcher angebissen hat entkommen lassen, dabei hätte er ihn kriegen können. Die Sushi Vorspeise taumelte nämlich vor ihm im Wasser als er den Haken abgeschüttelt hatte. Tobi hätte nur noch in Wasser springen müssen und ihn keschern müssen. Doch was war der Kommentar von dieser Großstadt Primadonna „Ich wollte mir nicht die Stiefel nass machen“. Was soll man dazu jetzt noch sagen, der Kerl hatte bis zu diesem Tage einfach noch nicht begriffen das der Lachsfang ihn zu einem echten Mann gemacht hätte. Sticheleien für den restlichen Urlaub haben allerdings sichergestellt das er sich beim nächsten Mal sofort kopfüber ins Wasser stürzen würde.
Bleiben hier noch zwei Dinge festzuhalten:


Der angesprochene Kälteeinbruch verursachte wunderschönen Nebel welcher sich am Abend über den Kaitumälven legte.

 

Samstag, 6 August 2011 – Hecht und 100 Liegestützen

Es ist wie gesagt deutlich kühler geworden, aber es regnet meist nur in kurzen Schauern. Die Hard Shells sind somit immer in Greifweite. Auch die Neopren Handschuhe und die Wollmützen tragen dazu bei das es weiterhin schönes Paddeln bleibt. Es kommen noch eine Stromschnellen der Kategorie I, II und III welche eine schöne Adrenalin Abwechslung bieten. Tobi verliert die zu Beginn der Paddeltour ausgerufene Wette. Er entdeckt als letzter den ersten Nadelbaum. Wir befinden uns heute also am Übergang von der Tundra zur Taiga. Zwar hatten wir die vergangen Woche auch wunderschöne romantische Lagerfeuer aus Birkenholz. Aber mit Tanne und Kiefer ist das ganze doch einfacher ein schönes Lagerfeuer zu entfachen. Der Wetteinsatz waren 100 zusätzliche Liegestützen. Zusätzlich, richtig! Wir hatten nämlich für diesen Urlaub einen Standard definiert welchen wir vor unserem täglichen Aufbruch durchzogen.

  • Mindestens 40 blitz- saubere Liegestützen, mit täglicher Steigerung.
  • Ein tägliches Gruppenbild nach einen zuvor gewählten Motto. Das diese Aufnahmen stark an die 4 Doltons aus den Lucky Luke Heften erinnern, darauf wurden wir erst nach dem Urlaub hingewiesen.


Nach dem Lageraufbau am Abend ziehen Tobi und Holger nochmal los um das Abendessen zu besorgen. Tobi fängt einen 72 cm Hecht welchen Wotan auf den Zentimeter genau auf diese Länge schätzt. Stolz wie Oskar und beflügelt von seinem Erfolg zieht Tobi nochmals los um weiter Fische zu jagen. Es endet damit das er es schafft Jens Angel zu schrotten. Dieser Tour ist wirklich der Urlaub der Verluste.

 

Sonntag, 7 August 2011 – Schon wieder Weihnachten mitten im Sommer

Unserem tägliches Gruppenbild hat heute das Motto „Verstecken“, nur falls sich jemand fragt was dieses dumme Bild mit den Büschen hier zu suchen hat. Andre schickt uns noch eine SMS und gibt Hinweise auf einen Schatz welchen wir Flussabwärts heben können wenn wir ihn finden. Die Hamburger werden heute in Kaitum abgeholt und müssen die Heimreise antreten.

Der Schatz war im Grunde unauffindbar, zumindest für Normalsterbliche, nicht für uns. Jahrelange Outdoor Erfahrung, eins mit der Natur, Instinkte so scharf wie ein Katana und ein rasiermesserscharfer Verstand. Damit war es uns möglich den Schatz zu entdecken, die restlichen Vorräte von der Gruppe Hamburg.

Klopapier, Wein, Zitronen, Tee, saure Pommes und 10 Tafeln Schokoladen (wovon 8 auf unerklärlicher Weise im Kanu NRW „verloren“ gingen). Dekoriert war das ganze mit Jägermeister Fläschchen welche sofort eingesetzt wurden um die Kälte zu bekämpfen.

 

Schatz am Kaitum

Wir haben einen Schatz gehoben

Was soll man da jetzt noch  sagen. Das war wirklich eine super Aktion. Daher muss man an dieser Stelle noch einmal erwähnen. André, Edu, Tono, André, Chris und Thomas aus Hamburg sind:

Witzig, sympathisch, intelligent, schlagfertig, unterhaltsam, belastbar, erfahren, gescheit, sportlich, treu, zuverlässig, ehrlich, selbstbewusst, fair, nett, unkompliziert, hilfsbereit, entschlossen, fleißig, kreativ, spontan, sexuell ausdauernd (nach Aussagen ihrer Partner und Geliebten) und natürlich sehe sie alle extrem gut aus!!!

 

Wir paddeln bis nach Kaitum. Dort führt eine Eisenbahnbrücke über den Kaitumälv und es ist der erste Ort welcher gut und bequem mit dem Auto zu erreichen ist. Viele Kanuten wählen Kaitum als Endpunkt für ihr Tour. Man kann in Kaitum auch in den Zug einsteigen. Eine erstklassige Möglichkeit wenn man beispielsweise mit einem Luft Canadier oder Faltboot unterwegs ist. Hierfür muss man allerdings selber das Halte Signal für den Zug auf STOPP stellen. Sonnst hält dieser nicht an.

Wir paddeln weiter nach Killingi. Killingi ist ein kleines Dorf mit geschätzten 17 Einwohnern... eventuell sind es auch mehr. Was wir wussten ist, das es dort eine Art Kiosk geben sollte. Wir hielten also an der Brücke welche über den Kaitumälven führte und orientierten uns. Es war der kälteste Tag von unserem Urlaub. Und wir packten unsere Extra Klamotten aus und zogen uns Wollmütze und Handschuhe über.
Ein paar Tage vorher hatten wir ja mal kurzzeitig in Erwägung gezogen das es auf diesem Planeten Männer gibt, die noch härter drauf sind als wir. Das war als Chris (der Hamburger) ständig nur mit seinem T-Shirt-Zigaretten Outfit unterwegs war. Bis wir in Killingi waren konnten wir diesen wahnwitzigen Gedanken wieder verdrängen.... bis wir die Brücke überquerten:

Wir liefen also gerade über die Brücke um das unbekannte Kiosk aufzusuchen. Eingepackt wie das Marshmallow Männchen und mit etwas Armkreisen darauf bedacht die Knochenkälte zu vertreiben, laufen wir Richtung Kiosk und da stand er:
Ca. 10 Jahre, blonde Haare, aufgeschlagene Knie. Er saß auf seinem schlamm- verschmierten Fahrrad und schaute uns frech mit einem original Michel-aus-Lönneberga Gesichtsausdruck an. Es war ersichtlich das dies im Grunde seine Brücke war welche wir hier überquerten. Die Schmach war aber das wir an im vorbei liefen mit einer Funktionsshirt-Unterhemd-Kapuzenpulli-Fleecejacke-Regenjacken Schichten Kombination, während der kleine Frechdachs nichts weiter an hatte als eine kurze Hose, T-Shirt und BADESCHLAPPEN! Siehe auch: Wie sind die Schweden denn so?

Das Kiosk konnten wir nicht zusammen betreten, dazu war es einfach zu klein. Zudem hatte es dummerweise auch kein Brot im Angebot. Wir hatten nämlich vor uns einmal das Brot backen zu sparen. Brot backen ist zwar eine nette Abendbeschäftigung, aber auch zeitraubend für denjenigen welcher es machen muss (Bäcker Gräulich). Somit liefen wir wieder zurück zum Kanu, vorbei am missbilligendem Blick dieses 10 jährigen Brückenwarts und paddelten in Richtung der berühmten Killingi Wasserfälle.

Die Wasserfälle in Killingi sind eine Abfolgen von Wildwasserkategoriene VI,V und IV. Das ganze Stück hat ein Länge von ungefähr 3,5 Kilometer, was klar macht das hier einiges umtragen, umtreidelt oder riskiert werden muss. Falls es hier Leute gibt welche sich jetzt fragen ob die Tour leichter wird wenn man einen Kanuwagen mitnimmt, so lautet die Antwort schlicht und ergreifend: NEIN. Bei allen Stellen am Kaitumälven welche einen Landtransport erfordern ist ein Kanuwagen so hilfreich wie eine Zahnwurzelbehandlung. Es geht so gut wie immer über kleine Trampelpfade, zwischen Bäumen und Felsen durch. Gutes festes Schuhwerk ist ebenfalls hilfreich, da es auch mal gerne durch Schlammlöcher geht oder es einen kleinen Hügel hoch bzw. herunter geht.

Vor der WW VI gehen wir links ans Ufer und erkunden erst mal die nächsten Meter an Land. Auf Höhe des Wasserfalls gibt es mal wieder einen Deluxe Lagerplatz, gebaut vom schwedischen Naturliebhaber Verein … oder so etwas ähnlichem. Ein großes Holzhaus in welchem man auch ein Kaminfeuer anzünden könnte und sicher Platz für 15 Leute zum gemütlichen zusammensitzen bietet. Für uns viel interessanter sind die Feuerstellen, und das zugehörige Holzlager wo man nur noch etwas sägen und spalten muss um mit dem Kochen beginnen zu können.

Die Killingi Falls sind sehr bekannt und beeindruckend. Sie liegen in einer kleinen Schlucht und am Rand hat es sogar ein paar Rettungsringe für besonders tolpatschige Touristen. Es tauchten am Abend noch ein paar Einheimische auf um kurz ihr Glück beim Fischen zu probieren. Zudem lernen wir dann noch die beiden finnischen Fliegenfischer kennen welche sich hier für ein paar Tage eingerichtet haben um ihrem Hobby nachzugehen. Durch die beiden wurde unser Geisteshorizont um zwei Dinge erweitert .

  • Prost auf Finnisch kann man sich total einfach merken. Man sagt „Kipp es“. Nun ja, es heißt eigentlich „Kippis“ aber die erste Eselsbrücke hilft es, dies nie wieder zu vergessen
  • Hier unten fressen die Forellen keine Lemminge mehr, sondern Mäuse. Die Finnen hatten nämlich ebenfalls Bilder von halbverdauten Mäusen gemacht welche sie in den Forellen Mägen gefunden haben. Hat sie offensichtlich auch beeindruckt.

 

Montag, 8 August 2011 –  Video Anschauungsmaterial für die Nachwelt

Dies sollte unser anstrengendste und unterhaltsamster Tag werden mit einem Jackpot am Abend. Wir hatten gemeinsam beschlossen nach der VI einzusetzen und die folgenden V und IV Abschnitte wenn möglich zu befahren und zu treideln. Das war auch möglich wie wir feststellten. Aber wirklich zügig kommt man da natürlich nicht voran. Ein paar kurze ruhigeren Stücke kann man paddeln, aber man muss sämtliche Stellen vorher begutachten. Jeder durfte seien Meinung abgeben und dann hat man sich für eine Linie entschieden oder es wurde getreidelt.

Nach ein paar Stunden hatten wir nur noch die letzte IV vor uns. Links eine Felswand. Treideln also nicht möglich, da es auf dieser Seite auch ein unbefahrbare Kante bzw. Schwelle hatte. Das Fahrwasser war also am rechten Rand bzw. in der Mitte.
Allerdings tat sich etwas Unmut auf bei der Gruppe. Jetzt waren wir seit Tagen unterwegs sind aber noch nie gekentert. Sollte dies so weitergehen? Gab es überhaupt noch eine Herausforderung für uns? Waren wir am Zenit? Nein so konnte es nicht weitergehen.

In unserm Großmut beschlossen wir daher Anschauungs- Videos zu erzeugen um der Nachwelt zu zeigen wie man diese Stromschnelle NICHT fahren sollte!!!

Drehbuch für Video 1 sah dabei folgendes vor:

Die beste Linie am rechten Uferrand wird relativ gut angefahren wenn auch ein paar Felskontakte eigentlich hätten vermieden werden können. Das Kanu füllt sich hierbei schon etwas mit Wasser. Jetzt hat der Bugpaddler allerdings in einem Anflug von geistiger Umnachtung die Idee das Kanu mitten in der Stromschnelle an den rechten Rand zu steuern, um das Wasser auszuschöpfen. Natürlich macht er dies ohne den Hintermann von diesem Plan in Kenntnis zu setzten. Des weiteren soll das Video zeigen das es nicht möglich ist ein Kanu mal kurz selbständig an den Rand zu ziehen, auch wenn man davor sein Paddel panisch in die Fluten geworfen hat.

Der Heckpaddler glänzt in der gesamten Szene mit mangelnden Führungsqualitäten, schließlich ist er als Steuermann ja für die Durchfahrt- Strategie verantwortlich und hätte solche Manöver rechtzeitig unterbinden sollen. Auch seine Schlaftabletten ähnliche Reaktionsgeschwindigkeit trägt nicht zur Verbesserung der Gesamtsituation bei.

 

Drehbuch für Video 2:


Das Boot fährt im Grunde die Ideallinie. Dummerweise leidet der Canadier an Schizophrenie, es hält sich nämlich für ein Kajak. Was mit einem Kajak problemlos fahrbar ist stellt einen offenen Canadier ohne Spritzdecke vor gewisse Schwierigkeiten.

 

 

Nach dem Filmdreh war alles unterhalb der Hüfte durchnässt. Wir beschlossen allerdings trotzdem gleich weiter zu paddeln nachdem wir die Boote wieder trocken hatten. Die Stelle an welcher wir waren, war für ein Lagerplatz denkbar ungeeignet und wir hatten vor lieber noch etwas auszuhalten und einen schönen Lagerplatz zu finden. Die Idee war im Grunde nicht schlecht. Aber Kälte, nasse Hosen und der Frust über den überaus gelungenen Filmdreh schlagen doch etwas auf die Stimmung. Fast schon legendär ist die Entladung von aufgestauten Spannungen beim Kanu „Schwabenpower“. Diese erreichen ihren Höhepunkt grundsätzlich mitten in einer Stromschnelle. So auch diesmal in einer kurzen IV welche unter normal Umständen auch befahrbar ist. Somit kann man sich beim anschließenden gemeinsamen Trockenlegen des Kanus noch ordentlich mit nicht jugendfreien Ausdrücken beschimpfen. Nun, was will man auch machen wenn beide Seiten felsenfest davon überzeugt sind alles richtig gemacht zu haben. Es heißt dann erst einmal für beide Seiten, 1 Stunde einfach nur die Klappe halten. Das funktioniert super, wenn sich beide dran halten.

So, und am Ende von einer langen II Stromschnelle finden wir den Jackpot. Blau, mit einem spitzen Dach, auf einer kleinen Anhöhe mit Blick über dem Kaitumälv. Die Erbauer dachten sich wohl das die Leute welche es bis hier her geschafft haben vorher Kontakt mit den Stromschnellen von Killingi hatten. Somit gab es neben den ganzen anderen Extras als Highlight einen Bollerofen in der Hütte. Ein Traum.

Den Abend verbringen wir in der mollig warmen Hütte und spielen Karten.


Dienstag, 9 August 2011 –  Ruhetag in der Premium Hütte

Bei Wotan ist die Grippe welche von Holger eingeschleppt wurde nun vollständig ausgebrochen. Somit beschließen wir einen Ruhetag einzulegen und bleiben vor Ort. Es regnet und Jens und Holger erkunden den Fluss und die Gegend. Wotan trinkt ein Tee nach dem anderen, zudem kommen wir dazu Brot zu backen und alle Sachen richtig zu trocknen.

 

Mittwoch, 10 August 2011 – Ausdauertraining am Feuerbohrer

Nach ein paar Kilometer leichten Paddeln mit I und II Stromschnellen kommen wir an die Einsatzstellen vom Jahr zuvor. Ab hier befahren, zumindest Jens und Holger, den Fluss das zweite Mal. Es tauchen immer mal wieder vereinzelt Häuser oder Angler am Ufer auf. Es folgt noch eine leichte III und wir nähern uns immer mehr dem Zusammenfluss mit dem Kalix River.

Am Lagerplatz angekommen fängt Wotan seinen ersten Hecht mit der Angel. Das mit der Angel ist wichtig, schließlich hat er schon unzählige mit der Harpune nachts beim schnorcheln erbeutet.

Das Feuer zum Kochen würden wir gerne mit einem Feuerbohrer (http://de.wikipedia.org/wiki/Feuerbohren) machen. Obwohl sich Wotan und Tobi voll ins Zeug legen reicht es nur zu ein paar Rauchwölkchen und am Ende muss dann doch wieder der Flint-Stein  herhalten.
Jens möchte versucht die ätherischen Öle einer Fichtenwurzel zu extrahieren. Er ist dabei genauso erfolgreich wie zuvor Wotan und Tobi mit ihrem Feuerbohrer.

 

Donnerstag, 11 August 2011 – No Lachs for the teams

Der Donnerstag ist zumeist verregnet wenn es auch immer wieder trockene Phasen hat. Wir sind im Grunde den ganzen Tag damit beschäftigt irgendwie einen Lachs zu fangen. Auch an der Stelle wo wir letztes Jahr noch einen erwischten tut sich überhaupt nichts. Wotan hat zwar einen mal springen sehen, aber am Abreisetag haben wir noch die Information bekommen, das sie dieses Jahr extrem spät dran waren und zu unsere Zeit noch nicht viel den Weg Flussaufwärts gefunden haben.

Die III Stromschnelle welche uns letztes Jahr noch etwas Ärger bereitet hat ist dieses Jahr nahezu lächerlich. Der Wasserstand ist verglichen mit 2010 schätzungsweise einen halben Meter weniger.

Am Abend kommen wir zum Zusammenfluss von Kalixälven und Kaitumälven und bauen unser Lager auf. Es regnet jetzt auch nicht mehr. Zum Abendessen gibt es wieder das beliebte Pilzrisotto. Es ist im übrigen sehr hilfreich wenn man sich etwas mit Pilzen auskennt, denn auf der gesamten Tour sind diese ausreichend vorhanden und man kann problemlos seinen Speiseplan erweitern. (Siehe: Outdoor Rezepte für Kanutouren)

 

Freitag, Samstag 12 + 13 August 2011 – Und noch eine Schöpfkelle Wasser für's Team

Wie schon im Jahr davor hatten wir für unser zwei letzten Nächte eine Hütte im Wildniscamp Lappeasuando gebucht. Dieses liegt vom Zusammenfluss aus gesehen ca. 1 Kilometer den Kalix Fluss hinauf. Das Camp ist schlicht und ergreifend genial. Total ruhig, schöne Hütten, und das genialste, eine Holz Sauna.

Den Freitag und Samstag verbrachten wir extrem entspannt. Es wurde Wäsche gewaschen, Holzlöffel geschnitzt, Bücher gelesen, die Gegend erkundet. Der anstrengende Teil des Urlaubs lag nun hinter uns und wir genossen den Komfort des Camps.

Und Abends gab es wieder richtig schöne knackige Saunagänge mit drei Aufgüssen ("und noch eine Schöpfkelle Wasser für´s Team!!!"). Abgekühlt wurde sich mit einem Sprung in den saukalten Kalixälven.

 

Sonntag, 14 August 2011 – The End

An der Autobrücke von Lappeasuando holte uns Sven pünktlich ab und fuhr uns zum Flughafen in Kiruna. In Stockholm kam dann der Abschied. Jens und Holger flogen weiter nach Zürich. Tobi und Wotan mussten nach Köln. Für Jens, Tobi, und Holger ging es zurück in die Arbeitswelt, für Wotan war der ganze Trip ja eh nur der Auftakt zu einer 2 jährigen Weltreise, nun wir würden mal sagen es war ein sensationeller Beginn für eine so grosse Reise.

Lappland macht süchtig. Holger / November / 2011

http://www.canoeguide.net

 

Fragen zur Kanutour auf dem Kaitumjaure und Kaitumälven

Es erreichen uns immer wieder die selben Fragen zu dieser Kanutour. Daher gibt es hier ein paar Antworten auf diese.

 

1. Kosten für den Flug mit dem Wasserflieger

Wir haben im Jahr 2011 ca. 550 Euro gezahlt. Welche sich damals durch 4 geteilt haben. Es hat mit irgendwelchen EU Bestimmungen oder sowas zu tun, jedenfalls fliegt das Wasserflugzeug nicht mehr zum Kaitumjaure (Stand August 2013). Nur noch der Helikopter bringt Personen und Boote zum Startpunkt. Was dies heute also kostet muss jeder selber erfragen. Entweder beim http://kirunaflyg.se/ direkt oder bei Sven von der Kanotcentral Norr. Flugpreise werden günstiger wenn man beispielsweise ein Falt oder Luftboot hat, denn dann ist der Aufwand für den Transport geringer für das Flugunternehmen.

 

2. Zuverlässigkeit vom Flugunternehmen

Flug mit dem Wasserflieger hat genau zum angebebenen Zeitpunkt stattgefunden. Allerdings kann es dort oben wetterbedingt auch mal zu Verzögerungen kommen (Siehe: 2012: Kanutour Finnland - Lätäseno - Poroeno - Valtijoki). Für die Tour sollten man also in jedem Fall mal 2 bis 3 Puffertage einplanen.

 

3. Welche Kanus sind geeignet für diese Tour

Es werdern Kanus benötigt welche fürs paddeln im Wildwasser mit Grundkontakt geeignet sind. Für Personen ohne jegliche Wildwassererfahrung ist die Tour unserer Meinung sowieso nicht geeignet. Wenn man bei einem Kanuverleiher eine Kanu vorbucht für diese Tour sollte man sich in jedem Fall Typ und Modell bestätigen lassen. Die Paddler sollten dann selber entscheiden ob sie mit diesem Modell die Tour machen möchten. Um spätere (oft berechtigte) Reklamationen harmonisch abwickeln zu können, empfiehlt sich den Zustand des Leihkanus vor dem ersten Paddelschlag fotografisch festzuhalten.

 

4. Kanotcentral Norr

Sven von Kanotcentral Norr war immer pünktlich und hat immer genau das Kanu geliefert was zuvor per Mail besprochen war.

 

5. Basics Kanutouren

Grundsätzlich sollte man bestimmte Tipps und Hinweise bei der Organisation von Kanutouren beherzigen. Siehe auch: Sicherheit bei Kanutouren oder Stromschnellen mit dem Kanu befahren. Gerade dann wenn die Touren etwas abgelegener sind wie diese Tour auf dem Kaitumälven.

 

6. Weitere Fragen oder Kommentare zu dieser Kanutour: Bitte hier fragen oder kommentieren

 

 

 

 


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